Türkei: Coronavirus wegen Homosexuellen? Erdogan stimmt diesen entsetzlichen Aussagen zu

Der türkische Präsident Erdogan hat sich hinter schockierende Aussagen des obersten islamischen Gelehrten der Türkei gestellt.
Der türkische Präsident Erdogan hat sich hinter schockierende Aussagen des obersten islamischen Gelehrten der Türkei gestellt.
Foto: imago images / Xinhua

Istanbul. In der Türkei haben unfassbare Aussagen, die das Coronavirus mit Homosexualität in Verbindung bringen, für heftige Kritik gesorgt.

Ali Erbas, der Chefs der türkischen Religionsbehörde Diyanet, hatte in einer Predigt am Freitag vor einer Woche unter anderem gesagt, dass Homosexualität Krankheiten mit sich bringe und Generationen „verrotten“.

Türkei: Erdogan stellt sich hinter schreckliche Erbas-Aussagen

Die Anwaltskammer in Ankara warf Erbas daraufhin vor, Menschen herabzuwürdigen und zum Ziel von Angriffen zu machen. Präsident Recep Tayyip Erdogan stellte sich dagegen hinter Erbas und sagte, seine Aussagen seien korrekt, aber nur bindend für Muslime.

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Das ist Recep Tayyip Erdogan:

  • Erdogan ist seit dem 28. August 2014 Präsident der Türkei
  • Er wurde am 26. Februar 1954 geboren
  • Er ist Vorsitzender der Partei AKP
  • Nach dem Verfassungsreferendum 2017 wurde das parlamentarische System im Juli 2018 bei einer vorgezogenen Wahl in ein Präsidialamt umgewandelt, damit Erdogan mehr Macht inne hat
  • Erdogan setzt sich für eine Wiedereinführung der Todesstrafe ein
  • Seit 2017 hat es zahlreiche Verhaftungen von deutschen Journalisten und Staatsangehörigen gegeben. Diese standen stets im Zusammenhang mit regierungskritischen Äußerungen in den sozialen Medien

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Auch Justizminister Abdulhamit Gül verteidigte Erbas. Die Oberstaatsanwaltschaft in Ankara hat inzwischen Ermittlungen gegen die Anwaltskammer der Hauptstadt eingeleitet, unter anderem wegen Herabwürdigung religiöser Werte.

Menschenrechtsorganisation kritisiert türkische Regierung

Daraufhin hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) die türkische Regierung in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme dazu aufgefordert, die Brandmarkung von Lesben und Schwulen zu beenden. Sie verlangen, dass Repräsentanten der türkischen Regierung von Bemerkungen Abstand nehmen, die Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen dem Risiko aussetzen, verfolgt und angegriffen zu werden.

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HRW kritisierte zudem die Unterstützung höchster Regierungskreise für „hasserfüllte“ Äußerungen. Das sei „extrem besorgniserregend“. Außerdem müssten die Ermittlungen gegen jene, die sich gegen solche „homophoben Stellungnahmen von Staatsbediensteten“ aussprächen, sofort fallengelassen werden, forderte HRW weiter.

Homosexualität ist in der Türkei nicht verboten. Aktivisten beklagen jedoch immer wieder Diskriminierung. Die Gay-Pride-Parade im Zentrum Istanbuls war in den vergangenen Jahren verboten worden. (at, mit dpa)

 
 

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