Hanau: Detektiv kann es nicht glauben: „Ich saß mit dem Attentäter am Tisch“ – DAS forderte er von mir

Hanau: Tobias Rathjen suchte Kontakt zu Angela Merkel und dem BND.
Hanau: Tobias Rathjen suchte Kontakt zu Angela Merkel und dem BND.
Foto: privat

Hanau/Wuppertal. Tobias Rathjen tötete in Hanau zehn Menschen - dann sich selbst. Jetzt kommt raus: er hatte im vergangenen Jahr Kontakt zu Angela Merkel und dem Bundesnachrichtendienst gesucht.

Der Attentäter von Hanau kontaktierte dazu die Wuppertaler Detektei Kurtz, die ihm einen Kontakt zu den höchsten Behörden in Deutschland beschaffen sollte. Das sagte Detektei-Chef Patrick Kurtz gegenüber dieser Redaktion.

Hanau: Tobias Rathjen suchte Kontakt zu Angela Merkel und BND

„Er hatte Kenntnis davon erlangt, das wir über sehr gute Behördenkontakte verfügen, und wollte, dass wir ihm einen Kontakt zum BND und diversen anderen staatlichen Organisationen vermitteln“, so Kurtz. Das lehnte die Detektei ab.

Demnach habe sich Rathjen im Juni 2019 telefonisch gemeldet. „Er wollte sich unbedingt persönlich mit mir treffen, was bei uns nicht usus ist“, so Kurtz. Deshalb ging der Fall an den erfahrenen Privatdetektiv Holger (Name von Redaktion geändert) aus Unna, der „sein Profil psychologisch spannend fand“ und schauen wollte, ob er Rathjen irgendwie helfen könne.

Im Oktober 2019 habe es ein Treffen des Ermittler mit Rathjen im Dortmunder Landhaus Dittmann gegeben. Maximal 1,80 m groß, helles Hemd, schwarze Schuhe, dunkler Anzug, so erscheint Rathjen. „Ein Durchschnittstyp“, so der Detektiv.

„Ich saß zweieinhalb Stunden mit ihm zusammen“, erzählt Holger, der als beratender Privatdetektiv für die Detektei Kurtz tätig ist. „Aus seiner Aktentasche zog er das Manifest, hat es auf den Tisch gelegt“, erinnert sich Holger.

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In dem 24-seitigen Manifest, dass der Hanauer Attentäter auf einer Homepage hochgeladen hatte, spricht er davon, „dass bestimmte Völker vernichtet werden müssten, deren Ausweisung aus Deutschland nicht mehr zu schaffen sei.“

Doch er schreibt auch, dass er die Politik mit seinen Gedanken steuere und Hollywoodfilme ebenfalls auf seinen Ideen beruhe.

Detektiv Holger habe es nicht selbst gelesen, sondern nur Absätze daraus vom Attentäter aus Hanau vorgelesen bekommen.

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„Keinerlei Anzeichen von Gewaltbereitschaft“

Er habe geäußert, dass eine Geheimorganisation im Schatten die Welt steuere und in Deutschland neben ihm nur Kanzlerin Angela Merkel und der Chef des BND, Gerhard Schindler, davon wüssten.

„Ich habe ihn auch gefragt, warum ausgerechnet er ausgewählt worden sei“, berichtet Holger. Tobias Rathjen berief sich auf sein Manifest, in dem alles stehen würde.

„Im Termin wurde allerdings schnell klar, dass er unter Verfolgungswahn und weiteren psychologischen Störungen litt“, so Kurtz, der betont: „Wir haben solche Problemfälle fast täglich, aber man denkt natürlich nicht, dass dann einmal so eine Bluttat daraus entsteht, zumal Herr Rathjen keinerlei Anzeichen von Gewaltbereitschaft zeigte.“

Auch offen rassistisches oder rechtsextremes Gedankengut habe er beim Treffen mit dem Detektiv nicht geäußert.

Gab es einen Mitwisser?

Doch ein Detail aus dem Gespräch mit dem Detektiv dürfte Ermittler in Hessen besonders interessieren. Er soll angegeben haben, dass er sich mit einem „Bruder im Geiste“ über seine Ideen austausche. „Er sprach von einem Freund, der seine Gedanken teile“, so Holger.

Die Frage von Mitwisser und Unterstützern ist einer der Punkte, die die Ermittler in den nächsten Tagen und Wochen genauer unter die Lupe nehmen, kündigte Generalstaatsanwalt Peter Frank an.

Bislang gebe es keine Erkenntnisse, dass der 43-Jährige vorher „mit anderen Personen geredet oder um Unterstützung gebeten hat“, sagte Frank am Freitag in Berlin.

Ermittler erkennt Manifest wieder

Am Donnerstag erkannte Holger das Manifest des Attentäter wieder. „Ich habe mich natürlich hinterfragt: habe ich etwas falsch gemacht.“ Doch es gebe im Jahr 20 bis 30 Anfragen von offensichtlichen Verschwörungstheoretikern.

„Eine solche Tat war für mich nicht zu erkennen“, so der Detektiv, der die Behörden über sein Treffen mit dem Attentäter in Kenntnis gesetzt hat.

 
 

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