Traumpaar Hörbiger/Mendl brilliert in ARD-Tragikomödie

Jürgen Overkott
Jakob (Michael Mendl) und Maria (Christiane Hörbiger) stechen gemeinsam in See.
Jakob (Michael Mendl) und Maria (Christiane Hörbiger) stechen gemeinsam in See.
Foto: ARD
Christiane Hörbiger garantiert Spitzenquote. Mehr noch: Die gerade 75 Jahre alt gewordene Schauspielerin adelt jeden Film. Vor allem dann, wenn sie mit Michael Mendl zusammenspielt. Etwa in der ARD-Tragikomödie „Zurück ins Leben“ an diesem Freitag im Ersten.

München. Die ARD veranstaltet ein Christiane-Hörbiger-Festival anlässlich des 75. Geburtstages der Grand Dame des deutschen Fernsehens. Und sie tut gut daran. Denn seit Jahren gilt: Egal in welcher Rolle die Österreicherin zu sehen ist – stets fährt sie beste Quoten ein.

Mehr noch: Christiane Hörbiger hat, wie nur ganz wenige Schauspieler im deutschsprachigen Raum, das Talent, einem großen Publikum selbst schwere Themen leichthin zu vermitteln. Sie mischt Komik und Tragik mit einer Nonchalance, wie sie wohl nur Menschen aus Wien gegeben ist – so auch in der Tragikomödie „Zurück ins Leben“ (ARD, Freitag, 20.15 Uhr).

Eine Seniorenverwahranstalt

La Hörbiger stellt sich in dem Film von Nikolaus Leytner, mit dem sie in den letzten Jahren oft gemeinsame Sache gemacht hat, einem oft angstbesetzten Thema: dem Leben im Altersheim. Daran ändert auch eine noble Kulisse wenig. Maria Niemann (Christiane Hörbiger) kann das edle Ambiente einer privaten Seniorenresidenz nicht genießen. All ihre Versuche, dem trostlos einförmigen Leben zu entkommen, werden von der biestigen Heimleiterin (Victoria Trautmansdorff) unterbunden. Sie sieht das Haus als Seniorenverwahranstalt, dessen Bewohner kaum mehr als Verwaltungseinheiten sind.

Maria jedoch weiß, dass sie mit ihrer Sehnsucht nach Abwechslung keineswegs allein ist. Viele ihrer Mitbewohner haben noch genauso viel Lust aufs Leben wie sie – allen voran der einstige Bar-Pianist Jakob Frankl (Michael Mendl).

Auch mit 75 eine starke Frau

Die Rollen der beiden Hauptdarsteller sind, beinahe logisch, als Gegensatz-Paar angelegt: der ruhige Künstler mit dem melancholisch umflorten Blick einerseits und andererseits die quirlige Dame. Und das Paar funktioniert prächtig. Nicht nur auf dem Papier: Christiane Hörbiger und Michael Mendl ergänzen sich prächtig wie zwei Seiten einer Medaille. Sie knüpfen bei ihrer langjährigen Film-Partnerschaft da an, wo sie zuletzt, beim „Besuch der alten Dame“ (2008) aufgehört haben.

Das Dreamteam Hörbiger-Mendl begibt sich im aktuellen Film zurück ins Leben, und das heißt, die älteren, aber rüstigen Herrschaften brechen auf zu einer Reise in Jakobs kalte Heimat, nach Danzig. Dort freilich warten fiese Überraschungen.

Der Film streichelt mit einer starken, sympathischen Hauptfigur die Seele eines vermutlich eher weiblichen Publikums. Zugleich bietet er der Generation Flucht und Vertreibung Erinnerungsfernsehen. Und selbst Zuschauer, die nicht unbedingt zur Kernzielgruppe gehören, kommen auf ihre Kosten: Sie dürfen gut aufgelegten Schauspielern bei der Arbeit zu sehen.