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Wärme bedroht die Freiheitsstatue

Innsbruck. 

Der Klimawandel bedroht einer neuen Analyse zufolge langfristig auch zahlreiche Kulturdenkmäler. Bei einem Anstieg der Temperaturen um drei Grad werde etwa jedes fünfte der auf der Unesco-Weltkulturerbeliste geführten Monumente durch den steigenden Meeresspiegel überflutet, heißt es in der Analyse von Forschern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Universität Innsbruck, die in der Fachzeitschrift „Environmental Research Letters“ veröffentlicht wurde.

Nach den Simulationsrechnungen der Experten würden in diesem Fall im Laufe der kommenden Jahrhunderte 136 der mehr als 750 Weltkulturerbe-Stätten überschwemmt – darunter die New Yorker Freiheitsstatue, die berühmte Oper von Sydney sowie die historischen Altstädte und Stadtzentren von Brügge (Belgien), St. Petersburg (Russland), Istanbul (Türkei) und Neapel (Italien).

Bei einer Erwärmung um nur ein Grad wären bereits 40 Welterbe-Stätten gefährdet, mahnten die Experten Anders Levermann vom PIK und Ben Marzeion von der Universität Innsbruck. „Wenn wir den Klimawandel nicht begrenzen, werden die Archäologen der Zukunft einen großen Teil unseres Kulturerbes in den Meeren suchen müssen“, erklärte Studienautor Marzeion.

Der Meeresspiegel-Anstieg gehört zu den potenziell bedrohlichsten Folgen des Klimawandels. Höhere Temperaturen lassen den Prognosen zufolge riesige Eismassen etwa auf Grönland abschmelzen und in die Ozeane fließen. Dadurch würden die Wasserstände global stark steigen. Niedrig liegende Küstengebiete, die häufig dicht besiedelt sind, wären dann unbewohnbar. Bei einem weltweiten Temperaturanstieg von drei Grad würden Regionen überflutet, die nach heutigem Stand 600 Millionen Menschen als Heimat dienten, erklärten Levermann und Marzeion.

Für ihre Untersuchung modellierten die Forscher den Anstieg des Meeresspiegels innerhalb der kommenden 2000 Jahre mithilfe von Computerprogrammen. Dabei berücksichtigten sie nach eigenen Angaben vor allem auch die regional unterschiedlichen Auswirkungen der erwarteten gigantischen Eisschmelze.

Wenn derart große Wassermengen hinzukommen, verändert dies demnach das gesamte Gravitationsfeld der Erde. Das führt dazu, dass der Meeresspiegel nicht überall gleich steigt.