Aldi, dm und Co.: Angst vor Plünderungen in der Corona-Krise? „Wir erleben derzeit...“

Corona NRW (13.3.)
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Im Netz gibt es sie bereits zuhauf: Videos, in denen sich Kunden um die letzte Packung Klopapier streiten oder gegenüber den Angestellten bei Aldi, dm und Co. ausfällig werden, weil sie nur zwei statt vier Pakete Desinfektionsmittel mitnehmen dürfen. Es zeigt: Der Ton in Zeiten des Coronavirus wird rauer.

Wie der „Spiegel“ berichtete, soll dies auch dazu geführt haben, dass immer mehr Krankenhäuser und Lebensmittelgeschäfte Security-Mitarbeiter anheuern. Um bei Reibereien eingreifen zu können und dafür zu sorgen, dass die Beschränkungen bestimmter Güter auch eingehalten werden. Wir haben bei den großen Ketten und einigen Krankenhäusern in der Region angefragt: Wie groß ist die Angst vor Auseinandersetzungen?

Coronavirus: Müssen wir uns an Security bei Aldi, dm und Co. gewöhnen?

Bereits jetzt haben einige Supermärkte bestimmte Waren beschränkt. Hauptsächlich geht es um Klopapier, Küchenrolle, Nudel oder Hefe. Auch in einigen Krankenhäusern herrscht bereits striktes Besuchsverbot oder Patienten dürfen nur noch allein in die Notaufnahme kommen. Das Coronavirus hat nahezu alle Lebensbereiche fest im Griff.

Doch wie wird sichergestellt, dass sich auch alle Menschen an die neuen Regelungen halten? Glaubt man dem Bericht im „Spiegel“ sorgen Krankenhäuser und Supermärkte mit Security-Personal vor. Ein Anblick, an den wir uns also bald gewöhnen müssen?

Bei Lidl gibt es bereits Unterstützung durch externe Sicherheitsdienstleister in vielen Filialen. Sie sollen „für einen geordneten Ablauf und ungestörten Einkauf sorgen“. Bislang gebe es keine Beschränkung von Lebensmitteln und man rufe zu Besonnenheit auf. Kurzfristig sollen Plexiglasscheiben als Schutz an den Kassen installiert werden.

Die anderen großen Supermärkte vermeiden es, klar Stellung zu beziehen, was den Einsatz von Sicherheitspersonal angeht. Man setze auf das Verständnis der Kunden und bitte um Solidarität und Respekt, lässt Edeka auf DER WESTEN-Nachfrage vermelden. Kunden würden gebeten, genügend Abstand zu Personal und anderen Einkäufern zu halten. Man versuche „individuelle und pragmatische“ Lösungen zu finden.

Ähnlich wage bewegen sich Aldi Nord und Aldi Süd in ihren Antworten. Derzeit würden in vielen Aldi-Süd-Filialen „Plexiglasscheiben an den Kassen installiert“. Zudem prüfe man „weiterhin intensiv weitergehende Möglichkeiten und Schutzelemente“. Zur Einhaltung der Abstandregelungen gebe es Klebestreifen in den Kassenbereichen.

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Dm prüft Einsatz von Security-Diensten

Bei Aldi-Nord sollen Mitarbeiter Kunden ansprechen, deren Warenkörbe über die haushaltsübliche Menge hinausgehen. Alle Maßnahmen würden in enger Abstimmung mit den Behörden betroffen. Die Frage, ob zur Einhaltung der Regelungen auch der Einsatz von Sicherheitsdienst-Mitarbeitern vorstellbar sei, bleibt unbeantwortet. Wesentlich konkreter wird dort der Drogeriemarkt dm.

Christoph Werner, Vorsitzender der dm-Geschäftsführung erklärt: „Wir erleben derzeit eine Ausnahmesituation, in der es auch in unseren dm-Märkten zu Diskussionen kommen kann.“ Die meisten Kunden würden dabei „Verständnis und Anerkennung gegenüber unseren Kolleginnen und Kollegen zeigen“, wodurch Konflikte häufig in einem ruhigen Gespräch geklärt werden könnten.

Dennoch prüfe man aktuell die Option, „an einzelnen dm-Märkten Sicherheitsleute einzusetzen, auch um beispielsweise die Auflage der zuständigen Behörden – nicht zu viele Kunden gleichzeitig einkaufen zu lassen, sondern ein geordnetes Betreten in unsere dm-Märkte zu ermöglichen – gewährleisten zu können.“

Die Frage, wie man sich konkret auf den unwahrscheinlichen Fall von Plünderungen vorbereite, bleibt bei allen angefragten Ketten unbeantwortet.

Kliniken geben sich gelassen

Neben Supermärkten bereiten sich laut „Spiegel“ auch Kliniken mit Sicherheitspersonal auf mögliche Handgreiflichkeiten vor. Deswegen hat DER WESTEN in einigen Kliniken der Region nachgefragt, ob es zum Einsatz von Security-Mitarbeitern kommen könnte.

Im Universitätsklinikum in Essen herrscht seit dieser Woche ein generelles Besuchsverbot. Für größere Konflikte habe die Maßnahme nicht gesorgt: „Natürlich wollen Besucher immer ihre kranken Angehörigen sehen, das ist ja auch ein verständlicher Wunsch. Es gibt aber generell großes Verständnis und hohe Bereitschaft für das Besuchsverbot“, erklärt Sprecher Thorsten Schabelon. Schilder in fünf Sprachen weisen auf das Verbot hin. Ausnahmen gelten für die Kinderklinik, die Palliativstation und die Blutspende. Der Geländedienst, der auch für die Sicherheit zuständig ist, musste bislang nicht aufgestockt werden.

In der Zentralen Notaufnahme Nord gibt es einen Mitarbeiter von einer Security-Firma, der jedoch bereits schon vor Auftreten des Coronavirus eingestellt wurde. Bedarfsgegenstände wie Atemmasken und Desinfektionsmittel werden stärker überwacht. „Als die ersten Coronavirus-Fälle auftraten, haben wir dort wesentlich mehr gesichert. Es gibt keine offenen Türen mehr, außerdem kontrolliert der Geländedienst regelmäßig die Lager“, so der Sprecher.

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Besucher zeigen Verständnis

Ähnlich verständnisvoll bewertet auch Thomas Kalhöfer das Auftreten der Besucher in den Kliniken der Contilia-Gruppe. Sie betreibt neun Krankenhäuser in Essen und Mülheim. Auch er erlebe in den Einrichtungen „ein großes Maß an Verständnis und Solidarität. Sowohl auf Seiten unserer Mitarbeitenden, als auch bei Patienten, Bewohnern und deren Angehörigen.“

Das Besuchsverbot sei „Maßnahmen von der großen Mehrheit unserer Patienten sowie Bewohner und deren Angehörigen als wichtige Schutzmaßnahme verstanden und akzeptiert“ worden. Wichtig sei ein steter Informationsfluss, um Menschen die entsprechenden Maßnahmen zu verdeutlichen.

Bislang sind Supermärkte und Kliniken also eher entspannt wenn es um das Thema Sicherheitspersonal geht. Angst vor Handgreiflichkeiten oder gar Plünderungen hat zur Zeit noch niemand. Sollten die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus jedoch weiter verschärft werden wird sich wohl zeigen, ob dann auch Security-Mitarbeiter ihre Einhaltung kontrollieren könnten.

 
 

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