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Warum Bus-Reisende mit Horst Sachtleben beten wollen

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Foto: imago
Aus der ARD-Serie „Um Himmels Willen“ ist Horst Sachtleben nicht wegzudenken. Er spielt schon seit 2002 Bischof Rossbauer. Und das so überzeugend, dass immer wieder Menschen am Set mit ihm beten wollen. Wie der 83-Jährige darauf reagiert, verrät der Schauspieler im Interview.

Essen. 

Man möchte sich die Nonnen gar nicht ohne ihren Bischof Rossbauer vorstellen – eine schöne Dauerrolle, die Horst Sachtleben schon seit 2002 mit Charme und Schrulligkeit ausfüllt. In der Serie „Um Himmels willen“ (13. Staffel mit 13 Folgen, ab 4. März, ARD, 20.15 Uhr) naht des Bischofs 75. Geburtstag. Darüber kann Sachtleben nur lachen. Im wirklichen Leben ist er schon 83. Dabei so gut gelaunt am Telefon, dass man ihn am liebsten jeden Tag anrufen möchte.

Sie sorgen ja bei den Schwestern immer dafür, dass sich das Chaos in Grenzen hält.

Horst Sachtleben:

Stimmt. Manchmal muss ich schon aufpassen, dass die sich nicht an die Gurgel gehen. Also ich meine: im Film.

Sind Sie denn außerhalb des Films auch bischöflich unterwegs?

Sachtleben:

(lacht gefühlte fünf Minuten) Nein, aber es passieren manchmal die lustigsten Dinge. Wenn wir drehen und wenn ich dann da im Bischofskostüm herumlaufe, halten mich Passanten schon mal für einen echten Bischof. Das hat durchaus schon mal Irritationen gegeben. Aber meistens läuft das gut. Manchmal steigen dann die Damen aus den Reisebussen aus, sehen mich und sprechen mich in Funktion des Würdenträgers an.

Und Sie, was tun Sie?

Sachtleben: Nun ja, ich kläre das schon auf. Aber das reicht den Leuten dann oft nicht.

Wie meinen Sie das?

Sachtleben:

Also, sie fragen dann schon mal, ob ich nicht mit ihnen beten könnte.

Aha.

Sachtleben: Vielleicht, weil sie das Gefühl hatten, dass ich ihnen ganz gut zugehört habe.

Und was tun Sie dann?

Sachtleben: Nun ja, dann beten wir. Wir gehen dann in eine dieser herrlichen Kirchen am Dreh und beten.

Sind Sie gesundheitlich auch noch gut beieinander?

Sachtleben: Ja, ich habe Glück. Ich fühle mich bestens. Mir tut nichts weh. Ich mache immer noch lange Spaziergänge mit meiner Frau. Wir sind keine Bergsteiger, eher Berggänger, gehen also nicht in jede steile Flanke. Aber wir sind schon gut unterwegs. Das ist gut, da kriegt man den Kopf wieder frei…

Sind Sie eigentlich gläubig?

Sachtleben:

Sagen wir so: Ich bin kein ungläubiger Mensch, aber durchaus auch kein kirchengläubiger Mensch.

Was sagen Sie zu Bischof van Elst?

Sachtleben:

Es ist natürlich empörend, was da geschehen ist. Auch dass er zurückkommt, ohne die Menschen zu fragen, ob sie das wollen. Sehr seltsam, wo er doch so aussieht, als sei er hochintellektuell. Nein, die Gemeinde nicht zu fragen, nach all den Vorkommnissen, das finde ich schon sehr arrogant.

Wenn man mit Ihnen redet, sieht man sofort einen etwas muffeligen Kommissar vor sich…

Sachtleben:

Sie meinen sicher Colombo. Ja, ich war seine letzte Stimme. Als Klaus Schwarzkopf gestorben ist, habe ich übernommen. Ich habe das sehr, sehr gerne gemacht. Weil Peter Falk ein hervorragender Schauspieler war. Immer dieses so tun, als ob. Er war einer, der sich nie in den Vordergrund gestellt hat, auch das habe ich absolut bewundert.

Manche Schauspieler klagen über Stress am Arbeitsplatz.

Sachtleben:

Ja, manchmal ist es hektisch. Und die Bemühungen der Sender sind groß, die Kosten zu senken. Aber insgesamt kenne ich ja das Geschäft. Ich bin nicht so leicht zu hysterisieren. Allerdings gibt es auch nicht selten Dreharbeiten zu sehr unorthodoxen Zeiten. Ich erinnere mich, dass ich auch mal bis nachts um drei gedreht habe und wie ein Affe gefroren habe.

Oh, dann hatten Sie eine kurze Nacht.

Sachtleben: Nein-nein. Ich bin Spätaufsteher. Ich finde das total gemütlich. Ganz untypisch für einen alten Menschen.