Warum Blender so erfolgreich sind

In seinem Buch "Blender" will Autor Roman Maria Koidl Frauen die Augen über das wahre Wesen vieler Männer öffnen.
In seinem Buch "Blender" will Autor Roman Maria Koidl Frauen die Augen über das wahre Wesen vieler Männer öffnen.
Foto: Thinkstock
Männliche Blender bringen es in unserer Gesellschaft weit, findet Buchautor Roman Maria Koidl. Und verweist auf „Pöstchenjäger und Inhaltssimulanten“ in Firmen, der Politik und anderen Lebensbereichen. Platzhirsche lassen Frauen beruflich und privat oft alt aussehen. Mit seinem neuen Buch will Koidl ihnen die Augen öffnen.

Essen/Zürich.. In der Mitte röhrt ein goldener Hirsch. Darüber prangt in ebenfalls goldfarbenen Lettern der Titel: Blender. Ein Buchcover, das Bände spricht. Autor Roman Maria Koidl, der vor zwei Jahren einen Bestseller mit „Scheißkerle“ landete, tritt erneut an, um den Frauen die Augen über das aus seiner Sicht wahre Wesen vieler Männer zu öffnen. Auch im neuen Buch des 44-Jährigen geht es um Platzhirsche. Und die Frage, warum männliche „Pöstchenjäger, Hochstapler und Luftpumpen“, wie Koidl sie nennt, oft besser ausgebildeten Frauen beruflich die Show stehlen.

Redakteurin Jutta Bublies sprach mit dem Österreicher darüber, warum er glaubt, dass immer die Falschen Karriere machen.

Herr Koidl, was haben Ihnen die Männer getan?

Roman Koidl: Ich beschreibe einen gesellschaftlichen Zustand, der von vielen Frauen so erlebt wird. Das Buch habe ich für die Frauen geschrieben, die sich fragen, warum sie sich beruflich von einem Blender vor den Karren spannen lassen, der sich dann noch mit ihren Arbeits-Ergebnissen brüstet. Das Buch ist aber auch für Frauen, die privat immer auf Scheißkerle hereinfallen, denen es nur um Sex geht.

Wann ist jemand ein Blender?

Roman Koidl: Wenn er eine Leistung vorspiegelt, die er nicht erbringen kann oder erbringen will. Blenden ist, sich mit einer Leistung zu brüsten, mit der man eigentlich nichts zu tun hat. Das kann man in Unternehmen erleben, in der Politik und in vielen anderen Lebensbereichen.

Gibt es auch weibliche Blender?

Roman Koidl: Ja, aber sehr selten. In der Regel gehen Frauen nicht so vor, dass sie sagen: Ich mache mal allen was vor. Ein Gegenbeispiel: Ein Geschäftsführer einer deutschen Porzellan-Manufaktur hat mir lang und breit von seinem Harvard-Abschluss erzählt. Der hat gar nicht an dieser Elite-Uni studiert. Der hat da gerade mal einen Sommerkurs absolviert. Er rennt aber herum und erzählt was anderes. So etwas machen Frauen nicht.

Sind Frauen die besseren Menschen?

Roman Koidl: Ich finde jedenfalls, dass es deutlich mehr gute Frauen als gute Männer gibt. Ich bin auch mit Frauen aufgewachsen. Ich habe zwei Schwestern, Zwillinge, die sind ein Jahr jünger. Meine Mutter ist eine starke, kluge Frau. Und mein Vater ist ein Mann, der eine Brandung von einer Gischt zu unterscheiden weiß.

Männer belächeln Sie als Frauenversteher. Was wollen Sie Frauen zu verstehen geben?

Roman Koidl: Ich will mit meinen Büchern die Mechanismen aufzeigen, mit denen Scheißkerle und Blender arbeiten. Und Frauen demonstrieren, was hinter ihrem eigenen Verhalten steckt. Nämlich, dass manche auch als Erwachsene im Beruf das liebe Kind geben, oder die Tochter, die durch Leistung anerkannt werden will. Männer, die beruflich oder privat diese Knöpfe drücken, kommen schnell zum Ziel. Das finde ich ungerecht.

