Warum der Pfandring immer noch ein Nischendasein fristet

Weniger Müll, weniger Arbeit für Flaschensammler: Die Idee hinter dem Pfandring wurde zunächst bejubelt, scheint nun aber zumindest in Köln vor dem Aus zu stehen.
Weniger Müll, weniger Arbeit für Flaschensammler: Die Idee hinter dem Pfandring wurde zunächst bejubelt, scheint nun aber zumindest in Köln vor dem Aus zu stehen.
Foto: Markus Diefenbacher / Pfandring by Paul Ketz
Er wurde gefeiert als umweltschonend und sozial. Doch in der Praxis fällt der Pfandring immer wieder durch. Den Erfinder stört’s nicht.

Berlin.. Es gab eine Zeit, da wurde Paul Ketz mit Lob nur so überschüttet. Umweltschützer, Medien, nicht wenige Politiker waren Feuer und Flamme für seine neueste Erfindung: den Pfandring. Ein Metallgestell, das an Mülleimern befestigt werden kann und Pfandflaschen vor dem Wurf in die Tonne bewahrt. Weniger Müll, mehr Recycling und vor allem: Flaschensammler sollten nicht mehr in den Tonnen rumwühlen müssen, würdevoller sammeln können. „Ich möchte zu einem besseren Miteinander im öffentlichen Raum beitragen“, sagt Paul Ketz über seine Erfindung. Eine richtig gute Idee, so die einhellige Meinung im Jahr 2012.

Es dauerte eine ganze Weile, aber Anfang 2014 wagten sich einige Städte dann doch an kleinere Vorstöße, an Pilotprojekte mit einigen Pfandringen. Bamberg zuerst, später unter anderem Bielefeld, Ingolstadt, Karlsruhe, Stuttgart, Köln. Oft mit Unterstützung von SPD und/oder Grünen, gemeinnützigen Initiativen, Umweltschützern. Ein zwischenzeitliches Hoch für den jungen Designer Paul Ketz. Und heute? Die ganz große öffentliche Euphorie ist verflogen.

Im Alltagstest durchgefallen

Weil Theorie und Praxis manchmal zwei verschiedene Dinge sind. Das Lob für die Idee blieb, aber viele Städte sehen den Pfandring als wenig praxistauglich an, immer wieder wegen derselben Probleme: Die Ringe seien oft vollgemüllt, um sie herum gebe es mehr Glasscherben, das Pfand lande am Ende gar nicht mehr bei den Sammlern, das Leeren der Tonnen dauere viel länger, werde dadurch teurer. Ähnliches Feedback gab’s von städtischer Seite auch immer wieder für Initiative „Pfand gehört daneben“, die in Hamburg und Berlin derselben Idee nachgeht, wenn auch mit Pfandkisten um Laternenmasten. Zuletzt fiel der Pfandring sogar dort durch, wo er erfunden wurde. Die Kölner Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB), mit denen Paul Ketz einst zusammen seine preisgekrönte Idee entwickelte, ließen zum Abschluss ihrer Pilotphase mit zehn Pfandringen eine Studie erstellen. Fazit: aufwändig zu leeren, teuer, durchgefallen.

Nun könnte man meinen, Paul Ketz resgigniere langsam. Doch der 27-Jährige brennt nach wie vor für seine Idee. „Die Kritik kommt von Kommunen, die das Projekt weniger als halbherzig ausprobieren, aber gleichzeitig Wunder erwarten“, sagt der gebürtige Kölner. Wenn man nur zwei Pfandringe aufhänge wie etwa in Bamberg und Karlsruhe, dürfe man nicht erwarten, dass man Passanten damit umerzieht.

Streit um Kölner Gutachten

Speziell die Studie aus Köln bringt ihn auf die Palme. „Zehn einsame Pfandringe in einer Stadt mit 10.000 Mülleimern sind keine überzeugende Ausgangsgröße. Nicht nur ich habe die Auffassung, dass die Studie nicht repräsentativ ist und vor allem dazu dienen soll, den Interessen der Auftraggeber zu nutzen“, meint Ketz. Schon vor der Anbringung habe es bei den AWB einen Sinneswandel gegeben, die Unterstützung schwand wie die Kommunikation miteinander. Die AWB brachten sogar einen Gegenentwurf an den Start, die „Pfandlaterne“. Eine Art schmale Getränkekiste, die an Laternen befestigt wird (und die bei der eigens in Auftrag gegebenen Studie ebenfalls durchfiel).

Ketz steht mit seiner Kritik nicht alleine. SPD-Ratsmitglied Andreas Pöttgen nannte die Studie dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ gegenüber „unsauber“, während eine Sprecherin der städtischen Koordinationsstelle Abfallwirtschaft der Zeitung sagte, die Studie sei sehr wohl repräsentativ. „Man kann einen Pilotversuch schließlich nicht in der gesamten Stadt machen.“

Designer sieht überwiegend positives Feedback

Für die Zukunft wünscht sich Paul Ketz jedenfalls größere (Pilot-)Projekte – und andere Erhebungen: „Ich wünsche mir eine Studie, die die menschlichen Aspekte mitberücksichtigt.“ Wie vielen Flaschensammlern erspart ein Pfandring den Griff in diese Tonne? Wie vielen Leuten nutzen die Pfandringe als Denkanstoß? Er selbst jedenfalls bekäme aus der Bevölkerung überwiegend positives Feedback. Und bald werde seine Kreation in einen großen Katalog für öffentliches Mobiliar aufgenommen. „Es wird also kein bisschen leise.“

 
 

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