Großbritannien: 39 Leichen gefunden – weitere Festnahmen nach Lkw-Drama

Großbritannien: Die 39 Personen sollen unter schrecklichen Umständen gestorben sein.
Großbritannien: Die 39 Personen sollen unter schrecklichen Umständen gestorben sein.
Foto: dpa

Grays, GB. Die 39 Leichen, die am Mittwoch in der Hafenstadt Thurrock in Großbritannien in einem Lkw-Container entdeckt worden waren, sind nach neuen Erkenntnissen eines qualvollen Todes gestorben. Das berichtet die Polizei in Großbritannien.

Es soll sich um 38 Erwachsene und einen Teenager handeln. Ihre Identität ist nun geklärt. Am Freitag wurde bekannt, dass es neben dem Fahrer des Lkw zwei weitere Verhaftungen gegeben haben soll.

Großbritannien: 39 Leichen in Container entdeckt

Gefunden wurden die Leichen gegen 1.40 Uhr am Mittwochmorgen im Waterglade Industriepark in Grays. Für sie kam jede Hilfe zu spät. Sie lagen bei der Ankunft der Rettungskräfte bereits tot in dem Container.

Der Ermittler Andrew Mariner sagte am Mittwoch in einer Mitteilung: „Das ist ein tragischer Vorfall, bei dem eine große Anzahl von Menschen ihr Leben verloren hat. Derzeit überprüfen wir, was passiert ist.“

Nun ist klar: Die mutmaßlichen Migranten sind erforen. Denn die Temperaturen in dem Kühlcontainer sollen bei -25 Grad gelegen haben. Das berichtet die britische Dailymail.

Wie am Donnerstagmittag bekannt wurde, sollen die 39 Toten aus China stammen. Eine Bestätigung des chinesischen Außenministeriums steht allerdings noch aus. Unter den Toten sollen sich acht Frauen und 31 Männer befinden.

Weitere Festnahmen

Der 25 Jahre alter Fahrer des Trucks, ein Nordire, wurde wegen des Verdachts des Mordes verhaftet. Bisher konnten die Opfer noch nicht identifiziert werden. „Wir erwarten, dass es ein langwieriger Prozess werden wird“, heißt es in der Polizeimitteilung. Am Freitag veröffentlichte die Polizei Essex ein Statement, demzufolge zwei weitere Personen verhaftet wurden.

Dabei soll es sich um einen 38-jährigen Mann sowie eine 39-jährige Frau aus Warrington im Norden Englands handeln.

Der Fahrer, Mo R., war offenbar mit seinem Sattelzug aus Irland eingereist und hatte auf den Container gewartet.

Ermittlungen auch in Bulgarien

In der Nacht zu Donnerstag wurden zwei Wohnungen in Nordirland durchsucht. Diese sollen in Zusammenhang mit Mo R. stehen. Die Polizei hält es allerdings für eher unwahrscheinlich, dass der Lkw-Fahrer tatsächlich von dem Menschenschmuggel nach Großbritannien gewusst hat.

Deshalb hat die Polizei Ermittlungen zu einem irischen Schmugglerring aufgenommen, welche Verbindungen zu der bulgarischen Stadt Varna hat.

Lkw stammte aus Bulgarien

„Wir glauben, dass der Lkw aus Bulgarien stammt und am Samstag, dem 19. Oktober über Holyhead ins Land gekommen ist. Wir arbeiten eng mit unseren Partnern zusammen, um den Fall zu untersuchen.“ Inzwischen besteht Gewissheit: Der Lkw war seit 2007 in der bulgarischen Hafenstadt Warna am Schwarzen Meer gemeldet - auf eine unbekannte Frau aus Irland.

Seitdem sei das Fahrzeug nicht mehr im Land gewesen, erklärte der bulgarische Ministerpräsident Boiko Borissow dem Sender BTV. Dies sei aus Steuergründen nicht unüblich.

Container kam mit Schiff aus Belgien

Der Lkw-Container soll am frühen Mittwochmorgen in Großbritannien angekommen sein - offenbar per Fähre vom belgischen Seebrügge ins britische Purfleet. Von da aus wurde der Container nach bisherigen Ermittlungen an einen Sattelzug gekoppelt.

Dann ging es um kurz nach 1 Uhr weiter ins wenige Kilometer entfernte Grays. Die Fahrt endete schließlich nach gut 1,5 Kilometer in einem Industriegebiet. Wer auf den Lkw aufmerksam wurde und den Rettungsdienst verständigte, ist bisher nicht bekannt.

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Polizei äußert erste Vermutung

Die britische Polizei hat nun eine erste Vermutung: Die 39 Personen könnten heimlich in den Lkw geschlichen sein, um von Belgien nach Großbritannien zu kommen. Nun versucht die Polizei herauszufinden, wann die Personen in das Fahrzeug gegangen sind und, ob Schlepper sie vor der Polizei gefunden und die Lkw-Tür daraufhin abgeschlossen haben.

Die Personen hatten sich in dem Lkw-Container, der eigentlich Kekse transportiert, für mindestens 15 Stunden aneinander gepresst, um sich vor der extremen Kälte zu schützen.

Auch Premierminister Boris Johnson hat sich zu dem Vorfall geäußert. „Ich bin geschockt und traurig über diesen äußerst tragischen Vorfall in Grays“, so der Politiker auf Twitter.

(db/nk/dpa)

 
 

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