Bayern: Hitler-Hotel steht zum Verkauf – Makler wirbt mit DIESEM unfassbaren Slogan

Bayern: Das Hotel „Zum Türken“ auf dem Obersalzberg steht zum Verkauf.
Bayern: Das Hotel „Zum Türken“ auf dem Obersalzberg steht zum Verkauf.
Foto: imago images / Ulrich Hässler

Berchtesgaden. Zwar wurde Hitlers „Berghof“ am Obersalzberg in Bayern 1952 vom Freistaat gesprengt, doch so einfach lässt sich die Erinnerung an die Nazizeit nicht aus der Region wegwischen. Unter anderem deshalb, weil nur wenige Meter oberhalb von Hitlers Privatwohnsitz noch immer ein Hotel steht, in dem einst Mitglieder von SS und Gestapo übernachteten.

Der Gasthof „Zum Türken“ steht unter Denkmalschutz und befindet sich seit 1949 in Familienbesitz. Seit einigen Monaten steht das geschichtsträchtige Hotel in Bayern allerdings zum Verkauf – und die Marketing-Kampagne kommt nicht bei jedem gut an.

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Bayern: Makler preist Nazi-Hotel als „magischen Ort für Naturliebhaber“ an

Das internationale Maklerunternehmen Sotheby's bietet den Gasthof mit Panoramablick für rund 3,67 Millionen Euro an. Die Verbindung zum NS-Regime wird auf der Website des Maklers aber gänzlich verschwiegen. Als „Zeitreise mit traumhafter Kulisse“ wird das Hotel „Zum Türken“ dort beschrieben. Mit seinem „einzigartigen Ausblick auf die atemberaubende alpine Landschaft“ sei die Immobilie „ein magischer Ort für Naturliebhaber“.

Auch weitere fragwürdige Formulierungen finden sich in der Anzeige: So habe das Haus seit 1911 „seinen Charme“ behalten und beim Betreten spüre man „absolute Nostalgie“. Auch die weitverzweigten Bunker- und Verteidigungsanlagen, die sich direkt unter dem Hotel befinden und besichtigt werden können, erwähnt Sotheby's mit keinem Wort.

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Die Geschichte des Hotels „Zum Türken“:

  • Das Hotel wurde 1911 vom Urgroßvater der heutigen Besitzerin eröffnet
  • Ab 1933 übernahmen die Nazis insgesamt 57 Grundstücke am Obersalzberg, darunter auch das Hotel „Zum Türken“
  • Der Gasthof wurde bei den Bombenangriffen der Alliierten stark beschädigt
  • Erst 1949 konnte die Familie das Hotel für rund 22.000 D-Mark zurückkaufen
  • Seit 1958 besteht das Hotel „Zum Türken“ in seiner jetzigen Form
  • Aktuell ist das Hotel aufgrund der Corona-Pandemie bis auf weiteres geschlossen.

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Für diese Herangehensweise erntete das Unternehmen heftige Kritik. Und in Bayern fürchtet man zudem, das sich Personen mit rechter Gesinnung für das Gebäude interessieren werden.

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Hotel soll nicht in rechte Hände fallen

„Hier gab es schon öfter mal Skandale“, sagt Sven Keller, wissenschaftlicher Leiter der Dokumentation Obersalzberg, dem „Traunsteiner Tagblatt“ und erzählt von Hakenkreuzschmierereien an den Wänden. Es sei enorm wichtig, dass „das Haus in verantwortungsvolle Hände“ komme – wie beispielsweise in die des Staates oder der Kommune. Eine deutliche Warnung kommt auch von Karl Freller, dem Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. „Es darf keine Wallfahrtsstätte auf dem Obersalzberg entstehen“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“.

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Makler Sotheby's vermarktet das Hotel auf der ganzen Welt. Auf Anfrage des „Traunsteiner Tagblattes“ teilte der bayerische Geschäftsführer des Unternehmens, Michael Reiss, mit: „Die Kunden, die interessiert sind und recherchieren, wissen um die Lage des Objekts.“

Ein Käufer für den Gasthof „Zum Türken“ wurde bisher noch nicht gefunden. (at)

 
 

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