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Vitali und Wladimir Klitschko – die deutschen Ukrainer

Weltweit gibt es im Sport keinen vergleichbaren Fall, in dem Ausländern eine derartige Anteilnahme der Einheimischen zuteil wird. Vitali und Wladmir Klitschko werden vom deutschen Publikum als Landsleute wahrgenommen.

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Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann auf den Vorschlagslisten für die ebenso beliebten wie fragwürdigen Wahlen zum größten deutschen Sportler der Geschichte die Namen der Klitschko-Brüder auftauchen. Werden doch die beiden Ukrainer vom deutschen Publikum längst als Landsleute wahrgenommen.Weltweit gibt es im Sport keinen vergleichbaren Fall, in dem Ausländern eine derartige Anteilnahme der Einheimischen zuteil wird. Wenn man so will: ein Integration der besonderen Art.

Nur: Was steckt dahinter? Allein die Sehnsucht nach einem sportlichen Helden kann es nicht sein, davon haben die Deutschen immer noch genug. Und einen Schwergewichts-Champion hatten sie auch schon, selbst wenn Max Schmelings Glanzzeiten mehr als 70 Jahre zurückliegen. Das Phänomen Klitschko ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die in diese Zeit wie die Faust aufs Auge passen.

Sportliche Klasse, Intelligenz, Aussehen, gute Manieren und Charme sind die Basis für die extrem hohe Akzeptanz der Ukrainer. Weder mussten sie dafür die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen noch ihre Namen eindeutschen, wie es mit dem gebürtigen Bosnier Felix Sturm (Geburtsname: Adnan Catic) und dem Armenier Arthur Abraham (Awetik Abrahamjan) zwei Box-Kollegen taten, die es ebenfalls zu großer Popularität in Deutschland brachten.

Doppelpass mit den Medien

Auf die Frage nach dem Grund des enormen Ansehens seiner Schützlinge, sagt Manager Bernd Bönte, die beiden seien authentisch. Wer will, kann dies eine verordnete und geplante Authentizität nennen. Denn seit die ukrainischen Brüder 1996 zum Hamburger Boxstall Universum stießen, ist keiner ihrer Schritte unüberlegt gewesen – bis hin zu Auftritten bei „Wetten, dass..?“. Und mit den Medien spielten sie so sehr Doppelpass, dass weniger erfreuliche Details aus ihrer Biografie vernachlässigt wurden. Wer weiß etwa schon, dass Wladimir Klitschko 1996 seine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Atlanta nur deshalb gewinnen konnte, weil Bruder Vitali gerade eine einjährige Doping-Sperre absaß, die wegen der Einnahme des anabolen Stereoids Nandrolon verhängt worden war?

Beim perfekten Image-Aufbau half schließlich auch die Gründung zweier eigener Management-Firmen. Als Boxer wie Unternehmer haben die Klitschkos das oft sträflich vernachlässigte Motto „der Kunde ist König“ verinnerlicht. Dazu gehört, dass Wladimir auch nach seinem Sieg über David Haye zuerst an seine Zuschaueer dachte (böse Zungen würden sagen: sich bei ihnen einschleimte …)

Merkel fehlt noch

In Zeiten, da Einschaltquoten zu einem Wertmaßstab geworden sind, konnte sich schließlich niemand mehr wundern, dass die Ukrainer schon bald nicht nur von Boxfreunden vereinnahmt wurden. Wie die Schmeißfliegen umschwirren vor allem die Mitglieder der deutschen B- und C-Prominenz die beiden – selbstverständlich mit ihnen „befreundeten“ – Weltstars, deren Box-Auftritte keine Sportübertragungen mehr im herkömmlichen Sinne sind, sondern Inszenierungen eines Spektakels, bei dem der Anlass vergleichsweise unwichtig ist.

Was den Klitschkos jetzt noch fehlt, ist eigentlich nur noch eine live am Ring mitjubelnde Bundeskanzlerin. Aber der Tag wird auch noch kommen. Das Bundesverdienstkreuz hat zumindest Vitali schon.