Blender blenden aber auch Männer, schreiben Sie.

Roman Koidl: Ja. Ich bin als Unternehmer, als Inhaber der Schokoladen-Marke Most, früher schon Männern aufgesessen, die gar nichts konnten. In den letzten Jahren als Firmenchef habe ich keine Männer mehr eingestellt. Denn es war immer das Gleiche: Ich musste stundenlange Gespräche über das richtige Auto, die richtige Vergütung und die Visitenkarte führen. Das war ich leid.

Warum Frauen - und Männer - auf Blender hereinfallen

Warum sind Frauen wie Männer für Blender so empfänglich?

Roman Koidl: Weil sie unsere Projektionsflächen sind. Wir wären gerne so wortgewandt, so elegant, so prima aussehend wie sie. Der Blender stellt zu Menschen eine Beziehung her, die es erlaubt, zu sagen: Der ist wirklich gut! Daher werden Blender auch so verdammt, wenn sie auffliegen. Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist dafür ein ausgezeichnetes Beispiel. Er wurde hinterher öffentlich so übertrieben verteufelt, weil die Scham über die eigene falsche Einschätzung seiner Person so groß war.

Sie behaupten, dass auch gut ausgebildete Frauen im Beruf oft bienenfleißig sind und zu Steigbügelhaltern von Blender-Männern werden, die dann die Karriere machen.

Roman Koidl: Ja, leider! Eine Studie der Uni Innsbruck hat gezeigt, dass schon dreijährige Mädchen nicht bereit sind, sich in den Wettbewerb mit Jungs zu begeben. Die messen sich nur mit anderen Mädchen. Dazu arbeiten Frauen gerne im Team, wählen den sicheren Weg und erzielen damit auch gute Ergebnisse. Nur werden im deutschen Wirtschaftssystem Gruppenleistungen oft nicht so hoch bewertet. Es ist darauf ausgerichtet, dass hinterher einer mit dem Jackpot glänzt. Und danach streben eben viele Männer. Ich will Frauen ermutigen, sich ein Herz zu nehmen und zu sagen: Du bist 'ne Flitzpiepe. Dieser Job ist meiner!

Bei den jungen Frauen ändert sich da ja auch schon was. Die sind unverblümter, nehmen sich häufig, was sie wollen. Manchmal haben sie auch alleinerziehende Mütter und früh gelernt, dass man sich im Leben durchsetzen muss. Und natürlich gibt es in Deutschland auch schon viele Führungsfrauen. Die hauen nur nicht so auf die Tonne, machen sich nicht so wichtig.

Ertappen Sie sich auch beim Blenden?

Roman Koidl: Jeder war ‘mal ein Scheißkerl, ein Blender. Aber ich bin eher der Typ, der sich manchmal denkt: Du könntest Dir das Leben etwas leichter machen. Beruflich produziere ich meine Inhalte selbst. Dass ich versuche, mich von meiner besten Seite zu zeigen, etwa, beim Anwerben von potenziellen Lebenspartnerinnen, ist, glaube ich, normal. (lacht!)

Sie leben in der Schweiz, im Kanton Zürich. Sind Schweizer auch Blender?

Roman Koidl: Nein! (lacht) In der Schweiz gibt es so etwas nicht. Hier ist man außerordentlich bescheiden. Es geht hier im Beruf in der Regel kollegial zu, man hilft sich weiter. Es gibt wenig Stutenbissigkeit unter Frauen, wenig Rivalität unter Männern. Ich fühle mich hier sehr wohl.

Zur Person:

  • Roman Maria Koidl wurde 1967 in Troisdorf geboren. Heute lebt er im Kanton Zürich. Der Österreicher ist Journalist und Buchautor. 2010 veröffentlichte er „Scheißkerle. Warum es immer die Falschen sind“.
  • Koidl arbeitete als Unternehmensberater und ist Inhaber der Marke Most Schokolade. In Berlin betreibt er die gemeinnützige Kunsthalle Koidl.
  • Sein neues Buch „Blender. Warum immer die Falschen Karriere machen“ (16,99 Euro) ist bei Hoffmann und Campe, Hamburg 2012, erschienen.



 
 

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