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Vater macht Jungen zu Amerikas bekanntester Prinzessin

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Foto: istock
Der kleine Caiden (3) möchte so gerne als Disney-Prinzessin gehen: Die Reaktion seines Vaters auf den Wunsch zu Halloween macht beide zu Medienstars.

Chesapeake. 

Das Bild des kleinen Caiden ist mehr als nur eine nette Episode im schnellebigen Internet-Alltag mit zahlreichen Sternchen. Der Junge im Prinzessinnenkostüm setzt sich über klassische Rollebilder von Jungen und Mädchen hinweg. Gleichzeitig bestätigt Caiden aus dem US-Bundesstaat Virginia auch noch unbewusst, was Berliner Forscher in dieser Woche bekannt gaben.

Auf dem Bild, dass Paul Henson, der Vater von Caiden, auf Facebook gepostet hat, sieht man einen blonden Jungen, der dem Betrachter die Zunge herausstreckt. Er wirkt wie der typische freche Junge, der die Nachbarschaft in Atem hält. Doch Caiden trägt keine Latzhose und kein T-Shirt mit Superhelden-Aufdruck. Er trägt ein hellblaues Kleid. Es ist das Outfit der Disney-Figur Elsa aus dem Film „Die Eiskönigin“. Der junge Amerikaner träumt davon, dieses Kostüm zum Halloween-Fest am 31. Oktober zu tragen. Paul Hensons Reaktion auf den Wunsch des Sohnes scheint nicht lange auf sich gewartet zu haben. Henson bestärkt seinen Sohn nicht nur, er stellt ein Foto von Caiden auf Facebook online.

„Bleibt bei eurem maskulinen Mist“

Der Beitrag wird binnen weniger Tage über 25.000 Mal geteilt, englischsprachige Fernsehsender und Zeitungen von MTV bis hin zur Daily Mail berichten über den Jungen und seinen offensichtlich stolzen Vater. Dieser stellt zu dem Foto auf Facebook einen eindringlichen Text, der sich frei übersetzt so liest: „Bleibt ihr bei eurem maskulinen Mist und den ordinären Kinderkostümen. An Halloween geht es aber um Kinder, die sich als ihre Lieblingsfiguren verkleiden. Und diese Woche ist seine [Caidens Anm. d. Red.] eine Prinzessin.“

Zahlreiche Facebook-Nutzer gratulieren Henson zu seiner Entscheidung, schicken ihm sogar Bilder von den eigenen Söhnen, die nun auch eine Verkleidung als Prinzessin anstreben. Eine Firma, die Themenpartys im Stil der Disney-Vorlage „Die Eiskönigin“ veranstaltet, verspricht ein eigenes Video für Caiden zu produzieren und ihm damit ein ganz besonderes Geschenk zu machen.

Berliner Studie analysiert T-Shirts auf Rollenbilder

Mit seinem Facebook-Beitrag trifft Paul Henson unbewusst das, was die Professorinnen Sabine Hark und Petra Lucht von der Technischen Universität Berlin jüngst herausgefunden haben. Gemeinsam mit ihren Studenten haben sie für ein Studienprojekt 500 Aufschriften auf Kinder-T-Shirts untersucht und dabei herausgefunden, dass die Aufdrucke ganz klare Rollenbilder vertreten. Jungen dürften demnach nur „wild“ und „cool“ sein, Mädchen hingegen „süß“ und „niedlich“ sein. „Männer dürfen gar nicht ‘süß’ sein, solange es die geschlechtsbezogenen Rollenbilder nicht vorsehen. Geschlechterstereotype – das sieht man sehr eindrücklich an den T-Shirt-Sprüchen – werden uns übergestreift wie eine zweite Haut“, schreibt Petra Lucht, Soziologin an der TU, in einer Mitteilung zu der Studie.

„Geschlechterstereotype haben negative Auswirkungen auf schulische Leistungen und die Identitätsfindung von Kindern und Jugendlichen – sowohl von Mädchen als auch von Jungen“, sagt Petra Lucht unserer Redaktion. Diese Stereotypen und damit negative Auswirkungen aufzubrechen, sei nur schwer möglich. Diese Entwicklung sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Aus meiner Sicht stehen hier alle Beteiligten, also z.B. Konsumenten und Konsumentinnen, Eltern, Erziehungspersonen und eben auch Hersteller von Kinderkleidung und Kinderspielzeug, in der Mitverantwortung“, sagt Lucht mit Blick auf das eigene Studienprojekt.

Ob Caiden in seinem Kleiderschrank auch T-Shirts mit den Aufschriften „wild“, „verrückt“ oder stark“ hängen hat, ist nicht bekannt. Fest steht aber, dass nun ein Kleid hinzukommen wird. Und damit ist er nicht der einzige Mann in der Familie, der an Halloween im Kleid zu sehen sein wird: sein Vater Paul hat zugesagt, als Anna zu gehen, Elsas Schwester aus dem Film „Die Eiskönigin“.