Polizei Berlin: Nach Essen auch rassistische Chatgruppe in Hauptstadt aufgeflogen – die Details sind erschütternd

So entsteht ein Phantombild

Ingo von Westphal ist Phantombildzeichner. Uns hat er erklärt, wie ein Phantombild entsteht.

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Nach Essen nun auch Berlin: In einem Whatsapp-Chat haben mehr als 25 Beamte und Beamtinnen der Polizei Berlin rassistische Inhalte verschickt. Über Jahre hinweg, ohne dass es Widerspruch gab, weder von anderen Beamten noch von Vorgesetzten.

Aufgeflogen ist der Chat bloß, weil sich zwei Berliner Polizisten an die Redaktion des ARD-Magazins „Monitor“ gewandt hatten. Was sie berichten, macht sprachlos. People of Color (PoC) werden als „N***“, „Kanacke“, „Ölauge“ beschimpft. Auch Mord- und Gewaltfantasien werden offen ausgelebt. Und Experten, Politiker und Polizei streiten verbissen wie vielleicht nie zuvor darüber, ob die Polizei ein strukturelles Rassismus-Problem hat.

Polizei Berlin: Erneut Nazi-Chat aufgedeckt

Der Nazi-Chat von Beamten der Polizei Essen und Mülheim hatte bundesweit für einen großen Aufschrei gesorgt. Rund 30 Polizisten hatten sich wohl über Jahre rassistische und menschenfeindliche Bilder geteilt. NRW-Innenminister Reul versprach eine „lückenlose Aufklärung“, lehnte die Begrifflichkeit eines strukturellen Problems bei der Polizei jedoch ab.

Nun, wenige Wochen später, gibt es den nächsten Polizeiskandal in Berlin: Wieder ein Chat, wieder menschenverachtende Inhalte und wieder schwiegen Kollegen und möglicherweise sogar Vorgesetze jahrelang.

Details des Chats machen sprachlos

Einer der Polizisten aus Berlin, der sich an Monitor wandte, war selbst Teil in einer solchen Chatgruppe. Mindestens drei Jahre – zwischen Verabredungen zum Sport und der Brötchenbestellung für das Frühstück – werden rassistische Inhalte verschickt. Muslime werden als „fanatische Primatenkultur“ bezeichnet, ausländerfeindliche Äußerungen wie „Merkels Gäste kommen wie Heuschrecken über Europa“ fallen, Flüchtlinge werden als „Mörder“ oder „Ratten“ verunglimpft.

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In einer ausgedachten Aufnahmeprüfung für die Polizei sollen Anwerber „sechs Einwanderer“ erschießen. Mit Blick auf Geflüchtete in Deutschland müsse „jeden Tag einer ins Jenseits“ geschickt werden. Auch Linke beim G20 Gipfel werden zum Opfer von Gewaltfantasien. Man solle sie „abknallen“ und in Rechtsextremen „Verbündete“ gegen die Demonstranten suchen um eine „gewaltige Schlagkraft“ darzustellen.

Die Autorin und Journalistin Alice Hasters zeigt sich geschockt: „Diese Inhalte sind rassistisch, sind hoch rassistisch. Da gibt es keinerlei Verhandlungsbasis oder Versuche, es in einem anderen Kontext zu sehen.“ Dass einige der Inhalte als Witze gemeint seien, mache es „überhaupt nicht harmloser“.

Selbst Vorgesetzte schauten weg

Auch Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter verschlägt es die Sprache. Er spricht von einer „menschenverachtenden, tiefbraunen, rassistischen Soße“, von der man sich nur „widerwärtig“ abwenden könne. Dass genau solche Beamten zuvor einen Eid auf das Grundgesetz geschworen hatten, stehe im „diametralen Gegensatz zueinander“.

Laut den zwei Beamten der Polizei habe die Chatgruppe nur deshalb so lange unwidersprochen bestehen können, weil es ein großes Risiko bei der Aussage gegen Kollegen gebe. Auch von Vorgesetzen gebe es keine Unterstützung. Tatsächlich soll ein Vorgesetzter sogar über die Chatgruppe informiert worden sein. Seine Reaktion: Er forderte die Beteiligten lediglich per Mail auf, keine strafrechtlich relevanten Inhalte zu verschicken.

Diskussion um strukturellen Rassismus weiter angeheizt

Für Polizei und einige Politiker dürfte die Enthüllung der nächsten rechten Chatgruppe bei der Polizei einem Fiasko gleichkommen. Bereits seit einigen Monaten schwelt die Diskussion um eine Studie zu strukturellem Rassismus in der Polizei. Experten fordern seit Jahren eine unabhängige Beschwerdestelle.

Hasters dazu in „Monitor“: „Wenn man nicht davon ausgehen kann, dass es Systeme gibt, die greifen, wenn man Rassismus innerhalb der Polizei bei Kollegen entdeckt […]dann haben wir ein strukturelles Problem.“

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Sprecher von Polizeigewerkschaften und Regierungspolitiker hatten eine Studie und eine unabhängige Beschwerdestelle bislang strikt abgelehnt. Besonders vehement zeigte sich dabei Innenminister Horst Seehofer (CSU). Der Gegenwind für diese Position wird durch die offengelegten Chats der Polizei Berlin zweifelsohne nicht abnehmen. (dav)

 
 

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