Voßkuhle-Porträt: "Süddeutsche Zeitung" entschuldigt sich bei Lesern

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Die "Süddeutsche Zeitung" hat sich bei ihren Lesern für eine umstrittene Passage aus einem Voßkuhle-Porträt von Heribert Prantl entschuldigt. Bei der Schilderung einer Szene in der Küche des Verfassungsgerichtspräsidenten habe der Eindruck entstehen können, dass der Autor dabei selbst zu Gast gewesen sei, hieß es am Dienstag auf der Seite Drei der "SZ".

München (dapd). Die "Süddeutsche Zeitung" hat sich bei ihren Lesern für eine umstrittene Passage aus einem Voßkuhle-Porträt von Heribert Prantl entschuldigt. Bei der Schilderung einer Szene in der Küche des Verfassungsgerichtspräsidenten habe der Eindruck entstehen können, dass der Autor dabei selbst zu Gast gewesen sei, hieß es am Dienstag auf der Seite Drei der "SZ".

Innenressort-Chef Prantl habe sich die Szene aber von Teilnehmern der Küchenrunde schildern lassen, ohne dies ausdrücklich kenntlich zu machen. "Die Redaktion bedauert diesen Fehler", hieß es weiter.

Der Fall sei für ihn damit erledigt, sagte der stellvertretende SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach auf dapd-Anfrage. Er sprach von einem gravierenden Fehler. "Es war nicht in Ordnung, deswegen haben wir das heute klargestellt." Auch Prantl habe den Fehler bei der Redaktionssitzung am Montag eingeräumt und sein Versäumnis bedauert.

Gerade weil es sich um einen bekannten Autor handele, könne er die Aufregung der vergangenen Tage durchaus nachvollziehen, sagte Krach. Prantl werde aber selbstverständlich "weiterhin auf allen Seiten der 'Süddeutschen' schreiben".

Die "Süddeutsche" hatte das ganzseitige Porträt am 10. Juli gedruckt. Prantl widmet dem Abendessen im Hause Voßhuhle einen Absatz. "Man muss erleben, wie er ein großes Essen vorbereitet. Bei Voßkuhles setzt man sich nicht an die gedeckte Tafel und wartet, was aufgetragen wird", schrieb der studierte Jurist Prantl, der auch Mitglied der SZ-Chefredaktion ist.

Ein Gast putze die Pilze, der andere Besucher die Bohnen, der dritte Gast wasche den Salat. Der Gastgeber habe alles sorgfältig vorbereitet, gekocht werde aber gemeinsam: "Jeder hat seinen Part, jeder hat was zu schnippeln, zu sieden und zu kochen, jeder etwas zu reden. Voßkuhle selbst rühre das Dressing an. "Man ahnt, wie er als oberster Richter agiert", endet die detaillierte Beschreibung.

Voßkuhle selbst hatte die Darstellung bereits zurückgewiesen. Er habe Prantl noch nie zu einem privaten Essen eingeladen, ließ er vor einigen Tagen auf Anfrage des "Tagesspiegels" über eine Sprecherin des Verfassungsgerichts mitteilen.

Die Debatte erinnert an den Fall des "Spiegel"-Redakteurs René Pfister. Die Jury des Henri-Nannen-Preises hatte ihm 2011 den Preis für die beste Reportage wieder aberkannt, weil er eine Szene mit CSU-Chef Horst Seehofer und dessen Modelleisenbahn geschildert hatte, ohne deutlich zu machen, dass er diese nicht selbst beobachtet hatte. Die Entscheidung war damals umstritten.

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