Verdeckter Ermittler erwischt Mann in flagranti – und weiß noch nicht, mit wem er es zu tun hat

Ein CSU-Politiker soll am Ansbacher Hauptbahnhof versucht haben, Drogen zu kaufen. (Symbolbild)
Ein CSU-Politiker soll am Ansbacher Hauptbahnhof versucht haben, Drogen zu kaufen. (Symbolbild)
Foto: Rüdiger Wölk / imago/Rüdiger Wölk
  • Ein CSU-Lokalpolitiker soll am Ansbacher Hauptbahnhof versucht haben, Kokain zu kaufen
  • Dabei ging er einem versteckten Ermittler ins Netz
  • Der Politiker arbeitet selbst bei der Kriminalpolizei

Ansbach.  Er wurde auf frischer Tat ertappt: Ein CSU-Politiker soll am Ansbacher Hauptbahnhof beim Versuch, Kokain zu kaufen, festgenommen worden sein – weil sich der vermeintliche Dealer als verdeckter Ermittler entpuppte. Davon berichtet die Münchner „Abendzeitung“.

Für die CSU sitze Christian A. im Gemeinderat. Zudem sei er der Vorsitzende für den Ortsverband Sachsen bei Ansbach sowie dritter Bürgermeister. Der Verdacht, dass er Drogen konsumiere, bestünde laut „Abendzeitung“ schon länger.

CSU-Politiker arbeitet selbst bei der Kriminalpolizei

Besonders pikant: Der 42-jährige Lokalpolitiker soll zudem selbst bei der Kriminalpolizei Ansbach tätig sein. Wie die Zeitung schreibt, sei er im K1 für Kapitalverbrechen zuständig. Aufgrund einer Krankschreibung, die unmittelbar nach seinem missglückten Drogenkauf erfolgt sein soll, könne er seiner Arbeit derzeit jedoch nicht nachgehen. Dieser Umstand habe ihn möglicherweise vor einer Suspendierung bewahrt.

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Als Grund für die Krankschreibung führe A. eine traumatische Belastungsstörung an. Eine Sprecherin des Polizeipräsidiums erklärte gegenüber der „Abendzeitung“, dass man momentan nicht über eine Suspendierung nachdenke: „Wir warten das Ergebnis der Ermittlungen ab und entscheiden über eventuelle Maßnahmen im Einzelfall.“

A. führt Trauma auf Fall zurück, an dem er gar nicht beteiligt war

Mitleid für seine Erkrankung kann A. in seiner Heimatgemeinde Sachsen nicht ernten. Im Bekanntenkreis soll er herumerzählt haben, dass er traumatisiert sei, seit er im Rahmen seiner Arbeit bei der Kriminalpolizei drei ermordete Kinder und ihre Mutter sehen musste.

Damit habe er auf ein Familiendrama angespielt, dass sich Ende Juni in Gunzenhausen ereignete – eine 29-Jährige und ihre drei, sieben und neun Jahre alten Kinder waren tot in ihrer Wohnung entdeckt worden. Aus Behördenkreisen sei der „Abendzeitung“ allerdings bestätigt worden, dass A. mit diesem Fall, der angeblich sein Trauma auslöste, gar nicht in Berührung gekommen ist.

Bleibt A. in der Politik?

Unklar ist auch, was aus A.s politischer Karriere wird. Die „Bild“ hat mit Sachsens Ersten Bürgermeister Hilmar Müller (Freie Wähler) über den Fall gesprochen. Ob A. bei einer Verurteilung wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetzes seine Ämter behalten könne, müsse noch „geprüft werden“. (raer)

 
 

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