Christian B.: Experte im Fall Maddie McCann ist überzeugt: Diese Beweise könnten Maddie-Verdächtigen überführen

Maddie McCann: Das ist ihre Familie

2007 verschwindet die kleine Maddie McCann in Portugal. Für ihre Familie beginnt ein Albtraum.

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Die Ermittler sind sich zu 99,9 Prozent sicher. Maddie McCann ist tot. Christian B. wird der Tat verdächtigt.

Der Braunschweiger Staatsanwalt Hans Christian Wolters sagte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Es gibt konkrete Indizien, die dafür sprechen, dass Maddie tot ist. Daran lassen unsere Ermittlungen keine Zweifel.“ Was den Ermittlern fehlt ist ein forensischer Beweis. Der Verbleib von Madeleine ist damit nach wie vor unklar.

Christian B.: Ermittlern fehlt im Fall Maddie McCann ein forensischer Beweis

Heriberto Janosch González hat seine Doktor-Arbeit über „Sexuelle Aggressionen durch Fremde" geschrieben und verfolgt den Fall Maddie McCann seit Jahren, unter anderem schreibt er auf seinem Blog über die Entwicklungen. Wir haben mit dem spanischen Kriminologie-Professor über den Verdächtigen Christian B., mögliche Indizien der Ermittler und seine Einbrecher-Theorie gesprochen.

„Ich verstehe es so, dass der Staatsanwalt mit einem forensischen Beweis einen Beweis meint, der vor Gericht in einem Verfahren nicht widerlegt werden kann. Ein Körper ist ein solcher Beweis. Aber auch ein Foto oder ein Video, dass einen leblosen Körper zeigt, könnte das sein.“ Doch da sich die Ermittler mit der Bitte um Hinweise an die Öffentlichkeit wandten, schlussfolgert der Experte, dass sie einen solchen Beweis nicht vorliegen haben.

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„Ich kann mir vorstellen, dass die Indizien, die die Staatsanwaltschaft hat, Geständnisse aus zweiter Hand sind. Also von Leuten, die ein enges Verhältnis mit dem Verdächtigen hatten, vielleicht auch Straftäter wie er, die einen forensischen Beweis gesehen haben“. Das könnten Fotos, Videos oder sogar ein toter Körper von Madeleine selbst sein, glaubt der Kriminolge.

Österreichischer Bekannter: „Er war es“

Dazu passt, dass sich in dieser Woche der Österreicher Michael T. in britischen Medien zu Wort meldete. Er war einst mit Christian B. auf Diebestour, klaute Diesel aus Lastwagen und landete gemeinsam mit dem Maddie-Verdächtigen in Portugal im Knast.

Michael T. sagt zum Verschwinden von Maddie: „Ich bin mir sicher, dass er es war.“

Packten Zeugen über Verdächtigen aus?

Wissen er und andere Zeugen aus dem damaligen Umfeld von Christian B. mehr und haben bei der Polizei ausgepackt?

Janosch González hält das für ein realistisches Szenario. „Es könnten voneinander unabhängige Geständnisse sein“, so der Experte. Er hält es für möglich, dass einstige Mitstreiter sich inzwischen gegen den Maddie-Verdächtigen gewendet haben und bei der Polizei ausgesagt haben. „Ich denke, die Ermittler haben so etwas und sind deshalb absolut überzeugt, dass Madeleine McCann tot ist, kurz nach dem sie missbraucht wurde. Aber sie wissen, dass diese Indizien vor Gericht schwer Stand halten werden und suchen daher nach mehr Beweisen gegen den Verdächtigen.“

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Auch der halbstündige Anruf von einem Handy, dass die Ermittler Christian B. zuschreiben, in unmittelbarer Nähe der Ferienanlage, in dem Maddies Familie wohnte, könnte ein wichtiger Schlüssel sein. „Wenn dieses Handy zum Verdächtigen gehörte, dann kann man ihn räumlich und zeitlich sehr nah mit Tatort und Tat in Verbindung bringen. Trotzdem bleibt es nicht ausreichend.“

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Laut Janosch González braucht es einen solideren Beweis, etwa das Auffinden von Maddie oder eine Identifizierung mithilfe von DNA, die am Tag nach dem Kidnappen im Appartment der McCanns gefunden wurde. „In Appartment 5A wurde Haare sichergestellt. Die Vielzahl ohne Haarfollikel. 2007 war es schwer nukleäre DNA von Haaren ohne Haarfollikel zu extrahieren.“ Der technologischen Fortschritt in der DNA-Analyse macht das laut des Experten inzwischen möglich. Doch unklar sei, ob die nötigen Proben so gelagert wurden, dass sie heute noch verwertbar sind.

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Was bisher über Christian B. bekannt ist:

  • Er wuchs im unterfränkischen Bergtheim auf.
  • Er soll als Baby adoptiert worden sein und nach einem Verkehrsunfall seines Adoptivvaters in ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche gekommen.
  • 1994 kommt er erstmals mit dem Gesetz in Konflikt. Es folgen 17 Einträge wegen Diebstahl, Urkundenfälschung, Rauschgifthandel, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Verstoß gegen das Waffengesetz bis hin zu Kindesmissbrauch und Vergewaltigung.
  • Zum Zeitraum des Verschwindens von Madeleine McCann soll er am Rand von Praia da Luz gelebt haben.
  • Aktuell sitzt er wegen eines Drogendeliktes und einer Vergewaltigung an einer US-Touristin in Haft.

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Schon 2017 vertrat der Madrider Kriminologe in einem Interview mit BBC die Position, dass der Schlüssel in der Lösung des Verschwindens von Maddie McCann in Wohnungseinbrüchen in Praia da Luz im Jahr 2007 lagen.

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„Ich habe schon damals gesagt, dass der Eindringling eine Person sein muss, der sich in der Gegend gut auskennt, dort lebt und alleine handelt. Es könnte ein Einbrecher gewesen sein, der auf Madeleine stieß und als Kurzschluss-Reaktion sie entführte. Ohne auszuschließen, dass der Einbrecher nicht auch ein Pädophiler sein könnte."

In den Original-Akten der portugiesischen Polizei finden sich zwei Einbrüche ganz in der Nähe vom Appartment der McCanns. Der Modus Operandi sei ähnlich, schreibt Janosch González auch auf seinem englischsprachigen Blog. Der Täter kam durch das Fenster. Einer davon nur wenige Wochen zuvor im gleichen Wohnblock, erklärt der Kriminologe.

Der Verdächtige Christian B. soll regelmäßig in Touristenwohnungen eingestiegen sein, Kameras, Pässe und Uhren gestohlen haben, berichten Bekannte übereinstimmend. B. saß wegen eines Dieseldiebstahls in Portugal im Knast.

„Ich denke der 43-jährige Verdächtige könnte der Täter sein“, sagt Janosch González: „Aber die bisher bekannten Indizien überzeugen mich bislang nicht.“

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