Jürgen Todenhöfer kritisiert Auslieferung von Ali B. – und bietet damit Steilvorlage für Hetze

Jürgen Todenhöfer hat ein Problem mit der Auslieferung von Susannas mutmaßlichem Mörder Ali B. zurück nach Deutschland.
Jürgen Todenhöfer hat ein Problem mit der Auslieferung von Susannas mutmaßlichem Mörder Ali B. zurück nach Deutschland.
Foto: imago stock&people / imago/Stefan Zeitz
  • Jürgen Todenhöfer hat in einem Facebook-Post Kritik an den deutschen Sicherheitsbehörden geübt
  • Die Rückführung des mutmaßlichen Mörders Ali B. sei eine krasse Fehlentscheidung
  • Im Irak wäre er „schneller und härter bestraft“ worden

Berlin.  Er montierte das Gesicht von Bundespräsident Joachim Gauck in ein Foto eines Al-Qaida-Chefs, warb für die Lektüre eines Werks der NS-Rassentheoretikerin Sigrid Hunke ebenso wie für Xavier Naidoos umstrittenes Lied „Nie mehr Krieg“. Der frühere CDU-Politiker Jürgen Todenhöfer versteht es, zu provozieren. Das zeigt auch sein jüngster Facebook-Post.

Darin übt der 77-jährige Publizist heftige Kritik am Vorgehen der deutschen Sicherheitsbehörden im Fall der getöteten Susanna. „Warum holt Ihr diesen mutmaßlichen Mörder zurück?“, fragt Todenhöfer an „Seehofer und Co“ gerichtet.

Gemeint ist damit Ali B., der im Verdacht steht, die 14-jährige Susanna Ende Mai vergewaltigt und getötet zu haben. Während einer Familienreise in den Irak wurde Ali B. festgenommen. Er soll die Tat gestanden haben. Anschließend wurde er mithilfe der Spezialeinheit GSG9 zurück nach Deutschland geholt, wo er nun in U-Haft sitzt.

Die irakische Regierung kritisierte die Übergabe als Rechtsverstoß. Es gebe zwischen beiden Ländern kein Abkommen über eine Auslieferung von gesuchten Personen, teilte das Außenministerium in Bagdad am Mittwochmorgen mit.

So begründet die Polizei die Auslieferung von Ali B.

„Das waren wir der Mutter des toten Kindes schuldig“, erklärte Bundespolizeichef Dieter Romann Ali B.s Auslieferung. Doch Todenhöfer ist da ganz anderer Meinung.

„Ich bin fast immer auf der Seite der Flüchtlinge. Ich mache auch persönlich viel für sie. Aber die Rückführung von Susannas mutmaßlichem Vergewaltiger und Mörder nach Deutschland ist eine krasse Fehlentscheidung. Da ist nichts zu Ende gedacht“, schrieb er auf Facebook.

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Todenhöfer spricht über Todesstrafe für Ali B.

Im Irak würde Ali B. „schneller und härter bestraft als in Deutschland“, glaubt Todenhöfer – und bringt auch die Todesstrafe für ihn ins Gespräch. Darüber könne man „mit den befreundeten Kurden in Erbil sicher reden“.

Nach dem Verbrechen, das Ali B. mutmaßlich begangen hat, seien andere Flüchtlinge nun der Hetze von Rechtsradikalen ausgesetzt, so Todenhöfer weiter. Sein eigener Post dürfte allerdings auch nicht gerade zur Beruhigung der Stimmung beitragen. (cho)

 
 

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