Warum der RTL-Katastrophenfilm „Helden“ eine Katastrophe ist

Lee (Ill-Young Kim, li.), Andrea (Yvonne Catterfeld) und Welzheim (Stephan Ullrich) sitzen 16 Etagen unter der Erde fest.
Lee (Ill-Young Kim, li.), Andrea (Yvonne Catterfeld) und Welzheim (Stephan Ullrich) sitzen 16 Etagen unter der Erde fest.
Foto: RTL / Wolfgang Ennenbach
Dieser Film ist selbst für RTL-Verhältnisse miserabel. In "Helden - wenn dein Land dich braucht" schlagen sich Christine Neubauer, Hannes Jaenicke, Armin Rohde und andere mit den Folgen eines fehlgeschlagenen Superexperiments herum. Es geht viel kaputt. Vor allem die gute Laune, wenn man zu lange hinguckt.

Essen. Am Ende, wenn man denkt, dicker kann’s selbst bei RTL nicht mehr kommen, beten Muslime und Christen brav nebeneinander in der Turnhalle und reichen sich die Hände. So gesehen hat die globale Katastrophe ja ihr Gutes, denn in ihrem Angesicht werden alle Menschen Brüder.

Und wenn ausgerechnet ein deutsches Actionspektakel im Auftrag des größten Krawallsenders die frohe Botschaft verkündet, dann sollten wir uns vor dem Fernseher vielleicht alle die Hände reichen, noch dazu am Tag der Einheit. Vorausgesetzt, wir haben es geschafft, den 130 Minuten langen Film „Helden – wenn dein Land dich braucht“ (Donnerstag, 20.15 Uhr) bis zum Schluss durchzustehen. Das allerdings kostet Kraft.

Neun Millionen hat der Sender in den Streifen gepumpt, die Filmförderung hat mit Steuergeldern brav mitgeholfen. Es kracht und zischt auch schön. Nur für ein gescheites Drehbuch und die Regie war offenbar kein Geld mehr übrig.

Christiane Paul hat schon immer gewarnt

Dafür begegnen uns vertraute Gesichter. Christiane Paul zum Beispiel. Sie spielt eine Physikerin, und die warnt, warum auch immer, schon lange vor dem Schwarzen Loch. Nutzt aber nichts, skrupellose Wissenschaftler (Schweizer, na klar) beschwören es beim Basteln herauf.

Ihr Versuch, den Urknall zu simulieren, geht natürlich fürchterlich in die Hose. Schließlich hat im Vorspann schon eine Stimme unheilsschwanger genörgelt, dass der Mensch nicht Gott spielen dürfe. Und die dröhnende Musik, die Spannung vortäuscht, wo keine ist, verrät uns doppelt so laut wie nötig, dass es nun ganz schön übel wird.

Abstürzende Flugzeuge und einstürzende Fußballstadien

Mit den Folgen des Experiments, überwiegend das Abstürzen von Flugzeugen und das Kaputtgehen von Häusern, Fußballstadien und Spreewaldgurkenfeldern oder auch mal kompletten Landschaften, wenn gerade wieder Leerlauf droht, müssen sich jetzt bewährte Kämpen der deutschen Schauspielmittelklasse quer durch die Re­publik herumschlagen. Sie produzieren Komik am Fließband. Unfreiwillig natürlich.

Hannes Jaenicke zum Beispiel. Als ein aus der Bahn geratener Satellit im Berliner Reichstag einschlägt, darf er gleich mal mit malerisch verdrecktem Gesicht ein traumatisiertes Kind (mit Teddybär, logisch) durchs Geröll tragen.

Später wird er sich mit seiner Ex und seiner Tochter versöhnen, die im Angesicht heraufziehender Explosionen und Erdbeben von der Rotzgöre zum Musterkind mutiert (vielleicht auch nur, weil ihre unerträglich nette Tante Yvonne Catterfeld auf unsanfte Weise endlich mal aus dem Verkehr gezogen wurde).

Armin Rohde ist im Ruhrgebiet fürs Heldentum eingeteilt

Armin Rohde und Ingo Naujoks, sie waren alt und brauchten das Geld, sind im Ruhrgebiet fürs Heldentum eingeteilt und dürfen sich freuen, wie die unverzichtbare Christine Neubauer als Krankenschwester im Gelsenkirchener Lazarett ihrem Schalke-Kumpel den Blinddarm selber rausholt, weil der Arzt doch so zittert.

Bei Heiner Lauterbach, der den strengstens gescheitelten Bundeskanzler gibt, hofft man, dass wenigstens er angesichts des geballten Schwachsinns um sich herum gleich vor Lachen platzt. Aber er zieht seine Nummer so todernst durch, als stünde Hamlet auf dem Spielplan, und das ist dann, ehrlich gesagt, noch lustiger.

Viele darstellerische Entgleisungen

Wenn plötzlich ein Gebirge aus der Erde hochfährt wie ein Aufzug, und Frau Paul Herrn Jaenicke auf die nicht ganz unberechtigte Frage: „Was ist das?“ – „Eine Verwerfung“, in einem Ton antwortet, als sei allenfalls was umgekippt, wähnt man sich endgültig bei den Vätern der Klamotte.

Was auch eine plausible Erklärung für viele darstellerische Entgleisungen wäre. Aber bei all dem Patriotenpathos, das Hans-Jörg Thurn da nach übelsten Katastrophenfilmvorbildern aus Hollywood lausig inszeniert, weiß man: Bei RTL verstehen sie keinen Spaß, wenn’s ums Vaterland geht.

 
 

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