Niederlande: Paradoxe Szenen – Fußball-Ultras patrouillieren durch Städte

In den Niederlanden zogen Ultras und Bürgerwehren durch mehrere Städte, um zu patroullieren.
In den Niederlanden zogen Ultras und Bürgerwehren durch mehrere Städte, um zu patroullieren.
Foto: Screenshot Twitter

Amsterdam. Gewaltbereite Menschen erschüttern bereits die zweite Nacht die Niederlande mit heftigen Corona-Krawallen. Es brennen Autos, Geschäfte werden geplündert. Die Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein. Ihren Angaben nach sind viele Neonazis und Fußball-Hooligans unter den Randalierern.

Die Niederlande haben am Montagabend erneut schwere Ausschreitungen in Folge von aus dem Ruder gelaufenen Protesten gegen die Corona-Ausgangssperre erlebt. Hunderte gewaltbereite Jugendliche randalierten nach Polizeiangaben bis zum späten Montagabend in mehreren Städten wie Amsterdam und Rotterdam und griffen die Polizei an.

Alles zu den Corona-Krawallen in den Niederlanden liest du in diesem Blog.

+++ Hier aktualisierst du den Blog +++

Niederlande erneut von heftigen Corona-Ausschreitungen erschüttert

09.30 Uhr: Paradoxe Szenen - Fußball-Ultras patrouillieren

Es sind paradoxe Szenen, die aus mehreren niederländischen Städten in den sozialen Netzwerken kommen. Videos zeigen Fußball-Ultras und Hooligans, die als Bürgerwehren durch die Städte ziehen. In Maastricht zogen mehr als 100 Menschen der Gruppe „Angel-Side“ durch die Stadt. Auch im Zentrum von Breda versammelten sich Menschen, um "die Stadt zu schützen und nicht zu randalieren". Die Polizei begleitete die Bürgerwehr ein Stück durch die Stadt, ehe sie rechtzeitig vor der Sperrstunde sich auflöste.

Aus 's-Hertogenbosch kamen sogar Gerüchte, dass die Polizei die Bürgerwehr mit Gelben Westen ausgestattet hätte. „Es sind Berichte im Umlauf, wonach wir Bürgern auf der Straße Westen zur Verfügung stellen in Den Bosch. Dies ist nachdrücklich nicht der Fall“, twitterte die Polizei Oost-Brabant. „Wir schätzen die Unterstützung, die sie bei ihrer Bürgerbeteiligung zum Ausdruck bringen, aber wir stellen ihnen keine Westen zur Verfügung.“

27. Januar:

07.00 Uhr: Weitgehend ruhige Nacht

Nach den Ausschreitungen der vergangenen Tage ist es in den Niederlanden in der vierten Nacht der Ausgangssperre weitgehend ruhig geblieben. Ein massives Polizeiaufgebot überwachte in der Nacht zum Mittwoch in mehreren Städten - darunter Amsterdam, Rotterdam und Den Haag - die Einhaltung der zur Eindämmung des Coronavirus verhängten Ausgangssperre. Diese gilt zwischen 21.00 Uhr und 04.30 Uhr.

Nur vereinzelt kam es erneut zu Randale, die aber weitem nicht so heftig war wie an den Vortagen. In Amsterdam versammelte sich nach Angaben der Polizei am Dienstagabend eine größere Gruppe junger Männer, die Feuerwerkskörper entzündeten. Die Gruppe sei schnell aufgelöst worden, berichteten niederländische Medien. In Rotterdam wurden nach Angaben der Polizei 33 Menschen wegen Vandalismus oder Verstoßes gegen die Ausgangssperre festgenommen.

21.55 Uhr: Vereinzelt Krawalle in mehreren Städten, insgesamt jedoch deutlich ruhiger

Wie die niederländische Nachrichtenseite "De Telegraf" berichtet, kommt es auch am Dienstagabend wieder vereinzelt zu Auseinandersetzungen. Insgesamt scheint die Lage aktuell jedoch deutlich ruhiger als an den vergangenen Tagen.

Unter anderem im Amsterdamer Stadtteil Osdorp hatten sich mehrere junge Männer versammelt und Feuerwerk gezündet. Beim Eintreffen der mobilen Einsatzkräfte beruhigte sich die Situation jedoch. In der Stadt Julianadorp kam es zudem vor einem Supermarkt zu Auseinandersetzungen und Plünderungen. In Schijndel musste die Feuerwehr nach einem Anschlag mit einer Brandbombe auf einen Hema anrücken. In Rotterdam waren die Straßen vergleichsweise leer, es gab einzelne Verhaftungen wegen Verstößen gegen die Ausgangssperre.

Am frühen Abend waren zudem in mehreren Städten, unter anderem Breda, Den Bosch und Maastricht, Fußball-Hooligan um "für Ordnung zu sorgen". Nach Angaben von "De Telegraf" seien sie jedoch inzwischen nach Hause gegangen, teilweise gab es auch Festnahmen.

