Türkei: Erdogan erhebt neue Anklage gegen Box-Europameister – „Nur noch peinlich!“

Dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan sind Kritiker nicht geheuer. (Archivfoto)
Dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan sind Kritiker nicht geheuer. (Archivfoto)
Foto: imago images / Xinhua

Im Ring kämpft Box-Champ Ünsal Arik (39) mit Fäusten, im realen Leben mit seiner Stimme gegen Türkei-Präsident Recep Tayyip Erdogan (66)!

Immer wieder wettert er öffentlich gegen den Präsidenten der Türkei, nennt ihn „Diktator“ und „Rassist“, vergleicht ihn mit Hitler. Erdogan persönlich hat ihn bereits angezeigt, die Staatsanwaltschaft in Ankara hat Anklage wegen versuchten Mordes erhoben – weil Arik in einem Rap-Song eine Erdogan-Pappfigur umboxt. Jetzt droht dem 39-Jährigen weiter Ungemach, denn: Gleich mehrere Staatsanwaltschaften haben ebenfalls Anklage erhoben.

Türkei: Neue Anklagen gegen Anti-Erdogan-Boxer Arik

Weil er sich geweigert habe, eine Aussage gegenüber der türkischen Polizei zu machen und den Vorladungen nicht nachgekommen sei, wird er jetzt ein Fall für weitere Gerichte. Weiterer Anklagepunkt: Ariks öffentliche Kritik an der Corona-Politik der Erdogan-Regierung, die um Spenden bei der Bevölkerung gebeten hatte, um die Folgen der Pandemie für die türkische Wirtschaft abzufedern.

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Das ist Recep Tayyip Erdogan:

  • Erdogan ist seit dem 28. August 2014 Präsident der Türkei
  • Er wurde am 26. Februar 1954 geboren
  • Er ist Vorsitzender der Partei AKP
  • Nach dem Verfassungsreferendum 2017 wurde das parlamentarische System im Juli 2018 bei einer vorgezogenen Wahl in ein Präsidialamt umgewandelt, damit Erdogan mehr Macht inne hat
  • Erdogan setzt sich für eine Wiedereinführung der Todesstrafe ein
  • Seit 2017 hat es zahlreiche Verhaftungen von deutschen Journalisten und Staatsangehörigen gegeben. Diese standen stets im Zusammenhang mit regierungskritischen Äußerungen in den sozialen Medien

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Gegenüber dieser Redaktion bekräftigt Ünsal Arik seine Meinung, dass er in der Türkei als Staatsfeind gelte und er kein gerechtes Verfahren erwarten dürfe. Arik: „Warum schickt die Türkei keine Nachricht an die deutschen Kollegen, sodass ich eine Aussage in Deutschland machen kann? Warum muss ich unbedingt zur türkischen Polizei? Stattdessen führen sie Hausdurchsuchungen bei meinen Verwandten und meiner Anwältin durch und behaupten, ich könne mich ja dort verstecken. Wie absurd! Sie wollen mich verhaften, das ist alles.“

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„Corona hat gezeigt, wie schwach Erdogan-Regierung ist!“

Den neuen Gerichtsverfahren sieht er gelassen entgegen. Der Superweltergewichtler: „Ich soll erst Ende Juni in die eine türkische Stadt, dann Mitte Juli vor ein anderes Gericht. Was soll der Unsinn? Dieser Staat zeigt einmal mehr, dass er unfähig ist, Demokratie zu leben.“

Seine Corona-Kritik an Erdogan bekräftigt er, ledert los: „Corona hat doch gezeigt, wie schwach die Erdogan-Regierung ist. Anstatt dass der Staat den Menschen hilft, betteln sie um das wenige Geld des Volks. Das ist nur noch peinlich. Die Mehrheit der Menschen sind inzwischen gegen seine Wirtschaftspolitik.“

Kritik an in Deutschland lebende Türken: „Sie verraten Deutschland!“

Harsche Kritik übt er einmal mehr gegen die hier lebenden türkischen Staatsbürger, die bei jeder Wahl Erdogan ihre Stimme geben würden. Arik: „Diese Menschen leben in Deutschland, genießen hier ihr sicheres Leben, während sie Erdogan wählen. Einen Mann, der offen Deutschland hasst. Die Türken hier verraten ihr Heimatland Deutschland!“

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Er führt weiter aus: „Mit welchem Recht dürfen sie den Alltag in der Türkei mitbestimmen? Indem sie eine Woche Urlaub am Strand machen? Wir kennen das Renten-, Kranken- und Sozialsystem der Türkei nicht mal, warum sollen wir da mitbestimmen? Ich wünsche mir manchmal, dass Deutschland die doppelte Staatsbürgerschaft abschaffen würde. Ein Großteil dieser ach so stolzen Türken würden sich dann für Deutschland entscheiden.“

„Kampf für Demokratie muss täglich gekämpft werden!“

Er selbst sei jetzt seit knapp fünf Jahren nicht mehr in seinem Heimatland gewesen, war nicht mal bei der Beerdigung seiner Mutter anwesend – aus Furcht vor Repressalien Ankaras.

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Und dennoch ist er sich sicher, für das Richtige zu kämpfen, sagt zu DER WESTEN: „Ich lasse mich nicht verbiegen, egal, wieviele Prozesse die türkische Regierung gegen mich eröffnet. Der Kampf für Demokratie muss täglich gekämpft werden. Gerade in dieser Zeit. Dafür lebe ich.“

 
 

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