Puff: Politik will Bordelle in Deutschland verbieten – „Diesen Frauen hilft nicht ...“

Puff: Bleiben die Bordelle in Deutschland auch nach dem Corona-Lockdown geschlossen? So fordern es nun einige Bundestagsabgeordnete. (Symbolbild)
Puff: Bleiben die Bordelle in Deutschland auch nach dem Corona-Lockdown geschlossen? So fordern es nun einige Bundestagsabgeordnete. (Symbolbild)
Foto: imago images / Rolf Kremming

So gut wie kein Berufszweig ist nicht von der Corona-Pandemie betroffen. Auch das Rotlichtmilieu – wegen Mindestabstand und Kontaktsperren ist der Puff ohnehin geschlossen, viele Sexarbeiterinnen können ihrem Gewerbe nicht nachgehen.

Wenn es nach einer Gruppe von Bundestagsabgeordneten von Union und SPD geht, sollte bestenfalls kein Puff jemals wieder die Türen öffnen. Die Politiker fordern ein endgültiges Sexkaufverbot und Ausstiegsprogramme für Prostituierte.

Puff: Politiker fordern Verbot von Prostitution

Der während der Corona-Krise verhängte Shutdown für Prostitution dürfe nicht gelockert werden, verlangen sie in einem Brief an die Regierungschefs der Länder. Das Schreiben liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Die Abgeordneten befürchten im Falle einer Wiedereröffnung neue Infektionsherde. „Es dürfte auf der Hand liegen, dass Prostitution die Wirkung eines epidemiologischen Super-Spreaders hätte – sexuelle Handlungen sind in der Regel nicht mit Social Distancing vereinbar“, heißt es in dem Papier. Und wer würde schon freiwillig bei der Nachverfolgung von Infektionsketten ehrlich zugeben, ein Bordell besucht zu haben?

Das Konzept der Politiker will das Prositutionsgewerbe jedoch nicht nur verbieten, sondern künftig auch Freier pauschal mit Geld- und Haftstrafen belegen. Der Grund: Das Ausmaß „an sexuellen Übergriffen und massiven physischen und psychischen Verletzungen durch täglich vielfach erzwungene Penetration“, so die „Bild“.

SPD-Politiker Lauterbach stellt Grundsatzfrage

Insgesamt 16 Parlamentarier haben das Dokument unterzeichnet, darunter die Gewerkschafterin Leni Breymaier (SPD), der Vizechef der Unionsfraktion und ehemalige Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sowie der Mediziner Karl Lauterbach (SPD). Sie finden deutliche Worte zum Thema.

Wenn in TV-Talkshows beispielsweise eine „Sexarbeiterin aus Leidenschaft“ auftrete und Prostitution als ganz normalen Job darstelle, „ist das ein Schlag ins Gesicht tausender, zum Teil sehr junger Frauen, die sich in einem menschenverachtenden System verkaufen“, so Gröhe.

Epidemiologe Lauterbach von der SPD legt den Fokus auf die Corona-Bekämpfung. „Im Sex-Gewerbe können weder Hygieneregeln eingehalten werden noch können die Kontakte nachverfolgt werden“, zitiert ihn die „Bild“. „Die Corona-Krise ist für mich der Anlass, sich grundsätzlich die Frage zu stellen, ob wir das Gewerbe in Deutschland wollen.“

Abgeordnete fordern Ausstiegshilfen für Prostituierte

Zudem verweisen die Politiker darauf, dass die derzeitige Schließung der Prostitutionsstätten bestätige, dass die Frauen keine eigene Existenz hätten – keine Anmeldung, keine Wohnung und keine Krankenversicherung. Sie seien ihren Zuhältern ausgeliefert. „Diesen Frauen hilft nicht die Wiedereröffnung der Bordelle, sondern eine Ausbildung oder Tätigkeit in einem existenzsicherndem Beruf“, heißt es in dem Papier.

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Die Gruppe empfiehlt den Ministerpräsidenten die Einführung von Ausstiegshilfen nach schwedischem Modell. Dieses sieht Sprachkurse für die - in Deutschland überwiegend aus Osteuropa stammenden - Prostituierten sowie Wohnung, Gesundheitsversorgung und Traumatherapie vor.

In Deutschland gibt es etwa 33 000 behördlich registrierte Prostituierte. Nach den Zahlen der Abgeordneten könnten es insgesamt aber bis zu 400.000 sein. (at, mit dpa)

 
 

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