Warum „Aldi Talk“ Flüchtlingen die Nutzung seines Prepaid-Handytarifs verwehrt

Flüchtlingshelfer hatten die Verbraucherzentrale in Niedersachsen auf die Probleme von Flüchtlingen bei der Aktivierung der „Aldi Talk“-SIM-Karten aufmerksam gemacht.
Flüchtlingshelfer hatten die Verbraucherzentrale in Niedersachsen auf die Probleme von Flüchtlingen bei der Aktivierung der „Aldi Talk“-SIM-Karten aufmerksam gemacht.
Foto: imago stock&people / imago/Schöning
  • Für viele Flüchtlinge sind Prepaid-Handytarife die erste Wahl
  • Doch seit im Juli ein neues Gesetz in Kraft getreten ist, gibt es Probleme mit dem Angebot von „Aldi Talk“
  • Grund sind offenbar technische Schwierigkeiten

Berlin/Hannover.  Das Handy ist für viele Flüchtlinge die einzige Verbindung in die alte Heimat, die einzige Möglichkeit, mit ihren Familien den Kontakt zu halten. Für viele Flüchtlinge sind Prepaid-Angebote wie beispielsweise „Aldi Talk“ die erste Wahl. Doch selbst, wenn sie einen Aufenthaltstitel haben, können sie die Aldi-SIM-Karten nicht aktivieren, wie die Verbraucherzentrale Niedersachsen am Dienstag mitteilte. Flüchtlingshelfer aus Niedersachsen hatten sich mit dem Problem an die Verbraucherschützer gewandt.

Aldi verwehrt also Flüchtlingen die Nutzung seines Prepaid-Tarifs? Ganz so einfach ist es nicht. Denn der Grund für die Probleme mit der Aktivierung ist ein neues Gesetz, das am 1. Juli in Kraft getreten ist. Demnach gilt auch für Prepaid-Verträge die Ausweispflicht. Das Gesetz ist Teil des Anti-Terror-Pakets der Bundesregierung. Die Ausweispflicht soll unter anderem verhindern, dass Terrorverdächtige anonym telefonieren können.

Identifizierung scheitert offenbar an der Technik

Doch nun verhindert sie auch, dass manche Flüchtlinge mit ihren Liebsten in Kontakt bleiben können. Denn viele haben weder Reisepass noch gültigen Personalausweis. Per Gesetz sind für die Identifizierung laut Verbraucherzentrale aber auch Aufenthaltstitel, Ankunftsnachweise sowie die Bescheinigung über die Aufenthaltsgestattung beziehungsweise die Aussetzung der Abschiebung zulässig. Doch bei Aldi scheitert es offenbar an technischen Problemen.

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„Bei den von Aldi Nord eingesetzten Post- und Video-Ident-Verfahren können Dokumente wie die Aufenthaltsgestattung nicht gelesen werden, da die Schrift anscheinend zu klein ist“, sagt Marvin Momberg von der Verbraucherzentrale laut Mitteilung.

Aldi Talk nimmt Stellung zu den Problemen

Die Nachfragen der Verbraucherzentrale hätten zu verschiedenen, teils widersprüchlichen Aussagen von Aldi geführt. Zuletzt sei den Flüchtlingen angeboten worden, sich an den Kundenservice zu wenden, um individuelle Lösungen prüfen zu lassen. Auf Nachfrage des „Spiegels“ hieß es bei Aldi, „dass wir keine Personengruppen von unseren angebotenen Aldi-Talk-Diensten ausschließen“.

Auch das Tech-Magazin „Chip“ hat bei Aldi nachgefragt. In einer Stellungnahme gibt Aldi vor, dass das Problem nicht im Einflussbereich von „Aldi Talk“ liege. „Chip“ zitiert aus der Antwort: „Bei der Identifizierung arbeitet der Anbieter – wie viele andere Prepaid-Anbieter auch – mit namhaften Kooperationspartnern zusammen, die das Post- oder Video-Ident-Verfahren durchführen.“

Verbraucherzentrale rät zur Rückgabe der gekauften Pakete

Allerdings arbeiteten der Stellungnahme zufolge Aldi und seine Dienstleister daran, das Angebot der akzeptierten Dokumente in den kommenden Monaten zu erweitern. „Prinzipiell müssen dabei stets die regulatorischen Vorgaben beachtet werden.“

In der Zwischenzeit raten die Verbraucherschützer den Flüchtlingen, die gekauften Pakete zurückzugeben, wenn eine Aktivierung der SIM-Karte scheitert. (jkali)

 
 

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