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Wackernagel und Möhring glänzen in ZDF-Krimireihe „Stralsund“

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Foto: ZDF/Georges Pauly
In der ZDF-Reihe „Stralsund“ (Montag, 20.15 Uhr) glänzt ein starkes Team um die Hauptdarsteller Katharina Wackernagel und Wotan Wilke Möhring. Trotz enormer interner Spannungen kommt es zum Ziel. Der vierte Fall „Tödliches Versprechen“ jedoch bietet kaum mehr als Küchenpsychologie.

Mainz. 

Als ZDF-Intendant Thomas Bellut 2012 bei seinem Amtsantritt versprach, das Programm seines Senders behutsam zu verjüngen, hatte er längst damit angefangen: Er war nämlich vorher Programmchef auf dem Lerchenberg in Mainz. Zu seinen ersten Zeichen, dass er es ernst meint, gehörte die 2009 gestartete Reihe „Stralsund“ (ZDF, 20.15 Uhr). Die aktuelle Folge „Tödliches Versprechen“ offenbart Glanz und Elend der Nordost-Krimis. Das Team glänzt, die Geschichte ist elend.

Der Fahnder mit dem Zocker-Gen

Vordergründig scheinen die Fälle auf Katharina Wackernagel (34) zugeschnitten. Tatsächlich erzählt Regisseur und Drehbuch-Autor Martin Eigler die Geschichte eines Teams, das trotz aller internen Spannungen oder vielleicht gerade deshalb zum Ziel kommt. Wackernagel gibt die Polizistin Nina Petersen mit Herz und Einfühlungsvermögen. Doch als Sozialarbeiterin in Uniform fehlt ihr die Intensität, die ihr in „Contergan“ zu Recht so viele Preise eingebracht hat.

Ihre Kollegen überzeugen weitaus mehr, etwa ihr Berufs- und Lebenspartner Benjamin Lietz. Wotan Wilke Möhring (45) wirkt sehr präsent als starker Mann mit schwacher Seite. Der Fahnder mit dem Zocker-Gen wandelt längst nicht immer trittsicher auf dem schmalen Grat zwischen Mut und Übermut. Abteilungsleiter Gregor Meyer (Michael Rotschopf) ist unnahbar. Vor allem sein gehbehinderter Mitarbeiter Karl Hidde (Alexander Held) weiß, dass ein Lob vom Chef so selten ist wie die blaue Mauritius. Dazu kommt noch der Computer-Experte Stein (Alexander Schröders), der nur wenige Facetten zeigt, aber als Figur für einen modernen Krimi unverzichtbar ist. Was Pfadfinder zu Indianer-Zeiten waren, ist er im digitalen Zeitalter: der Spurensucher.

Labiler Litauer will ermordete Mutter rächen

Stein und Kollegen verfolgen die Spuren des labilen Litauers Vitas (Mateusz Dopieralski), der nach Deutschland gekommen ist, um den gewaltsamen Tod seiner Mutter zu rächen, Entführung einer Polizisten-Frau (Heike Trinker) inklusive. Ihr zynischer Mann (Jörg Schüttauf) gehörte zu einem Trio, das Litauen einst mit medizinischen Hilfsgütern versorgte. Die vermeintlichen Wohltäter entpuppen sich indes als Räuber-Bande. Schön, dass ein Krimi das verbreitete Schurken-Schema „Gute Deutsche, böse Osteuropäer“ verkehrt. Unschön, dass sich der ehemalige „Tatort“-Kommissar Schütt­auf als nuschelnde Götz-George-Kopie weit unter Wert verkauft.

Action-Mätzchen übertünchen Schwäche der Geschichte in zweiter Hälfte

Unter Wert verkauft Martin Eigler auch seine Geschichte. Bereits zur Hälfte des küchenpsychologischen Films ist erkennbar, in welche Richtung er sich entwickelt. Eigler versucht den Mangel der Geschichte in der zweiten Hälfte durch actionartige Elemente mit zügigen Autofahrten und pseudodramatischem Helikopter-Einsatz zu übertünchen.

Ebenfalls vorhersehbar ist das immerhin handwerklich ordentlich in Szene gesetzte Finale in einer Tankstelle.

Viel spannender als die obligatorische Strafe für den Schurken ist die Tatsache, dass Benjamin Lutz auch in der nächsten Folge Probleme haben wird.