Trauergottesdienste für Opfer von Amoklauf

Foto: AFP

Tuusula. Nach dem Amoklauf an einem finnischen Gymnasium, bei dem in der vergangenen Woche neun Menschen getötet wurden, ist am Sonntag landesweit in Gottesdiensten der Opfer gedacht worden.

Die Zeremonie in einer kleinen Holzkirche von Tuusula, wo der 18-jährige Amokschütze am Mittwoch im Jokela-Gymnasium acht Menschen erschossen und die Waffe schließlich gegen sich selbst gerichtet hatte, wurde live im Fernsehen übertragen. Unterdessen teilte die Polizei mit, sie habe im Norden des Landes einen 16-Jährigen festgenommen, der mit einem Video auf der Internetseite YouTube auch in seiner Schule ein Massaker angekündigt habe.

Bei der Trauerfeier lasen viele Gemeindemitglieder Bibelstellen und selbstverfasste Texte vor. «Gott war zugegen in der Hölle von Jokela», sagte Pfarrerin Ulla Rosenqvist. «Herr, ich habe Angst. (...) Hilf uns. Hilf dem Vater, der Mutter, dem Bruder, der Schwester, den Freunden und Klassenkameraden, allen, die dieses Drama erlebt haben», hieß es in einem der Texte. Auch in hunderten anderen Gemeinden in Finnland beteten die Menschen im Sonntagsgottesdienst für die Opfer.

Der Abiturient Pekka Eric Auvinen hatte am Mittwoch in Tuusula, einer 35.000-Einwohner-Stadt rund 40 Kilometer von der Hauptstadt Helsinki entfernt, 69 Schüsse auf seine Opfer abgefeuert. Nach seinem Amoklauf schoss er sich selbst in den Kopf und erlag einige Stunden später seinen Verletzungen. Durch Auvinens Schüsse starben die 61-jährige Rektorin der Schule, eine 42-jährige Krankenschwester, eine 25-Jährige sowie fünf Schüler zwischen 16 und 18 Jahren. Die Regierung von Ministerpräsident Matti Vanhanen hatte Staatstrauer angeordnet.

Der am Freitag festgenommene 16-Jährige wohnt in Maaninka, rund 400 Kilometer nördlich der Hauptsstadt Helsinki. Er sei in Untersuchungshaft genommen und am Samstag verhört worden, sagte ein örtlicher Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag. Sein Computer wurde beschlagnahmt. Ob der Junge am Sonntag weiterhin in Haft war, wollte der Sprecher nicht sagen. Der Teenager hatte ein 30 Sekunden langes Video unter dem Titel «Maaninka Massaker» ins Internet gestellt, auf dem die Schule des Ortes und ein Mensch mit einer Waffe zu sehen war. Er habe nur einen Witz machen wollen, sagte der Junge den Polizeiangaben zufolge.

Auch der Amokläufer von Tuusula hatte seine Tat mit einem Video auf YouTube angekündigt. Am Freitag hatte die Polizei in der Nähe von Tuusula wegen ähnlicher Internet-Drohungen zwei Schulen umstellt, bevor Entwarnung gegeben werden konnte. Die Beamten untersuchen einen möglichen Kontakt zwischen dem 18-jährigen Auvinen und einem 14-jährigen Jungen in den USA. Sicher ist, dass beide die Webseite des anderen konsultierten. Beide verherrlichten den Amoklauf von Columbine im US-Bundesstaat Colorado, bei dem 1999 zwei Schüler an ihrer Schule insgesamt 13 Menschen töteten. (AFP)

 
 

EURE FAVORITEN