Unwetter auf allen Kontinenten

Oliver Stöwing

Nord-England versinkt im Regen. Und auch Australien leidet unter Überschwemmungen. Im sonst so warmen US-Bundesstaat New Mexico herrscht Schneenotstand. In Indonesien und Kolumbien wüten Waldbrände als Folge von Trockenheit. Das Islandtief soll am Nordpol für Temperaturen bis zu vier Grad plus sorgen. Normal sind dort im Winter minus 40 Grad. Wir erleben ein Jahresende der Wetterextreme. Oder erscheint es uns nur so, weil eigentlich nicht die Zahl der Überschwemmungen, sondern vor allem die Informationsflut zugenommen hat?

„El Niño“ stark wie nie

„Wetterextreme häufen sich tatsächlich“, ist sich Meteorologe Prof. Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel sicher. Viele der derzeitigen Erscheinungen schreibt er dem Wetterphänomen „El Niño“ zu. „‚El Niño‘ hat viele verschiedene Auswirkungen auf das Klima, besonders in Amerika, aber auch in Südostasien und Afrika.“ Auf Europa habe „El Niño“ weniger Auswirkungen, normalerweise werde es dadurch bei uns etwas kälter. Der jetzige „El Niño“ sei der stärkste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor gut 150 Jahren. Nur der „El Niño“ in den Wintern 1982/83 und 1997/98 sei ähnlich stark ausgefallen. Prof. Latif hält es für wahrscheinlich, dass die globale Klimaerwärmung auch „El Niño“ beeinflusst und ihn zukünftig kräftiger ausfallen lässt. „Dann könnte Europa stärker von Trockenheit betroffen sein.“

Das gegenwärtige Hochwasser in England ist kein „El Niño“-Phänomen, sondern nach Meinung von Latif der Klimaerwärmung geschuldet. „Dadurch verdunstet mehr Wasser in den Ozeanen, das in den Kreislauf gerät.“ In den Hochwassergebieten bleibt die Lage angespannt. Weite Teile Nordenglands stehen nach wie vor unter Wasser. Der bisherige Schaden wurde auf über zwei Milliarden Euro geschätzt. Premierminister David Cameron will nun prüfen, ob man zur Vorbeugung verstärkt Dämme bauen will.

Überschwemmungen auch im Norden Australiens: Hubschrauber retteten mindestens 500 Menschen aus der abgelegenen Ortschaft Daly River bei Darwin. Im Süden dagegen zerstörten Buschbrände 116 Häuser.

In Nordspanien wüteten 130 Waldbrände, besonders schlimm war die Lage in Kantabrien und im Baskenland. Waldbrände sind dort im Dezember selten, ein warmer Herbst und wenig Regen hatten sie jedoch begünstigt.

Ungewöhnlich Trockenes und windstilles Wetter in Italien führte zu Smoglage mit Fahrverboten in Städten wie Mailand oder Rom. Italiens Umweltminister Gian Luca Galletti warnte: „Der Smognotstand könnte noch einige Zeit andauern und auch in Zukunft viel häufiger auftreten.“

Brände in Kolumbien zerstörten laut Feuerwehr mindestens 300 Hektar Wald. Die Flammen wüten seit Tagen. In Paraguay dagegen brachte „El Niño“ Überschwemmungen: Stadtteile der Hauptstadt Asunción versanken im Schlamm, 140.000 Menschen mussten fliehen.

Chaos auch in den USA: In den vergangenen Tagen kamen mindestens 43 Menschen durch Unwetter ums Leben. In New Mexico und Texas wurde der Schneenotstand ausgerufen. Zu Weihnachten hatten Tornados und Regen in Staaten wie Mississippi, Tennessee und Arkansas gewütet.

„El Niño“ dauert noch bis Frühjahr an, sagt Latif. Die Folgen der Klimaerwärmung dagegen seien nicht absehbar.