Maddie McCann: Auch wenn Maddie-Ermittlungen platzen sollten – Christian B. droht weiteres Ungemach

Die Chronik im Fall der verschwundenen Maddie McCann

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Es war ein Hammer zur besten Sendezeit!

Bei Aktenzeichen XY enthüllte Rudi Cerne gemeinsam mit BKA-Chefermittler Christian Hoppe am 4. Juni, dass es einen neuen Verdächtigen im Fall der vermissten Maddie McCann gibt. Schnell ist klar, dass es sich dabei um den 43-jährigen Christian B. handelt, der wegen eines anderen Deliktes noch in Haft sitzt. Seither glühen die Drähte bei der Braunschweiger Staatsanwaltschaft heiß.

Maddie McCann: Christian B. weiterhin nicht vom Tatverdacht entlastet

Weit mehr als 1000 Hinweise sind in Deutschland und Großbritannien eingegangen.

Doch wie ist der Stand der Ermittlungen im Fall Maddie McCann ein halbes Jahr nachdem die Ermittler sich bei Aktenzeichen XY erstmals mit ihrem Verdacht an die Öffentlichkeit gewandt haben?

Hans Christian Wolters, leitender Staatsanwalt, verrät im Gespräch mit dieser Redaktion: „Wir wollen zu Einzelheiten nichts sagen. Nur so viel: Es ist in den sechs Monaten nichts Entlastendes für den Beschuldigten dazu gekommen.“ Schließlich ist die Staatsanwaltschaft Kraft ihrer Amtes nicht nur dazu angehalten, belastendes Material zu finden, sondern auch Entlastendes.

Ob der Tatverdacht sich noch erhärtete, wollte Wolters nicht kommentieren. „Der Tatverdacht besteht nach wie vor wie im Juni.“ Mit einer kurzfristigen Anklage sei aber nicht zu rechnen, so der Staatsanwalt.

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Christian B. sitzt noch für einige Jahr wegen Vergewaltigung ein

Eile ist den Ermittlern ohnehin nicht geboten, denn ihr Verdächtiger, der mehrfach vorbestrafte Berufsverbrecher Christian B., sitzt noch eine Haftstrafe wegen Drogendelikten ab, bevor er in der JVA Wolfenbüttel seine siebenjährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung einer US-Touristin (72) antritt. Der Bundesgerichtshof hatte Mitte November eine Revision zum Vergewaltigungsurteil des Maddie-Verdächtigen verworfen.

Ermittler verfolgen weiter Spuren

Unnötig in die Länge gezogen werden sollen die Ermittlungen aber deshalb nicht. Wolters betont: „Dazu haben wir gar nicht die Ressourcen. Aber noch haben wir Spuren und Ermittlungsansätze, die wir verfolgen.“

Wolters hält es nicht für ausgeschlossen, dass die Ermittler sich auch im Laufe der weiteren Ermittlungen noch einmal mit der Bitte um Hinweise an die Öffentlichkeit wenden könnten.

Spätestens zum Abschluss der Ermittlungen wolle man sich nochmal ausführlich erklären - auch für den Fall, dass es nicht zu einer Anklage gegen Christian B. im Fall Maddie reichen sollte.

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Der Fall Maddie McCann:

  • Madeleine Beth McCann, genannt Maddie (3), verschwand am 3. Mai 2007
  • Zuletzt sahen sie ihre Eltern sie in ihrer Ferienwohnung in Portugal
  • Als Maddie McCann verschwand, waren ihre Eltern mit Freunden essen
  • Der einzige Hinweis: ein geöffnetes Fenster
  • Nach 14 Monaten stellte die portugiesische Polizei die Ermittlungen zu dem britischen Mädchen ein
  • Am 12. Mai hätte Maddie McCann ihren 17. Geburtstag gefeiert

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Doch Christian B. droht längst nicht nur im Fall Maddie McCann weiteres Ungemach. Denn inzwischen laufen bei der Braunschweiger Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungen, wie Wolters auf Nachfrage bestätigte.

Christian B. in weitere Vergewaltigung verstrickt?

Zum Einen ist da der Vorwurf der Vergewaltigung einer jungen irischen Touristin, die 2004 in einem Ort eine halbe Stunde entfernt von Paria da Luz, wo die kleine Maddie verschwand, brutal vergewaltigt wurde. Die Irin hatte sich an die Ermittler gewandt, nachdem sie Ähnlichkeiten zum Vergewaltigungsfall der US-Touristin erkannt hatte, für den Christian B. verurteilt worden war.

Darüber hinaus ermittelt die Staatsanwaltschaft auch wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Wenige Wochen vor dem Verschwinden von Madeleine McCann besuchte ein damals zehnjähriges Mädchen einen Strand rund 10 Kilometer entfernt von Praia da Luz. Beim Spielen mit anderen Kindern soll ein nackter Mann es gepackt, festgehalten und vor ihren Augen masturbiert haben, berichtet der „Spiegel“.

Der Mann entkam, das Opfer war sich bei Ermittlungen Anfang 2019 zunächst nicht sicher, ob es sich um Christian B. handeln könnte. Nachdem neue Bilder des Mannes im Zusammenhang mit dem Fall Maddie McCann auftauchten, meldete sich die junge Frau erneut bei der Polizei und gab an, sich nun zu 99 Prozent zu sein, dass der Maddie-Beschuldigte auch in ihrem Fall der Gesuchte sei.

Das in der Zwischenzeit eingestellte Verfahren war daraufhin wieder aufgenommen worden. „Diese Komplexe laufen parallel. In diesen Verfahren bin ich optimistisch, dass wir die Ermittlungen Anfang oder Mitte des nächsten Jahres zum Abschluss bringen können“, erklärte Wolters.

Befragung des Maddie-Beschuldigten soll später erfolgen

Eine Befragung von Christian B. habe es laut Staatsanwalt bislang nicht gegeben. Diese sei auch erst für das Ende der Ermittlungen geplant, so Wolters.

Die Ermittler gehen weiter davon aus, dass Maddie McCann nicht mehr am Leben ist.