Tod im Pazifik: Nur 53 Fischer überleben Havarie

Petropawlowsk..  Als die Fischer ihr Netz mit 80 Tonnen frischem Fang – vor allem Alaska-Seelachs – einholen, geschieht die Katastrophe. Es geht rasend schnell für die 132 Männer auf der „Dalnij Wostok“. Ihr Schiff hat seit Tagen Schlagseite, weil schon über 1000 Tonnen Fisch in der Kühlung lagern. Der peitschende Wind in der stürmischen See vor der Küste der russischen Halbinsel Kamtschatka tut das Übrige. Die schwimmende Fischfabrik kippt, sinkt binnen 15 Minuten. Panik bricht aus. Keine Zeit, ein SOS-Signal zu funken. Es überleben nur 53 Seeleute, nicht einmal die Hälfte der Besatzung.

Es sind dramatische Szenen, die Moskauer Medien nach dieser schlimmsten Tragödie in der russischen Fischereiwirtschaft seit Jahren schildern. Zwar wollen sich russische Ermittler noch nicht festlegen bei der Unglücksursache. Doch sie gehen offenbar von Verstößen gegen einfachste Sicherheitsvorkehrungen aus.

Der 48 Jahre alte Kapitän, so schreibt die Boulevardzeitung „Komsomolskaja Prawda“, war wegen Trunksucht von seinem früheren Arbeitgeber entlassen worden. Auch er ist ums Leben gekommen. Das Blatt berichtet unter Berufung auf Zeugen, dass das Schiff zudem nur 50 Tonnen Treibstoff in den Tanks gehabt habe – zu wenig, um für ein Gegengewicht zu sorgen. Die Familie eines Technikers berichtet, dass auf der 104 Meter langen „Dalnij Wostok“ zusätzliche Kühlkammern eingebaut worden seien: Platz für viel Fisch auf dem Trawler, der noch aus Sowjetzeiten stammt.

Auf dem Schiff waren – wie auf vielen anderen der Region – zudem Dutzende Billiglöhner im Einsatz, die nur 300, 400 Euro im Monat verdienen, heißt es. Sie kamen offiziellen Angaben zufolge aus Myanmar, der Ukraine, dem Baltikum und vom Inselstaat Vanuatu im Südpazifik.

Mit Fisch lässt sich viel Geld verdienen. Weil Russland wegen seines Streits mit dem Westen um den Ukraine-Konflikt Lebensmittel aus der EU und den USA boykottiert, schnellen die Preise für Meeresprodukte in die Höhe. Ob der Kapitän aus Profitgier handelte, werden die Ermittler aufklären müssen.

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