Maddie McCann: Grausamer Verdacht gegen Christian B. - Staatsanwalt packt aus: „DAS ist rein spekulativ“

Maddie McCann: Die Spur führt nach Deutschland

Maddie McCann: Die Spur führt nach Deutschland

13 Jahre nach ihrem Verschwinden steht der Vermisstenfall vor dem Durchbruch!

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Hans Christian Wolters ist ein gefragter Mann derzeit. Seit einer Woche steht sein Telefon nicht mehr still. Der Erste Staatsanwalt aus Braunschweig ist plötzlich in der ganzen Welt bekannt - als der Mann, der mit seinem Team vor der Aufklärung des Falls Maddie McCann steht.

Seit der Veröffentlichung des Tatverdachts in Aktenzeichen XY und einen Tag später bei einer Pressekonferenz in Braunschweig hat der Fall der 2007 verschwundenen Maddie McCann neue Fahrt aufgenommen. Christian B. (43) steht im Verdacht, die Dreijährige entführt und getötet zu haben.

Seit dem die Braunschweiger Ermittler sich an die Öffentlichkeit gewandt haben, seien Hunderte Hinweise allein in Deutschland eingegangen, weitere Hunderte in Großbritannien und Portugal.

Maddie McCann: Christian B. unter Mordverdacht - Staatsanwaltschaft erhielt vielversprechende Hinweise

Darunter seien teils vielversprechende Hinweise, so Wolters im Gespräch mit dieser Redaktion. „Die Resonanz ist sehr groß, wie viele werthaltige Hinweise dabei sind, werden wir sehen.“ Der Sprecher rechnet damit, dass es Tage, eher Wochen dauern wird, bis alle ausgewertet sein werden.

„Wir sind schon sehr optimistisch, dass es für eine Anklage reicht“, sagt Wolters. „Wir starten ja auch nicht bei Null, sondern haben bereits das ein oder anderen Indiz. Aber uns fehlen noch einige Puzzleteile.“

Stand jetzt, würde daher die Beweislast im Fall Maddie McCann nicht für eine Anklage gegen Christian B. langen, weiß auch Wolters. Er betont: „Wir können auch nicht garantieren, dass es nach Abschluss der Ermittlungen dafür reichen wird. Es besteht immer die Möglichkeit, dass es nicht dazu kommt.“

Eine hohe zweistellige Zahl an Ermittlern der Staatsanwaltschaft, des BKA und Polizei sind mit dem Fall betraut. Ihr Ziel: Beweise für eine Schuld von Christian B., von der die Ermittler überzeugt sind, sammeln.

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"Wir wissen nicht wie oder wann sie getötet wurde"

„Wir gehen davon aus, dass Maddie tot ist“, hatte Wolters auf der Pressekonferenz vergangene Woche gesagt. In britischen Medien war der Staatsanwalt zitiert worden, er gehe davon aus, dass Maddie missbraucht und schnell getötet wurde. Wolters stellt klar: „Das ist nur meine private Meinung. Wir wissen nicht wie oder wann sie getötet wurde. Das ist rein spekulativ.“ Auch eine Leiche gibt es nach wie vor nicht.

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Der Fall Maddie McCann:

  • Madeleine Beth McCann, genannt Maddie (3), verschwand am 3. Mai 2007
  • Zuletzt sahen sie ihre Eltern sie in ihrer Ferienwohnung in Portugal
  • Als Maddie McCann verschwand, waren ihre Eltern mit Freunden essen
  • Einziger Hinweis: ein geöffnetes Fenster
  • Nach 14 Monaten stellte die portugiesische Polizei die Ermittlungen zu dem britischen Mädchen ein
  • Ihre Eltern, beide Ärzte, nutzen die Öffentlichkeit für die Suche nach Maddie
  • Bis heute gibt es kein Anzeichen, ob Maddie noch lebt
  • Am 12. Mai hätte Maddie McCann ihren 17. Geburtstag gefeiert

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Doch aus seiner Erfahrung aus 17 Jahren als Staatsanwalt gehe er nicht davon aus, dass Madeleine an einen Kinderschänderring verkauft oder länger versteckt gehalten wurde.

„Es gibt sicher Ausnahmefälle. Aber in der Regel töten Täter in ähnlich gelagerten Fällen ihre Opfer relativ zeitnah“, so Wolters.

„Er hat jeder Zeit die Möglichkeit an uns heranzutreten“

Da die These der Ermittler ist, dass die vermisste Madeleine nicht mehr am Leben ist, bestehe auch kein unmittelbarer zeitlicher Druck. Daher wurde Christian B. von den Ermittlern auch noch nicht vernommen. „Er weiß, dass wir ermitteln und hat Kenntnis davon. Er hat jeder Zeit die Möglichkeit, an uns heranzutreten.“ Bislang schweige Christian B., ließ sein Anwalt Friedrich Friedrich Fülscher, der den Verdächtigen gemeinsam mit Star-Anwalt Johann Schwenn vertritt, nach einem Besuch beim Verdächtigen in der JVA Kiel gegenüber RTL verlauten.

Die Ermittler wollen zunächst Beweise sammeln, um den Verdächtigen in einer möglichen Vernehmung damit konfrontieren zu können. „Aktuell ist noch nicht der richtige Zeitpunkt“, so Wolters. Die Vernehmung sei für das Ende der Ermittlungen geplant. „Wenn Sie jemanden aus der Reserve locken wollen, dann müssen sie schon sagen: 'Wir haben das und das in der Hand.' Ohne Druck ist es unwahrscheinlich, dass jemand gesteht.“

Doch wann das sein werde, dürften von der Wertigkeit der eingehenden Hinweise abhängen.

Doch Wolters betont, der 43-jährige vorbestrafte Sexualstraftäter habe jederzeit die Möglichkeit, mit den Ermittlern zu sprechen, etwa um zu gestehen. „Wir stehen rund um die Uhr zur Verfügung.“

Ermittler schließen weitere Sexualstraftaten nicht aus

Da aktuell kein Haftbefehl oder eine Anklage im Fall Maddie McCann gegen Christian B. vorliegt, haben er und seine Anwälte auch keine detaillierte Einsicht in die Akten. Welche Indizien und Beweise Wolters und sein Team haben, ist Christian B. damit bislang nicht bekannt.

Die Ermittler schließen längst nicht aus, dass er noch für weitere Sexualstraftaten in Frage kommt, möglicherweise an irischen oder US-Touristen, die in Portugal waren.

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Die gute Nachricht für den Staatsanwalt. Die Haft von Christian B. wegen Drogendelikten endet erst im Frühjahr 2021. Zwei Drittel seiner Strafe hat er bereits verbüßt. Eine Entscheidung über Anträge auf eine Haftverschonung steht noch aus, eine vorzeitige Entlassung dürfte aber kaum Erfolgschancen haben.

„Wir sind natürlich froh, wenn man weiß, wo sich ein Beschuldigter aufhält und wir wissen, dass er für eine Vernehmung zur Verfügung steht.“ Doch selbst im Fall einer Haftentlassung wegen der Drogendelikte dürfte Christian B. wohl nicht so schnell auf freien Fuß kommen. Denn auch eine Strafe wegen einer Vergewaltigung 2005 in Portugal steht noch aus. Das Urteil hier ist allerdings noch nicht rechtskräftig.