Hanau: Erfolglos bei Frauen, voller Hass auf Ausländer – was wir über den Attentäter Tobias R. wissen

Hanau: Mann erschießt elf Menschen in Hessen
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Schreckliche Bluttat in Hanau (Hessen).

In der Nacht zum Donnerstag hat Tobias R. in Hanau zehn Menschen und anschließend sich selbst erschossen. Nach und nach kommen Details über den mutmaßlichen Täter ans Tageslicht.

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Hanau/Hessen: Das wissen wir über den mutmaßlichen Todesschützen Tobias R.

Der mutmaßliche Täter von Hanau war zuvor nicht im Visier der Ermittler. Der Mann sei weder als fremdenfeindlich bekannt gewesen noch polizeilich in Erscheinung getreten, sagte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) am Donnerstag im Wiesbadener Landtag.

Tobias R. soll rechtsradikales Bekennerschreiben verfasst haben

Tobias R. hinterließ ein Bekennerschreiben voller wirrer Verschwörungstheorien und rassistischem Hass. Darin schreibt er, „dass bestimmte Völker vernichtet werden müssten, deren Ausweisung aus Deutschland nicht mehr zu schaffen sei.“

Die Behörden bestätigten die Existenz eines solchen Schreibens, hielten sich zu dessen Inhalt bisher aber bedeckt. Alles deutet daraufhin, dass Tobias R. von einem rechtsradikalen Motiv geleitet wurde. Der Generalbundesanwalt sprach von einer „zutiefst rassistischen Gesinnung“, die R. in seinen Manifesten und Videos zum Ausdruck brachte.

+++ Hanau in Hessen: Elf Menschen erschossen +++ Bekennerschreiben +++ Rechtsradikaler Täter? +++

Video des Todesschützen auf Youtube aufgetaucht

In einem Video spricht Tobias R. in fließendem Englisch von einer „persönlichen Botschaft an alle Amerikaner“. Der Clip, der am Donnerstagmorgen weiter im Internet zu sehen war, wurde offensichtlich in einer Privatwohnung aufgenommen, vor wenigen Tagen wurde er ins Netz gestellt.

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In dem von Verschwörungstheorien nur so strotzenden Clip sagt der Mann, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände „jetzt kämpfen“.

Ein Hinweis auf eine bevorstehende eigene Gewalttat in Deutschland ist in dem Video nicht enthalten.

Experte: Mutmaßlicher Täter hasste Ausländer

Auch ein 24-seitiges Manifest hat der mutmaßliche Täter ins Netz gestellt. Darin schreibt er, dass er seit seiner Geburt abgehört werde, Geheimdienste seine Gedanken steuern. Die Politik Donald Trumps, Hollywood-Filme oder aber die Berufung Jürgen Klinsmanns zum Nationaltrainer gingen auf seine Ideen zurück.

Der Sicherheitsexperte Peter R. Neumann hat dieses ausgewertet. Wie Neumann auf Twitter schreibt, sei es in sehr gutem Deutsch geschrieben und deute daraufhin, dass der mutmaßliche Täter etwa 50 Jahre alt sei.

Tobias R. betone darin, dass er Ausländer und Nicht-Weiße hasse und fabuliert über die Frage, wie viele Deutsche "reinrassig und wertvoll" seien. Er nennt auch explizit Länder, die vernichtet werden müssten - vorwiegend arabische bzw. muslimisch geprägte Nationen.

Außerdem soll Tobias R. ein sogenannter "Incel" sein, der noch nie eine Frau hatte. In den letzten 18 Jahren sei das seine bewusste Entscheidung gewesen, weil er überwacht werde.

Experte Neumann kommt zu dem Schluss, dass Tobias R. womöglich jemand war, der nächtelang Videos mit Verschwörungstheorien schaute, der eine extreme rechte Einstellung hatte und möglicherweise psychische Probleme.

Wahn und Narzissmus in Kombination

Die Kriminalpsychologin Lydia Benecke sagte über Tobias R. im Gespräch mit dieser Redaktion: „Es ist offenbar bei ihm vieles zusammengekommen. Eine narzisstische Persönlichkeitsstruktur, der Glaube besser zu sein als andere, aber in der Realität deshalb eben doch oft anzuecken. Und zugleich Symptome einer schweren psychischen Erkrankung.“

Tobias R. soll Lehre zum Bankkaufmann absolviert haben

Auf seiner persönlichen Webseite gibt Tobias R. an, 1977 in Hanau geboren, dann dort aufgewachsen und zur Schule gegangen zu sein. „Nach meinem Abitur habe ich den 'Zivildienst' abgeleistet und danach eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Frankfurt gemacht. Im Wintersemester des Jahres 2000 habe ich ein BWL-Studium in Bayreuth begonnen, welches ich im Frühjahr 2007 erfolgreich abschließen konnte“, schreibt er.

Der mutmaßliche Täter soll auch einen Waffenschein besessen haben und Sportschütze gewesen sein. Er besaß laut "Spiegel" mehrere Pistolen, darunter des Kalibers 9 Millimeter. Er sei im vergangenen Jahr deshalb auch routinemäßig kontrolliert worden. (vh/mit dpa)

 
 

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