Die in Utrecht angekündigten Krawalle für diese Nacht blieben ebenfalls bislang aus.

18.28 Uhr: Rotterdammer Bürgermeister stellt Randalierer zur Rede: „Bist Du zufrieden?“

Am Tag nach den schweren Corona-Krawallen hat der Rotterdamer Bürgermeister Ahmed Aboutaleb über Twitter die Randalierer zur Rede gestellt: „Und? Aufgewacht? ... Ist das ein gutes Gefühl, seine Stadt kaputtgemacht zu haben? ... Bist Du zufrieden?“ Aboutaleb steht bei der Aufnahme am Dienstag mitten auf der Einkaufsstraße im Süden der Stadt, die Abend zuvor Schauplatz der Gewalt geworden war. Dutzende Jugendliche hatten Geschäfte geplündert, Läden demoliert und die Polizei mit Feuerwerkskörpern und Steinen angegriffen.

„Und fühlt sich das gut an, aufzuwachen mit 'ner Tasche voll gestohlener Sachen neben sich?“, fragt der Bürgermeister. Er richtete sich auch an die Eltern: „Haben Sie gestern Ihren Sohn nicht vermisst?“ Das Video wurde innerhalb weniger Stunden schon mehr als 200 000 Mal angeklickt.

Aboutaleb bedankte sich auch bei der Polizei und versicherte getroffenen Unternehmern: „Wir lassen Euch nicht im Stich.“

17:54 Uhr: Fast 200 Festnahmen – Minister spricht von „Abschaum“

Die Proteste in den Niederlanden gegen die nächtliche Ausgangssperre zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind erneut eskaliert. Nach gewaltsamen Ausschreitungen in der Nacht zum Dienstag wurden landesweit 184 Menschen festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Die Regierung betonte, sie werde vor der Gewalt nicht kapitulieren. Finanzminister Wopke Hoekstra bezeichnete die Randalierer als „Abschaum“.

In den Großstädten Amsterdam und Rotterdam sowie in anderen Orten ging die Polizei Montagnacht gegen Randalierer vor. Mindestens zehn Beamte wurden nach Polizeiangaben verletzt. In der Hafenstadt Rotterdam schlugen Randalierer Schaufenster ein und plünderten Geschäfte. Die Sicherheitskräfte setzten dort laut dem öffentlich-rechtlichen Sender NOS einen Wasserwerfer ein, um Demonstranten auseinanderzutreiben. Ausschreitungen gab es auch in Amersfoort, Den Bosch, Den Haag, Geleen und Haarlem.

Die Niederlande werden bereits seit dem Wochenende von gewaltsamen Protesten gegen die Ausgangssperre erschüttert.

14.53 Uhr: „Wie im Krieg“ seien die Ausschreitungen gewesen

Die Niederlande sind fassungslos und wütend: Sonst so bilderbuchartige historische Stadtzentren sind nach der zweiten Krawallnacht in Folge verwüstet. „Wie im Krieg“, sagt eine junge Frau am Dienstagmorgen im Zentrum von 's Hertogenbosch.

Videos von Augenzeugen und TV-Aufnahmen zeigen Szenen der Gewalt. Dutzende von Jugendlichen zogen plündernd und randalierend durch die Straßen, schlugen Schaufensterscheiben ein, warfen Autos um, demolierten Bushaltestellen, legten Feuer und griffen Polizisten mit Steinen und Feuerwerkskörpern an.

Die Ausgangssperre wirkte offensichtlich wie eine Lunte am Pulverfass. Schon die Corona-Proteste in Amsterdam und Eindhoven am Sonntag seien überrannt worden, sagt der Vorsitzende des Rates für Sicherheit der Regionen, Hubert Bruls: „Das, was wir jetzt sehen, hat überhaupt nichts mehr mit der Sperrstunde zu tun. Diese Leute haben bewusst nur darauf gewartet zu randalieren.“

Es geht vor allem um Jugendliche. Der bisher jüngste Randalierer, der festgenommen wurde, war 14 Jahre alt.

Um was für Gruppen es genau geht, ist unklar, sagt der Kriminologe Henk Ferwerda im TV-Nachrichtenmagazin Nieuwsuur. „Das sind Virusleugner, solche mit politischer Agenda und solche, die einfach draufhauen wollen.“

Neu ist nach Einschätzung der Professorin, dass die Unruhen vor allem von der rechtsradikalen Seite kommen.

13.15 Uhr: Gewalttäter sollen hart bestraft werden

Bei den schweren Krawallen in den Niederlanden hat die Polizei 184 Personen festgenommen.

Justizminister Ferd Grapperhaus erklärte, dass Gewalttäter schnell bestraft werden sollten. „Hiermit kommen sie nicht einfach so davon.“ Er bekräftigte auch, dass die Regierung vorerst an der Ausgangssperre gegen die Verbreitung des Coronavirus festhalten werde. Die Polizei rief Bürger auf, Fotos und Videos von den Unruhen zu übergeben. Auf diese Weise sollen Gewalttäter aufgespürt werden.

