Coronavirus: Lungenfacharzt räumt mit Mythos auf – „Wir haben beobachtet, dass...“

Chronologie der Corona-Pandemie

In drei Monaten wurden eine Million Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Wir zeichnen die Ausbreitung des Virus nach.

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Welche ist die Haupt-Todesursache, die das Coronavirus mit sich bringt?

Bisher glaubten die meisten Menschen, dass Lungenentzündungen hauptverantwortlich dafür sind, dass Patienten am Coronavirus sterben. Doch mittlerweile mehren sich die Berichte von Medizinern, die das anders sehen.

Coronavirus: Patienten mit Bluthochdruck am schlimmsten betroffen

So behauptet der Lungenfacharzt Thomas Voshaar, dass bereits die ursprüngliche Definition der Risikogruppen nicht korrekt ist. „Wir haben beobachtet, dass sich die Risikogruppen, die von einer Erkrankung an Covid-19 am stärksten betroffen sein könnten, anders zusammensetzen, als am Anfang der Pandemie gedacht“, sagt Voshaar dem Portal „watson“: „So haben wir festgestellt, dass Patienten mit Diabetes oder Hypertonie, also Bluthochdruck, unabhängig vom Alter am ehesten einen schweren Krankheitsverlauf erleben.“

Voshaar stellt klar, dass Vorerkrankungen bei Patienten mit dem Coronavirus eine größere Rolle spielen als das Alter: „Hohes Alter lässt den Patienten nicht automatisch zur Risikogruppe gehören, sofern er keine Vorerkrankungen hat. Auch bei Rauchern oder Asthmatikern ist bisher nicht gesichert, wie hoch ihr Risiko einer schweren Erkrankung ist. Ansonsten haben wir beobachtet, dass junge Menschen die Krankheit eher überleben – was aber auch damit zusammenhängt, dass sie seltener unter Vorerkrankungen leiden.“

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Unterschiede zwischen Lungenentzündung und Corona-Infektion

Der Lungenfacharzt erklärt, dass es große Unterschiede zwischen einen Lungenentzündung und einer Infektion mit dem Coronavirus gibt: „Nachdem wir bei allen unseren Corona-Patienten eine Computertomografie (CT) gemacht haben, konnten wir feststellen: Bei Covid-19 sind fast immer beide Lungenflügel entzündet, bei einer klassischen Lungenentzündung meist nur einer. Auch sind uns einige für Lungenerkrankungen untypische Symptome aufgefallen.“

Diese untypischen Symptome beschreibt Voshaar wie folgt: „Einer unserer Mitarbeiter, der sich außerhalb des Krankenhauses mit dem Coronavirus infiziert hatte, berichtete uns, dass er kurze Zeit vor Krankheitsbeginn unter der Dusche plötzlich sein Duschgel nicht mehr riechen konnte. Aus diesem Grund wurden wir in unserer Klinik recht früh aufmerksam auf das Symptom des Verlusts von Geruchs- und Geschmackssinn. Ein weiterer Mitarbeiter, der sich im Ausland angesteckt hatte, konnte drei Wochen lang nicht Gitarre spielen, weil er das Gefühl in den Fingern verloren hatte.“

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„Erkenntnisse der Pathologen sind wichtig“

Voshaar wünscht sich, dass Pathologen künftig intensiver die Körper von Todesopfern des Coronavirus untersuchen. Das Robert-Koch-Institut hatte von solchen Obduktionen lange Zeit abgeraten – aus Angst, die Pathologen könnten sich infizieren. „Wir Ärzte in der Klinik arbeiten mit den Lebenden – umso wichtiger ist es für uns, Erkenntnisse von Pathologen mit unserem Wissen abzugleichen, deswegen stehen wir mit vielen von ihnen regelmäßig in Kontakt“, so Voshaar.

Der Lungenfacharzt weiter: „Die Angst, sich bei einer Obduktion zu infizieren, ist wohl unbegründet. Denn das Virus wird vor allem von Menschen über Tröpfchen übertragen, die beim Sprechen oder Husten abgegeben und vom Gegenüber eingeatmet werden.“ (dhe)

 
 

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