US-Priester sollen mehr als 1000 Kinder vergewaltigt haben

Opfer des sexuellen Missbrauchs durch US-Priester bei einer Pressekonferenz.
Opfer des sexuellen Missbrauchs durch US-Priester bei einer Pressekonferenz.
Foto: Matt Rourke / dpa
Hunderte Priester im US-Bundesstaat Pennsylvania stehen im Verdacht, über 1000 Kinder sexuell missbraucht zu haben. Über Jahrzehnte.

Harrisburg.  Ermittlungsbehörden im US-Bundesstaat Pennsylvania haben erschütternde Details über das Ausmaß von sexuellem Missbrauch und dessen Vertuschung in der katholischen Kirche der USA ans Licht gebracht. Die Behörden beschuldigen mehr als 300 namentlich genannte katholische Priester, sich des sexuellen Missbrauchs von Kindern schuldig gemacht zu haben. Die Taten erstrecken sich über einen Zeitraum von 70 Jahren und auf das Gebiet von sechs der acht Diözesen im Bundesstaat Pennsylvania.

Generalstaatsanwalt Josh Shapiro, der die bisherigen Ermittlungsergebnisse am Dienstag vorstellte, geht von mehr als 1000 Opfern aus. Er glaube, dass viele Opfer sich nicht gemeldet hätten. Shapiro sprach von einer „jahrzehntelangen Vertuschung“ durch ranghohe Kirchenobere in Pennsylvania und im Vatikan.

Der 1356 Seiten lange Bericht, der viele Namen nennt, wurde von einem Geschworenengericht erstellt, das seit 2016 Missbrauchsbeschuldigungen untersucht. Der Bericht prangert umfangreiche Vertuschungsmaßnahmen von Kirchenoberen an. Wegen des Verheimlichens sei es heute „in beinahe jedem entdeckten Missbrauchsfall zu spät“ für einen Strafprozess.

Kritik an Veröffentlichung der Namen

Anfang August hat der Bischof einer der betroffenen Diözesen, Ronald Gainer aus Harrisburg, Namen von 71 Priestern veröffentlicht, die dort seit den 40er Jahren des sexuellen Missbrauchs von Kindern beschuldigt worden waren. Gainer ordnete an, die Namen aller seit 1947 amtierenden Bischöfe von kirchlichen Gebäuden zu entfernen. Die Bischöfe hätten nicht genug gegen Missbrauch getan, erklärte er.

Im Fernsehsender CBS kamen jüngst mehrere Opfer zu Wort. Sie seien an katholischen Schulen von einem Priester missbraucht worden, erklärten Juliann Bortz und Mary McHale. Ihr Peiniger habe ihr gesagt, dass er tun könne, was er wolle, sagte McHale. Sie habe ihm geglaubt. „Alles, was ich geglaubt habe, starb“, erklärte Bortz. Oft werde von Missbrauch gesprochen. In Wahrheit müsse man von Vergewaltigungen sprechen.

Der Präsident des konservativen Verbandes Catholic League kritisierte die Veröffentlichung von Priesternamen. Der Bericht bediene das „lüsterne Interesse der Öffentlichkeit“, sagte Bill Donohue. Viele der beschuldigten Priester seien tot und hätten sich nie verteidigen dürfen.

Ex-Bischof von Washington steht aktuell im Fokus

Opfer des Missbrauchs von Priestern gehen in den USA seit den 80er Jahren an die Öffentlichkeit. In einer von den Bischöfen in Auftrag gegebenen Studie befand die Forschungseinrichtung John Jay College of Criminal Justice 2004, dass zwischen 1950 und 2002 4392 katholische Priester in den USA oder vier Prozent aller Priester des Missbrauchs von Kindern und Teenagern unter 18 Jahren beschuldigt worden seien. Wiedergutmachungszahlungen von Diözesen an Opfer sowie Anwaltskosten belaufen sich nach Schätzungen auf mehrere Milliarden Dollar.

In der US-Hauptstadt sorgen gegenwärtig Vorwürfe gegen den früheren Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick, für Aufsehen. Dem 88-Jährigen werden angeblich jahrzehntelange homosexuelle Beziehungen zu Erwachsenen und Jugendlichen vorgeworfen. Ende Juli hat Papst Franziskus McCarricks Rücktritt vom Kardinalsamt angenommen und diesem befohlen, ein Leben in Gebet und Buße zu führen. (dpa/epd)

 
 

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