Migrationspakt: Umstrittener UN-Pakt in Marrakesch angenommen

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist derzeit in Marrakesch. Am Montag wollen mehr als 150 Mitgliedsstaaten der UN den Migrationspakt annehmen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist derzeit in Marrakesch. Am Montag wollen mehr als 150 Mitgliedsstaaten der UN den Migrationspakt annehmen.
Foto: dpa

Marrakesch. Nach heftigen Diskussionen in den vergangenen Wochen auch in Deutschland ist der UN-Migrationspakt bei einer internationalen Konferenz in Marokko angenommen worden. Nasser Bourita, Präsident der Konferenz, verkündete die Verabschiedung des bereits ausgehandelten Dokuments zur besseren Bewältigung der weltweiten Migration am Montag in Marrakesch.

Bei der Konferenz hält auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Rede. Sie reiste neben UN-Generalsekretär Antonio Guterres und einigen europäischen Regierungschefs als prominentester Gast an.

Migrationspakt: Bots machen Stimmung in Sozialen Netzwerken

Kurz vor dem Start des Gipfels in Marrakesch irritiert eine Studie des Berliner Startup-Unternehmens botswatch: Dieser Studie zufolge sind mehr als ein Viertel aller Tweets zum Migrationspakt (28 Prozent) auf Social Bots zurückzuführen, wie die Tageszeitung „Die Welt“ am Montag berichtet.

Den Analysten zufolge sei der Durchschnitt bei politischen Diskussionen sonst etwa um die Hälfte niedriger (10 bis 15 Prozent).

Social Bots sind in sozialen Netzwerken agierende Computerprogramme, die sich als reale Menschen tarnen. Für ihre Studie zum Migrationspakt habe Botswatch rund 800.000 Tweets untersucht, die zwischen dem 24. November und dem 2. Dezember veröffentlicht wurden.

Die politische Debatte in Deutschland zum Migrationspakt hatte die AfD entfacht. Letztlich stellte sich der Bundestag mehrheitlich hinter die Vereinbarung. Auch der CDU-Parteitag nahm einen Antrag des Bundesvorstandes zum Migrationspakt mit großer Mehrheit an.

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UN-Generalversammlung muss Migrationspakt im Januar billigen

Der UN-Migrationspakt ist die erste Vereinbarung zu globalen Leitlinien der Migration. Auf seiner Basis soll die internationale Zusammenarbeit verbessert werden, um stärker gegen illegale und ungeordnete Migration vorzugehen und Migration sicherer für die Menschen zu machen. Das Papier ist rechtlich nicht bindend und soll seine Kraft - wie schon bei anderen Abkommen - über die politische Absichtserklärung seiner Mitglieder entfalten.

Es muss nach der Annahme in Marrakesch noch von der UN-Generalversammlung im Januar förmlich gebilligt werden.

Merkel wollte mit ihrer Reise nach Marrakesch unterstreichen, wie wichtig der Pakt aus Sicht der Bundesregierung ist - zumal Deutschland ein wichtiges Zielland für Migranten ist und ein Interesse an der Bekämpfung illegaler Einreisen hat. Dass es der Staatengemeinschaft zum ersten Mal gelungen ist, sich auf einen Pakt für Migration zu verständigen, wird von der Kanzlerin als Riesenfortschritt gesehen.

Zahlreiche Länder lehnten Migrationspakt schon im Vorfeld ab

Obwohl das Dokument ausdrücklich die geltende Souveränität der Mitgliedstaaten betont, fürchten einige Länder um ihre nationale Entscheidungshoheit. Mehrere Regierungen haben das Papier schon im Vorfeld abgelehnt - darunter jene in Ungarn, Österreich, Polen, Tschechien, Bulgarien, Australien, der Slowakei und Israel. In Belgien zerbrach im Streit über den Migrationspakt die Koalition.

In Deutschland hatte die AfD eine Debatte über das Thema entfacht. Letztlich stellte sich der Bundestag mehrheitlich hinter die Vereinbarung. Auch der CDU-Parteitag nahm einen Antrag des Bundesvorstandes zum Migrationspakt mit großer Mehrheit an.

Die UN-Sonderbeauftragte für Migration und Generalsekretärin der Konferenz, Louise Arbour, äußerte kurz vor Beginn der Tagung ihre Enttäuschung über den Widerstand einiger Staaten: „Es ist besonders bedauerlich, wenn sich ein Staat aus einem ausgehandelten Abkommen zurückzieht, an dem er kurz zuvor aktiv teilgenommen hat.“ Zudem sei es erstaunlich, wie viele Falschinformationen über den Pakt im Umlauf seien.

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Von Marokko: 60.000 Menschen nach Europa

Bei ihrem Treffen mit dem marokkanischen Ministerpräsidenten Saad Eddine El Othmani hatte Kanzlerin Merkel mit ihm auch über die Migrationspolitik geredet. Merkel wollte mit Othmani zudem über marokkanische Forderungen nach mehr europäischer Unterstützung beim Umgang mit Migranten diskutieren.

Ein wichtiger Punkt in den bilateralen Beziehungen ist zurzeit auch die Rückführung abgelehnter Asylbewerber aus Deutschland in das nordafrikanische Land.

Marokko hat in diesem Jahr Libyen als wichtigsten Abfahrtsort illegal nach Europa übersetzender Migranten überholt. Von dort kamen rund 60.000 dieser Menschen nach Europa, die meisten gingen in Spanien an Land.

UN-Mitgliedsstaaten: Weiterer Pakt für bessere Gesundheitsversorgung

Migranten sind nach der Definition der Internationalen Organisation für Migration (IOM) alle Menschen, die ihren Wohnort verlassen - egal aus welchen Gründen, egal wie lange und egal ob freiwillig oder unfreiwillig. Die UN zählte 2017 weltweit 258 Millionen Migranten.

Parallel zum Migrationspakt haben die UN-Mitgliedstaaten einen „Globalen Pakt für Flüchtlinge“ erarbeitet. Er soll sicherstellen, dass Flüchtlinge besseren Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung erhalten und ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können. (dpa/cs/lin)

 
 

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