10.08 Uhr: Mindestens zehn Polizisten verletzt

Bei den schweren Krawallen in den Niederlanden sind in Rotterdam mindestens zehn Polizisten verletzt worden. Mehr als 50 Randalierer wurden festgenommen, sagte der Rotterdamer Polizeichef Fred Westerbeeke am Dienstagmorgen im niederländischen Radio. Krankenwagen im Noteinsatz seien behindert worden. Die Hafenstadt war besonders schwer von den Unruhen am späten Montagabend betroffen. Hunderte von gewaltbereiten Jugendlichen hatten stundenlang randaliert, Polizei mit Feuerwerk und Steinen angegriffen, Geschäfte geplündert und Brände gelegt.

Ein Zentrum der Unruhen war auch 's Hertogenbosch etwa 100 Kilometer südlich von Amsterdam. Dort wurden Geschäfte geplündert und Brände gelegt. Auch sei versucht worden, das Krankenhaus anzugreifen, wie die Klinik berichtete. Krankenwagen hätten ausweichen müssen. „Das war beängstigend für die Mitarbeiter“, sagte Krankenhausdirektor Piet-Hein Buiting dem regionalen Radio.

06.59 Uhr: Polizei setzt Wasserwerfer ein, gegen Mitternacht beruhigt sich die Situation

Gegen Mitternacht hatte die Polizei die Lage weitgehend unter Kontrolle, wie Polizeichef Willem Woelders im TV-Sender NOS sagte. „Wir stellen fest, dass es im größten Teil der Niederlande wieder ruhig ist.“

Zuvor hatte es in circa zehn Städten heftige Ausschreitungen gegeben. Und das bereits die zweite Nacht in Folge.

06.35 Uhr: Randalierer versuchen auch in Krankenhäuser einzudringen

„Schamlose Diebe“, klagte Rotterdams Bürgermeister Ahmed Aboutaleb über den Mob. In seiner Stadt waren unter anderem Geschäfte zerstört und geplündert worden. „Wir konnten noch keine Bestandsaufnahme machen, aber es ist trotzdem eine traurige Bilanz“, wurde er von der Zeitung „De Telegraaf“ zitiert. In Den Bosch waren die Ereignisse nach einem Bericht eines Reporters des TV-Senders NOS „gehörig aus dem Ruder gelaufen“. Nach einem Feuerwerk sei eine sehr große Gruppe von Randalierern in die Stadt gezogen. „Auf der gesamten Strecke wurden Plünderungen begangen, Feuer gelegt, Autos zerstört, Geschäfte geplündert.“

In Rotterdam wurden Polizisten nach Berichten von NOS von rund 100 Randalierern mit Steinen und Feuerwerkskörpern angegriffen. Die mobile Einheit der Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Nach Polizeiangaben wurden in der Hafenstadt rund 50 Menschen festgenommen.

In Brabant und Den Bosch versuchten Randalierer nach Medienberichten auch in Krankenhäuser einzudringen. Die Polizei habe die Zugänge weiträumig abgeriegelt. Krankenwagen mussten in andere Kliniken ausweichen.

Auch Journalisten und Kamera-Teams waren nach Medienberichten Opfer von Gewalt. Die Polizei forderte inzwischen über Twitter Bürger auf, eventuelle Videoaufnahmen von den Ereignissen einzusenden, um die Ermittlungen zu erleichtern.

05.05 Uhr: Menschen zogen plündernd durch die Straßen

Die Menschen hatten sich kurz vor Beginn der Ausgangssperre wegen der Corona-Pandemie in Stadtzentren versammelt. In großen Gruppen zogen sie plündernd und randalierend durch die Straßen. Sie griffen die eingesetzten Polizisten mit Feuerwerk und Steinen an.

Unruhen wurden aus etwa zehn Städten gemeldet, darunter auch Den Haag, Alkmaar, Arnheim und Geleen. Mehr als 151 Personen wurden nach Angaben der Polizei festgenommen.

------------------------------------

• Mehr Themen:

-------------------------------------

Anlass der Unruhen sind die von der Regierung verhängten verschärften Corona-Maßnahmen und eine seit Samstag geltende Ausgangssperre.

Schlimmsten Krawalle seit 40 Jahren

Sonntagnacht hatten schwere Unruhen in etwa zehn Städten das Land erschüttert. Die Polizei hatte von den schlimmsten Krawallen seit 40 Jahren gesprochen. Polizei und Bürgermeister hatten zuvor bereits vor weiteren Unruhen gewarnt, nachdem mehrere Aufrufe in den sozialen Medien erschienen waren. Erste Krawalle hatte es bereits am Samstag gegeben.

Am Samstagabend war in den Niederlanden erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie landesweit eine Ausgangssperre in Kraft getreten. Die Bürger müssen von 21.00 bis 4.30 Uhr in ihren Wohnungen bleiben. Verstöße werden mit Geldbußen von 95 Euro bestraft. (fb/dpa)

 
 

EURE FAVORITEN