Corona-Impfstoff von BioNTech: Ist ein 90-prozentiger Schutz echt gut genug?

Coronavirus: Diese Symptome sprechen für COVID-19

Zahlreiche Menschen auf der Welt haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) sind Frauen und Männer von einer SARS-CoV-2-Infektion etwa gleich häufig betroffen. Männer erkranken jedoch häufiger schwer als Frauen. Es gibt einige Symptome, die auf eine mögliche Infektion hinweisen können.

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Es war DIE Meldung am Montag und macht vielen Menschen Hoffnung: Das deutsche Biotechnologie-Unternehmen BioNTech und der US-Pharmariese Pfizer meldeten vielversprechende Daten für einen Impfstoff gegen Covid-19.

Das BNT162b2 bezeichnete Serum wäre der erste zugelassene mRNA-Impfstoff. Ein völlig neues Impfprinzip. Es könnte die Wende in der globalen Coronavirus-Krise bringen. Doch einige wichtige Fragen sind noch offen.

Coronavirus-Impfung: Sind 90 Prozent Wirksamkeit wirklich gut genug?

Derzeit befinden sich die Forscher in der dritten Phase der Impfstoff-Entwicklung. In dieser wird das Serum an Zehntausenden Probanden getestet. Das Serum soll sich unter realen Bedingungen beweisen.

In einem Rolling-Review-Verfahren übermitteln die Forscher nun bereits Daten an die europäische Arzneimittelbehörde EMA und die us-amerikanische Behörde FDA. Diese Daten werden fortlaufen aktualisiert, um die Phase 4, nämlich die Zulassung des Impfstoffs, zu beschleunigen.

Derzeit schätzt BioNTech die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffes auf über 90 Prozent. Diese Zahl ergibt sich aus derzeitigen Testergebnissen mit einer Gruppe, die den Impfstoff erhalten hat, und einer anderen, denen ein Placebo gespritzt wurde. Einfach formuliert: Von 100 Getesteten infizieren sich 10 mit dem Virus. Somit könnte nachgewiesen werden, dass es einen Schutzeffekt gibt, wenn in der Placebo-Gruppe die Infiziertenzahlen deutlich höher sind.

+++ News-Blog: Coronavirus in Deutschland +++

Coronavirus: Impfstoff-Test von BioNTech mit 43.000 Freiwilligen läuft

Nach Angaben von BioNTech und Pfizer läuft der Impfstoff-Test derzeit mit mehr als 43.000 Freiwilligen ab. Ihnen wurden innerhalb von drei Wochen zweimal entweder der Impfstoff oder ein Placebo verabreicht. Eine Woche nach der zweiten Spritze, und somit vier Wochen nach der ersten Spritze, soll die Corona-Impfung wirken. Von den 43.000 Getesteten hätten sich bislang 94 Probanden mit Sars-CoV-2 angesteckt, der Großteil hiervon stammt aus der Placebo-Gruppe.

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Mehr über BioNTech:

  • Das Biotechnologie-Unternehmen wurde 2008 gegründet
  • Es hat ihren Sitz in Mainz
  • Gegründet wurde BioNTech von Uğur Şahin, Özlem Türeci und Christoph Huber
  • Der Börsenwert von BioNTech ist von 33 Euro zum Jahresamt auf mittlerweile über 92 Euro (10. November) angestiegen.

Grippe-Impfstoffe haben deutlich geringere Wirksamkeit

Doch reicht es aus, wenn es lediglich einen 90-prozentigen Schutz gegen Corona gibt? Gesundheitsminister Jens Spahn bezeichnet diese Wirksamkeit als sehr hoch. Grippe-Impfstoffe hätten zum Vergleich nur 50 oder 60 Prozent Wirksamkeit.

Auch Professor Dr. Leif-Erik Sander von der Berliner Charité zeigt sich beeindruckt von der Schutzwirkung von mehr als 90 Prozent. Er sagte, dass dies eine „unerwartet hohe Impfeffizienz“ sei, sofern sich der Trend fortsetze. Diese Wirksamkeit werde „mit vielen der routinemäßig eingesetzten Impfstoffen, wie zum Beispiel gegen Influenza, nicht erreicht", zitiert ihn sciencemediacenter.de.

Für die Zulassung eines Coronavirus-Impfstoffes hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA eine Wirksamkeit von mindestens 50 Prozent als Zielwert ausgegeben. Die europäische EMA hatte sich bislang noch auf keinen Wert festgelegt. Insofern würden rund 90 Prozent tatsächlich über den Erwartungen liegen.

Jedoch ist momentan auch fraglich, inwiefern mit einer Testgruppe von einigen zehntausend Probanden wirklich statistisch signifikante Unterschiede festgestellt werden könnten. Peter Doshi, Mitherausgeber des „British Medical Journal“ bezweifelt das. Doshi argumentiert: „Krankenhausaufenthalte und Todesfälle aufgrund von Covid-19 sind in der untersuchten Bevölkerung einfach zu selten, um statistisch signifikante Unterschiede in einer Studie mit 30.000 Menschen aufzuzeigen“. Gleiches gelte für die Fragen, ob der Impfstoff Leben retten könne oder eine Übertragung des Virus verhindern kann.

Diese Fragen sind derzeit im Zusammenhang mit dem Coronavirus-Impfstoff zudem noch ungeklärt:

  • Kann der Impfstoff vor schweren und tödlichen Covid-19-Verläufe schützen?
  • Treten Nebenwirkungen auf, die bisher nicht bekannt sind?
  • Wirkt der Impfstoff auch bei der Risikogruppe der älteren Menschen, mit einem geschwächten Immunsystem, genauso gut?
  • Wird eine Übertragung des Virus an andere nach der Impfung verhindert?
  • Wie lange hält der Schutz an?
  • Wie viele Monate wird es dauern, durch Impfungen eine ausreichend große Herdenimmunität in Deutschland zu schaffen, um die Corona-Maßnahmen zurückfahren zu können?
 
 

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