Tui: Gute Nachrichten für den Reiseveranstalter sorgen für Wut – „Milliardengräber“

Gute Nachrichten für Tui!
Gute Nachrichten für Tui!
Foto: imago images / Rüdiger Wölk

Weil die Menschen wegen der Corona-Pandemie nur sehr wenig in den Urlaub gefahren sind, stehen die Reisesveranstalter wie Tui und Co. vor finanziellen Engpässen.

Doch jetzt gibt es gute Nachrichten für Tui: Der Reiseveranstalter kann dank milliardenschwerer Rettungspakete vom Staat auch in Zukunft Urlauber auf Reisen schicken! Doch die Maßnahme sorgt auch für Wut.

Tui: Milliardenhilfe für Reisekozern – das steckt dahinter

Wie der weltgrößte Reiseanbieter aus Hannover am Mittwoch mitteilte, einigte sich Tui mit dem Bund sowie privaten Investoren und Banken auf ein Finanzierungspaket von insgesamt 1,8 Milliarden Euro.

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Das Finanzierungspaket stärke die Position der Tui und stelle ihr ausreichende Liquiditätsreserve zur Verfügung, hieß es. „Diese gleicht auch die bis zum Beginn der Sommersaison 2021 angenommenen Reisebeschränkungen aus.“ Das Paket sei wegen der zunehmenden Reisebeschränkungen durch steigende Infektionszahlen und ein damit verbundenes kurzfristigeres Buchungsverhalten einiger Kunden notwendig.

Und das ist drin im Paket:

  • Eine Kapitalerhöhung über rund 500 Millionen Euro, die von privaten Investoren geschultert wird
  • Eine in Aktien der Tui wandelbare stille Einlage des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in Höhe von 420 Millionen Euro
  • Eine nicht wandelbare stille Einlage in Höhe von 280 Millionen Euro

Diese Bedinungen muss Tui erfüllen

Vorausgegangen waren Verhandlungen mit der Bundesregierung. Zwei vom WSF benannte Personen sollen Mitglieder des Aufsichtsrats der Tui werden. Der staatliche WSF dient der Stabilisierung der Wirtschaft in Folge der Coronavirus-Pandemie.

Er stellt Unternehmen Stabilisierungsmaßnahmen zur Stärkung ihrer Kapitalbasis und zur Überwindung von Liquiditätsengpässen bereit. So hatte die Politik bereits ein milliardenschweres Rettungspaket für die Lufthansa beschlossen.

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Die EU-Kommission muss nach der Einigung über die stillen Einlagen bei der Tui noch prüfen, ob es sich um eine zulässige staatliche Beihilfe handelt.

So soll es laut Tui weitergehen

Weiter geht es laut Tui um eine Staatsgarantie über 400 Millionen Euro oder alternativ eine entsprechende Erhöhung der nicht wandelbaren stillen Einlage des WSF sowie eine zusätzliche Kreditlinie der Staatsbank KfW über 200 Millionen Euro. Eine bestehende Kreditlinie der KfW wird bis Juli 2022 verlängert.

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Die stillen Einlagen durch den WSF seien mit weiteren Einschränkungen verbunden, unter anderem hinsichtlich Investitionen in andere Unternehmen, solange der WSF investiert bleibe.

Die Entscheidung für die Milliardenhilfen stießen nicht überall auf Begeisterung. Viele Twitter-Nutzer reagieren mit Unverständnis:

  • „Mit diesen Milliarden sollte man die Armen in Deutschland in der Corona-Krise abfedern. Denn hier kommen wieder Steuergelder in die Kasse. Die Milliarden bei der TUI sind weg. Es ist Sternverschwendung, wenn Großkonzerne mit Milliarden in der Corona-Kriese geholfen wird.“
  • „Die Tourismus-Lobby hat offensichtlich mehr Einfluss als die Vernunft. Lufthansa und TUI als Milliardengräber.“
  • „Jetzt wollen wir aber auch einen fetten Reisegutschein von TUI!“

Auch dieser Reise-Konkurrenz erhält öffentliche Unterstützung

Tui war im Frühjahr als erstes deutsches Großunternehmen von der staatlichen Förderbank KfW mit einem Darlehen über 1,8 Milliarden Euro unterstützt worden.

Neben Lufthansa und Tui wird auch der Reise-Konkurrent FTI öffentlich gestützt. Ende September waren für Tui 1,2 Milliarden Euro in Form einer zweiten Kreditlinie sowie einer Anleihe hinzugekommen, die der Bund auch in eigene Anteile bei den Hannoveranern umwandeln kann. Nun wurden Verhandlungen über eine dritte Hilfstranche beendet. (vh mit dpa)