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Alles auf Rollen: Bewegliche Möbel machen viel mit

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minikitchen-byjeromegalland-high-2~02c6c087-e6a0-447d-bac0-81e3701c2c6c-020.jpg Foto: HA
Tische, Betten und Regale sind mit Rollen viel praktischer und flexibler zu nutzen. Selbst Leuchten werden inzwischen kabellos mobil.

Hamburg. 

Mobilität und Anpassungsfähigkeit sind Anforderungen an das Leben unserer Zeit. Warum also nicht auch an unser Wohnumfeld? Auf die Spitze treibt es der italienische Hersteller Boffi, der die bereits in den 1960er-Jahren von Joe Colombo entworfene „Minikitchen“ auf Rollen neu aufgelegt hat und nun in dem zeitgenössischen Material Corian fertigt. Auf kleinstem Raum bietet dieser rollende Kubus drei wesentliche Funktionen: Kochmöglichkeit, Arbeitsfläche, Lagerung von Lebensmitteln im integrierten Kühlschrank und Abstellfunktion für Küchenutensilien. Einzig eine Wasserstelle fehlt.

Der Designer verordnete in den 1970er-Jahren auch dem Arbeitsalltag flexible Möbel. Er entwarf Container aus Kunststoff, die auf Rollen neben dem Schreibtisch alle Arbeitsutensilien bereithalten und unkompliziert ihre Position wechseln können. Nicht nur das Material, sondern auch die Farbgebung war eine Sensation. Gut 20 Jahre später entwickelte Antonio Citterio für den italienischen Hersteller Kartell Rollcontainer aus farbigem, transparentem Kunststoff mit großen Rollen.

Diese preisgekrönten Entwürfe schafften den Sprung in viele Wohnungen und werden dort als Designklassiker geschätzt. Weiterentwicklungen spiegeln die Notwendigkeit von hoher Mobilität besonders im Arbeitsalltag wider. Längst stellen viele Firmen ihren Mitarbeitern keine festen Schreibtische mehr zur Verfügung, sondern geben ihnen einen persönlichen Rollcontainer, der mit einem ausgeklügelten Innenleben, Stromanschluss und kleinem Stauraum Arbeiten an nahezu jedem Platz erlaubt: Mitarbeiter müssen nur noch ihre Arbeitsunterlagen zur Hand haben.

Besonders im Kinderzimmer von Vorteil

„Wir verkaufen diese Arbeitscontainer zunehmend auch an Privatpersonen, die ihr Homeoffice zeitgemäß gestalten wollen“, sagt Heiko Hoops, Innenarchitekt bei dem Hamburger Einrichtungshaus Gärtner. Mittlerweile hätten mobile Möbel im Wohnalltag einen festen Platz. „Gerade in kleinen Apartments sind mobile Möbel eine gute Möglichkeit, Platz zu sparen und trotzdem nicht auf gutes Design verzichten zu müssen“, so Hoops weiter. Ein Esstisch beispielsweise kann für eine Party dank Rollen mal schnell an die Wand geschoben werden, oder eine aufklappbare Konsole verwandelt sich im Nu zu einem Esstisch für sechs Personen. Möbelhersteller Montana setzt schon seit Langem auf Mobilität. Er bietet seine Regale, Tische und Konsolen im Baukastenprinzip an und setzt auf Wunsch statt eines festen Sockels Rollen ein. „Besonders im Kinderzimmer sind mobile Möbel hilfreich. Spielzeug in Kisten auf Rollen oder ein Spieltisch, der auch mal für die Spielzeugeisenbahn zur Seite geschoben werden kann, sind praktische Helfer“, weiß Heiko Hoops.

Praktisch sind Rollen vor allem bei schweren Möbeln, die im Bedarfsfall versetzbar sein sollen. Gerade auf einer Terrasse oder im Garten ist dies der Fall. Sonnenliegen auf Rollen sind deswegen bei vielen Herstellern mittlerweile Standard. Ein Strandkorb auf Rollen dagegen noch eine Besonderheit, aber das lässt sich mit ein wenig Geschick leicht nachrüsten. Im Baumarkt gibt es zahlreiche Möbelrollen in verschiedenen Größen, passend für diverse Zwecke: Lenkrollen, mit denen man längere, kurvige Wege zurücklegen kann, Rollen mit Feststellbremsen für schwere Möbel oder starre Bockrollen, die man nur in eine Richtung rollen kann.

Selbst die Wand steht auf Rollen

Außerordentlich hilfreich ist auch ein Sonnenschirmständer auf Rollen. Er macht problemlos jeden Positionswechsel mit. Hersteller Weishäupl hat eine Bodenplatte aus Stahl entwickelt, die auch mit Rollen bestellt werden kann. Besonders clever ist auch die mobile Lösung des Londoner Büros Chris Dyson Architects, vorgestellt auf dem Portal Houzz : Hinter einer mobilen Wand befindet sich ein Klappbett. Rollt man die Wandverkleidung zur Seite, so erscheint das Gästebett zum Herunterklappen und die Wandverkleidung mutiert zum Sichtschutz-Paravent. Auf dem Portal wird auch die Idee vorgestellt, Bücherregale auf Schienen im Boden laufen zu lassen.

Auch Leuchten führen mittlerweile ein kabelloses Leben und sind überall einsetzbar – auf Wunsch auch zwecks Lektüre unter dem Sternenhimmel. Vorgestellt wurden die LED-Leuchten „Roxxane fly“ von Hersteller Nimbus auf der diesjährigen Messe Light + Building in Frankfurt. Sie spenden unabhängig von der Stromzufuhr bis zu 100 Stunden lang zuverlässig Helligkeit – auf Wunsch auch dimmbar. Das Hauptaugenmerk liegt dabei nicht nur auf einem ansprechenden Design, sondern auch auf der Gestaltung der Ladevorgänge des dazugehörigen Akkus: „Das Aufladen unserer kabellosen Leuchten soll richtig Spaß machen“, sagt Dietrich F. Brennenstuhl, Gründer der Nimbus Group. Tisch und Stehleuchte werden zum Aufladen über ein magnetisches Ladepuck einfach an das Stromkabel angekoppelt. Über einen USB-Anschluss am Leuchtenfuß können bei Bedarf sogar noch mobile Endgeräte wie Smartphone oder Tablet-PC aufgeladen werden. Andere Leuchten der Serie sind in der Fläche magnetisch und lassen sich auch an metallischen Oberflächen fixieren – nahezu grenzenlos mobil.