Krebs: Frau denkt, Arzt hat sie geheilt – acht Jahre später erfährt sie, was er ihr angetan hat

Eine Patientin dachte, ihr Arzt hätte ihren Brustkrebs entfernt. Doch dann kam alles anders. (Symbolbild)
Eine Patientin dachte, ihr Arzt hätte ihren Brustkrebs entfernt. Doch dann kam alles anders. (Symbolbild)
Foto: imago images / Panthermedia

Großbritannien. Sie wollte eine Expertenmeinung zu einer kleinen Blutung in ihrer rechten Brust einholen. Deswegen suchte Lesley Cuthbert den Spezialisten Dr. Ian P. auf, wie die „Sun“ berichtet. Der gab ihr die Schockdiagnose: Brustkrebs! Nur eine dringende Operation könnte Lesley retten, doch die Warteliste des erfahrenen Chirurgen war für die nächsten drei Monate komplett voll.

Gegen eine Zahlung von mehreren zehntausend Pfund konnte sich die besorgte Lesley aber einen früheren OP-Termin sichern. „Es war eine aufwendige Operation und ich hatte danach eine Menge Schmerzen, aber als er mir am nächsten Tag sagte, ich hätte keinen Krebs mehr, war er mein Engelsdoktor, mein Retter“, erzählt Lesley. Doch acht Jahre später kam die schockierende Wahrheit ans Licht: P. hatte sie belogen. Lesley hatte nie Krebs.

Krebs: Arzt gibt Patientinnen falsche Diagnosen

Und Lesley war nicht P.s einziges Opfer. Zwanzig Jahre lang blieb das Treiben des Arztes unentdeckt, von tausenden „physisch und emotional verstümmelten“ Frauen ist die Rede. 23 Patientinnen sollen an den Folgen der Eingriffe gestorben sein, so die ersten Erkenntnisse der neusten Ermittlungen.

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Eine davon war Deborah Hynes. Sie hatte P. im Jahr 2000 aufgrund eines Knotens in ihrer Brust aufgesucht. Die Diagnose des als Experten angesehenen Arztes fiel dramatisch aus: Erst führte der eine Biopsie-Operation durch, dann meinte er, der Krebs könne nicht operiert werden und Deborah hätte nur noch drei Jahre zu leben. Doch P. versprach der Patientin, dass er sie dennoch retten könnte.

Betrüger-Arzt Ian P.: Falsche Medikamente und unnötige OPs

Das Problem: Den geplanten Eingriff scheint P. selbst erfunden zu haben, obwohl er für derartige Operationen gar nicht zugelassen ist. Denn Deborah litt tatsächlich an Krebs – und P.s Eingriff, der die natürliche Form der Brust möglichst erhalten sollte, barg die Gefahr, Krebsgewebe im Körper zurückzulassen. Und genau das geschah mit Deborah.

Ein Jahr lang lebte sie ohne Krebsbehandlung, weil sie dachte, von P. vollständig geheilt worden zu sein. Er verschrieb ihr sogar ein Medikament mit einer hohen Dosis an Östrogenen, die das Krebswachstum sogar beschleunigen. Unfassbar: Dennoch dürfte P. vier (!) weitere Operationen an Deborah durchführen. Dies hatte zur Folge, dass sich der Krebs in ihrem ganzen Körper verteilte und die Frau im Jahr 2013 schließlich daran verstarb. Ihr Witwer John: „Ich bin extrem wütend darüber, dass er ein paar Jahre ins Gefängnis kommt, während ich Jahrzehnte ohne die Liebe meines Lebens verbingen muss.“

Dr. Ian P.: „Gotteskomplex“ und Gefängnisstrafe

Im Mai 2017 wurde Dr. Ian P. in 17 Fällen für schuldig befunden, Patientinnen absichtlich „verwundet“ zu haben, und zu einer Gefängnisstrafe von 20 Jahren verurteilt. Seine Opfer sagen über P., er habe einen „Gotteskomplex“ gehabt. Seine Versprechungen gaben den Patientinnen Hoffnung, sie verehrten P. dafür, dass er ihnen half – und um diese Anerkennung zu erhalten, war er sich für nichts zu schade. Nicht einmal dafür, bei gesunden Frauen Krebs zu diagnostizieren, nur um ihnen „lebensrettende“ Operationen versprechen zu können.

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Natürlich sah er auch das Geld gerne, dass ihm unglaublich teuren Operationen einbrachten. Deborahs Witwer John Hynes beschreibt es in der „Sun“ deutlich: „Die Behandlung meiner Frau hätte mehr als zwei Millionen Pfund gekostet. P. lebte in der teuersten Gegend, fuhr einen Mercedes und hielt sich selbst für unantastbar.“ (at)

 
 

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