Versöhnungsgeste im Auschwitz-Prozess sorgt für Protest

Eva Kor reichte einem SS-Mann die Hand und erntet dafür harsche Kritik.
Eva Kor reichte einem SS-Mann die Hand und erntet dafür harsche Kritik.
Foto: dpa
Eine große Geste – die viele aber nicht nachvollziehen können: Holocaust-Überlebende Eva Kor reicht einem angeklagten SS-Mann versöhnlich die Hand.

Lüneburg/Detmold. Die öffentliche Versöhnungsgeste einer KZ-Überlebenden im Lüneburger Auschwitz-Prozess hat zum Protest der anderen Nebenkläger geführt. Sie könnten dem angeklagten SS-Mann Oskar Gröning seine Mitwirkung am Mord von 300 000 Menschen in Auschwitz nicht verzeihen, erklärten die 49 Nebenkläger, die das Konzentrationslager ebenfalls überlebt hatten, am Montag.

Sie kritisierten, dass die Überlebende Eva Kor ihr Verzeihen und Vergeben immer wieder öffentlich inszeniere. Kor hatte Gröning am Rande des Prozesses die Hand zur Versöhnung gereicht und vor Gericht gesagt: "Ich habe den Nazis vergeben."

Wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtete, empören sich die Nebenkläger auch über Kors Auftritt am Sonntagabend in der Sendung "Günther Jauch". Dort bekräftigte sie ihr Vergeben für den 93-Jährigen, dem das Gericht Beihilfe zum Mord in mindestens 300 000 Fällen vorwirft. (dpa)

Landgericht Detmold entscheidet über weiteren Auschwitz-Prozess 

Das Landgericht Detmold entscheidet spätestens im Juni, ob es zu einem weiteren Auschwitz-Prozess in Deutschland kommt. Dies teilte eine Gerichtssprecherin am Montag der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit.

Im Februar hatte die Staatsanwaltschaft Dortmund Anklage gegen einen 93-Jährigen wegen Beihilfe zum Mord im Vernichtungslager Auschwitz erhoben. Der ehemalige SS-Mann stammt aus Lage im Kreis Lippe. Die Stellungnahmefrist für den Angeklagten sei bis zum 18. Mai verlängert worden. Anschließend hat das Gericht vier Wochen Zeit, um über die Eröffnung des Hauptverfahrens zu entscheiden.

Nach Angaben des Leiters der NRW-Zentralstelle für die Bearbeitung von NS-Massenverbrechen, Oberstaatsanwalt Andreas Brendel, hat der Ostwestfale eingeräumt, ab Anfang 1942 als SS-Angehöriger im Konzentrationslager Auschwitz eingesetzt worden zu sein. Eine konkrete Beteiligung an Tötungen habe der Mann aber bestritten. (dpa)

 
 

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