Schleierverbot an Universität Kiel: Studentin wehrt sich – und bekommt zweifelhafte Unterstützung

Katharina K. will sich gegen das Schleier-Verbot an der Uni Kiel zur Wehr setzen. (Symbolbild)
Katharina K. will sich gegen das Schleier-Verbot an der Uni Kiel zur Wehr setzen. (Symbolbild)
Foto: Boris Roessler/dpa

Kiel. Vollverschleierung ist im Hörsaal der Universität Kiel verboten.

Zwischen der Uni und Studentin Katharina K. war ein Streit entbrannt, ob die Muslima ihren Nikab in Lehrveranstaltungen an der Uni tragen darf oder nicht.

Streit zwischen Universität Kiel und muslimischer Studentin

Das hatte die Universität Kiel der Studentin nämlich untersagt. Dagegen will sie sich zur Wehr setzen und hat sich in einem Interview mit „t-online“ jetzt zu Wort gemeldet. Doch ihre Verbindungen in die Salafistenszene werfen Fragen auf.

Denn Unterstützung bekommt Katharina K. von der Föderalen Islamischen Union. Dahinter steckt ein Verein, der vom niedersächsichen Verfassungsschutz dem politischen Salafismus zugeordnet wird. Der Verein wurde Ende 2017 gegründet. Es existiert eine Facebook-Seite und ein Youtube-Kanal.

Marcel Krass, der im letzten Jahr aus NRW nach Niedersachsen gezogen war, hatte den Verein gemeinsam mit Dennis Rathkamp gegründet. Krass soll mit Predigern wie Pierre Vogel oder Sven Lau enge Verbindungen unterhalten. Auch zu einem Attentäter vom 11. September 2001 auf die World Trade Center soll er Kontakt gehabt haben.

Muslimische Studentin sieht kein Problem mit Salafisten-Verbindungen

Für die muslimische Studentin kein Problem: „Diese Auffassung des Verfassungsschutzes teile ich nicht. Und noch dazu herrscht eine Diskrepanz zwischen dem, was die Allgemeinheit unter dem dämonisierten Begriff Salafismus versteht und was Muslime darunter verstehen“, sagt sie. Anwälte des Vereins, der sich laut ihrer Aussage für diskriminierte Muslime einsetzt, unterstützen sie in ihrem Kampf.

Den will sie konsequent führen. „Ich möchte ein klares Statement setzen, dass man zu Diskriminierung nicht schweigen sollte“, so Katharina K.. „Ich werde den Nikab nicht abnehmen, auch wenn ich derzeit daran gehindert werde, weiterhin zur Uni zu gehen.“

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Bei Suche nach Sinn des Lebens beim Islam gelandet

Katharina K. ist laut eigener Aussage vor dem Abitur zum Islam konvertiert. Sie habe festgestellt, dass der Islam ihre Fragen zum Sinn des Lebens beantwortet. „Warum sind wir hier, was ist der Sinn des Lebens, was ist unsere Aufgabe, wo komme ich her, wo gehe ich hin und was ist nach dem Tod. Das sind Fragen, die sich jeder Mensch stellt. Nun habe ich rational und spirituell befriedigende Antworten.“

Mit 17 habe sie ihren Glauben gewechselt, zunächst das Kopftuch als Zeichen der Unterdrückung noch abgelehnt. „Meine Einstellung hat sich nach der Konversion geändert. Ich habe nicht mehr blind angenommen, was mir über den Islam erzählt wurde sondern selber recherchiert und den tieferen Sinn hinter allem verstanden.“

Sie sei bereits vor ihrer Konversion gläubig gewesen, habe jedoch den Konfirmandenunterricht abgebrochen, weil sie dort ihre Fragen zu Gott und dem Sinn des Lebens nicht beantwortet sah.

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„Ich stehe zum Nikab, egal was kommt“

Sie berichtet, dass sie sich in der Universität wohler fühle als auf der Straße. Denn sie werde immer wieder angefeindet. „Meistens werde ich von älteren Menschen beleidigt, die sich darüber aufregen. Die sagen dann, das geht nicht, wir sind doch in Deutschland. Ich werde als Islamistin verunglimpft“, erzählt sie im Interview mit „t-online“.

„Das schlimmste war, als mir eine Frau mitten auf der Straße ins Gesicht schrie. Ich bin ganz normal in einer Shopping-Passage gelaufen, als eine Unbekannte mir ganz nah kam. Aber ich stehe zum Nikab, egal was kommt.“

Uni blockt ab

Katharina K. sieht im Handeln der Uni einen Verstoß gegen das Grundgesetz. Die deutsche Studentin der Ernährungswissenschaften hatte eine Botanik-Vorlesung besucht. Ein Dozent wollte nicht, dass seine Studentin in Nikab seinen Unterricht besucht und meldete das der Hochschulleitung, die daraufhin die Vollverschleierung in Uni-Gebäuden verbot.

Noch hofft Katharina K. auf eine außergerichtliche Einigung mit der Kieler Universität: „Wenn es nur um die Kommunikationshürde gehen würde, könnten wir schnell eine Einigung finden. Es steht jetzt noch ein Termin mit dem Präsidium und dem AStA aus. Von der Uni kommt momentan gar nichts. Sie sagen einfach nur, dass sie zu dem Verbot stehen.“ (ms)

 
 

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