Über 110 Tote nach Tsunami auf Sumatra

DerWesten
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Jakarta. Mindestens 113 Menschen sind Opfer eines Tsunami auf der indonesischen Insel Sumatra geworden. Mehr als 500 weitere Personen sind vermisst. Auf Java brach ein Vulkan aus - mindestens 18 Menschen starben.

Indonesien ist innerhalb von zwei Tagen von zwei Naturkatastrophen heimgesucht worden, die mehr als 130 Menschen das Leben gekostet haben. Im Westen des Landes löste ein Erdbeben eine Flutwelle aus, mindestens 113 Menschen wurden getötet. 150 bis 500 Personen wurden noch vermisst, wie die Behörden am Dienstag mitteilten. Auf der Hauptinsel Java brach der Vulkan Merapi aus. Mindestens 18 Menschen kamen laut Ärzten und Medienberichten ums Leben, einige von ihnen hatten schwere Verbrennungen erlitten.

Nach einem Erdbeben im Westen Indonesiens hat sich eine riesige Flutwelle gebildet, die nach offiziellen Angaben mindestens 108 Menschen in den Tod riss. Der Tsunami traf die abgelegene Mentawai-Inselkette westlich der Insel Sumatra im Indischen Ozean. Das Beben der Stärke 7,7 erschütterte nach Angaben des Geologischen Überwachungsinstituts der USA (USGS) am Montag um 21. 42 Uhr Ortszeit (16.42 Uhr MESZ) die Mentawai-Inselkette im Indischen Ozean. Das Epizentrum lag 240 Kilometer westlich von Bengkulu, einer Stadt auf der Insel Sumatra, und 280 Kilometer südlich von Sumatras Touristenregion Padang.

Wellen schlagen 600 Meter ins Landesinnere

Die indonesischen Behörden hoben eine Tsunami-Warnung nach kurzer Zeit wieder auf - das Pazifik-Tsunami-Warnzentrum erklärte jedoch später, das Beben habe „eine riesige Flutwelle ausgelöst“.Auf Südpagai, einer der Inseln der Mentawai-Kette, schossen nach Angaben der Behörden drei Meter hohe Flutwellen 600 Meter weit ins Landesinnere. Einige Stunden nach dem Beben folgten Nachbeben mit Stärken von 6,1 und 6,2. Viele Menschen werden noch vermisst. Rettungskräfte suchten unter anderem nach einem Boot mit neun Australiern, das auf dem Weg zu den Mentawai-Inseln von dem Erdbeben überrascht wurde.

Boot mit australischen Surfern vermisst

Eine andere Gruppe von Australiern, die sich während des Bebens in einer Bucht auf einem Boot aufhielt, beschrieb, wie sich der Tsunami als „weiße Wand“ vor ihnen auftürmte. Zunächst habe es unter dem Boot geruckelt, sagte Rick Hallet, der auf Sumatra einen Bootsverleih betreibt, dem Radiosender Fairfax und dem australischen Sender Nine. „Innerhalb von ein paar Minuten hörten wir dann ein unglaubliches Getöse.“ Er habe sofort an einen Tsunami gedacht und aufs Meer geschaut. „Und da sahen wir eine weiße Wand auf uns zukommen.““Das war ziemlich unheimlich“, sagte Hallet. Sein Boot mit 15 Menschen an Bord sei zerstört worden. Seine Gruppe sei ins Wasser gesprungen, einige Insassen seien 200 Meter weit vom Wasser fortgerissen worden, andere hätten sich an Bäumen festgeklammert. Nach 20 bis 30 Minuten habe sich die Flutwelle zurückgezogen. Auf die Mentawai-Inseln kommen außer vorwiegend australische Surfer nur wenig Touristen.

Vulkan Merapi auf Nachbarinsel Java spuckt Lava

Indonesien befindet sich auf dem sogenannten pazifischen Feuerring, wo sich jährlich hunderte Erdbeben ereignen. Bei der Tsunami-Katastrophe Ende 2004 wurden in mehreren Küstengebieten des Indischen Ozeans mehr als 220 000 Menschen getötet. Am schlimmsten betroffen war Indonesien mit 168 000 Toten.Neben den Zerstörungen durch den Tsunami kämpft das Land derzeit auch mit den Auswirkungen des Vulkanausbruchs auf Sumatras Nachbarinsel Java. Bereits am Montag hatten die Behörden die Evakuierung der dichtbesiedelten Gegend um den Vulkan Merapi angeordnet, wo 19 000 Menschen leben. Am Dienstag brach der aktivste der 69 indonesischen Vulkane dann aus; ein drei Monate altes Baby erstickte.

Die Eruption des Merapi begann kurz vor der Abenddämmerung am Dienstag, wie der Chefvulkanologe in dem Gebiet, Subandriyo, erklärte. Der Vulkan schleuderte Wolken mit heißer Asche und Steinen in die Luft. Mindestens 20 Menschen wurden verletzt. Seit dem Wochenende hatte die Aktivität des Vulkans merklich zugenommen, Tausende Bewohner der Berghänge waren vorsorglich in Sicherheit gebracht worden.

Die größte Sorge gilt dem steigenden Druck unter dem riesigen Lavadom, wie der Vulkanologe Surono sagte. „Die Energie baut sich auf“, sagte er. „Wir hoffen, dass sie langsam entweicht.“ Andernfalls stehe eine heftige Eruption bevor - „größer als alles, was wir in den vergangenen Jahren gesehen haben“. Der Merapi zählt zu den gefährlichsten der 129 aktiven Vulkane in Indonesien.

Bereits 2006 war an dem Vulkan eine Lawine abgegangen und hatte zwei Menschen getötet. Im Jahr 1994 waren bei einem ähnlichen Ausbruch 60 Menschen ums Leben gekommen. Bei einer Explosion 1930 wurden 1.300 Menschen getötet.Indonesien liegt im pazifischen „Feuerring“ mit zahlreichen Vulkanen, in dem Verschiebungen von Erdplatten immer wieder zu Erschütterungen führen. (afp/dapd)