Urlaub unterm eigenen Dach

Taugt das was? Ein älteres Ehepaar informiert sich über Vorzelte für Wohnwagen. Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool
Taugt das was? Ein älteres Ehepaar informiert sich über Vorzelte für Wohnwagen. Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Auf der Messe „Reise und Camping“ kann man bis einschließlich Sonntag, 26. Februar, sehen, was es Neues auf dem Urlaubsmarkt gibt. Ausgestellt werden neben Zelten, Caravans und Reisemobilen, auch Ausrüstung und Zubehör. Das Reiseland Deutschland präsentiert sich, ebenso wie der Internationale Tourismus.

Essen. Wer am liebsten auf seiner eigenen Matratze schläft, der bleibt im Urlaub am besten zuhause. Doch mit diesem Slogan wird kein Wohnwagen- oder Zelthersteller werben. Auf der „Reise und Camping“ in den Essener Messehallen erfahren die Besucher, wie komfortabel es mittlerweile ist, wenn man das eigene Bett einfach mit auf Reisen nimmt – und sei es nur die Luftmatratze. Das Geschäft mit den Möbeln auf Rädern boomt.

Campingplätze mit Swimmingpool-Ausmaßen wie im Robinson Club, Wohnwagen mit Dunstabzugshaube und Dusche, Wohnmobile sogar mit Whirlpool. Das alles kann der moderne Camper bekommen, wenn er erstens keinen Igel in der Tasche hat und zweitens die Heringe Heringe sein lässt und das bodenständige Zelten endlich an den Nagel hängt. Obwohl es sie noch gibt, die Einsteiger-Iglus für 50 Euro und die Hauszelte, bei denen die Betonung auf Haus liegt, und für die man locker anderthalbtausend Euro locker machen muss.

Aber: Wer in jungen Jahren mit einer Plastik- oder Baumwollplane an Stangen angefüttert wurde, der steigt spätestens mit 30 um. Oder wenn er das erste Mal bei Sturm und Regen aus dem Schlafsack krabbeln musste, um mit dem Klappspaten Entwässerungsgräben zu ziehen. In solchen Situationen beweist sich übrigens auch die Nützlichkeit von Luftmatratzen, die ja bei Seenot gleichzeitig Rettungsinseln sind.

Das Geld reicht endlich für ein Wohnmobil

Die Pressesprecherin des Deutschen Camping Clubs (DCC), Viktoria Groß, teilt den Lebenslauf eines Campers in exakt vier Abschnitte auf: Mit dem Zelt geht es los, und dann kommt auch schon die Abgewöhnungs-Phase zwischen 20 und 30 – in der Camper wohl auf die Suche nach ihresgleichen gehen und Nester bauen. Die sind bekanntlich immer stationär. Erst wenn die Kinder flügge sind, folgt Phase drei, aber diesmal nicht mehr mit dem Zelt, sondern etwas gemütlicher mit dem Wohnwagen. In Phase vier sind die Kinder aus dem Haus, und das Geld reicht endlich für ein Wohnmobil.

„Von der Krise kann keine Rede sein“, analysiert Viktoria Groß. „Die Umsatzzahlen bei deutschen Wohnwagen und Reisemobilen haben im vergangenen Jahr um 25 Prozent zugelegt, auf fast 5,8 Milliarden Euro.“ Die Spezies Camper sei weniger krisenanfällig, weil sehr solide, quasi von Natur aus. Jemand, der spart, um sich was Eigenes zuzulegen, um dann im Urlaub wieder sparen zu können. Der sich statt Hedge Fonds-Aktien lieber einen Hänger zulegt. Letzteren gibt’s – klappbar oder nicht – schon für 8000 Euro. Durchschnittlich legt der Deutsche 16 000 Euro für ein Dach mit Deichsel auf den Tisch. Der rollende Rentner darf nicht alles Geld in Eis für seine Enkel investieren: Mit 60 000 Euro ist er durchschnittlich für sein Wohnmobil dabei, wenn man dem DCC Glauben schenkt und nicht all den Wirtschaftsweisen mit ihren Erkenntnissen: von wegen Armut im Alter.

Ein „Naturistenparadies an der Sechs-Seen-Platte“

Auf der „Reise und Camping“ erfährt der Interessierte auch, dass er zwar von zuhause weg muss, wenn er mit dem Zweit-Zuhause verreisen will. Aber es muss ja nicht weit sein. Schon gar nicht Südfrankreich oder die Costa Brava. Klammern wir das Wetter einfach mal aus, ist es bestimmt auch in Ostfriesland mit all seinen Campingplätzen schön, oder an der Ostsee. Immer noch zu weit? Dann fahren Sie doch zum Campingpark Hennesee im Hochsauerland. Dort gibt es alles, was Sie zu Hause haben, vielleicht sogar noch mehr. Hallenbad, Sauna, Solarium und sogar Elektroautos.

Für Kilometer-Hasser legen wir noch eins drauf: Urlaub beim LBN in Duisburg. Auch der LBN macht Werbung auf der Reise und Camping. Dabei handelt es sich um den 1400 Mitglieder starken Lichtbund Niederrhein. Er betreibt auf über 150 000 Quadratmetern ein „Naturistenparadies an der Sechs-Seen-Platte“. Das hat einen äußerst praktischen und unübersehbaren Vorteil: Sie brauchen nicht einmal eine Badehose einzupacken.

 
 

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