Tod eines Weltmeisters - Trauer um Krake Paul

Oberhausen. Trauer um einen Weltmeister. Orakel-Krake Paul ist tot. Er war der Medien-Star der Fußball-WM - und auch sein Ableben fand international mediales Echo.

Regungslos und leichenblass lag der Krake in einer Ecke seines Aquariums, als Chef-Aquarist Dr. Oliver Wa­lenciak am frühen Dienstag seinen Rundgang durch das Sea Life machte. Geahnt hatten er und seine Kollegen es schon länger, dass es mit dem berühmtesten Kraken der Welt zu Ende gehen würde. Paul wirkte lustlos, hatte keinen Appetit. Seine letzte Mahlzeit hatte er am Sonntag eingenommen: eine Krabbe. „Viele Mitarbeiter haben sich schon Montagabend von Paul verabschiedet“, sagte Stefan Porwoll, General Manager des Sea Life, nach Pauls Ableben. Er geht von einem natürlichen Tod aus. Paul wurde zweieinhalb Jahre alt.

Acht Treffer für den Kraken

Der Oberhausener Krake war der große Star der Fußball-WM in Südafrika. Zwar hatte er kein Tor ge­macht, aber trotzdem acht Treffer erzielt. Weil er acht richtige Tipps abgab, stieg sein Bekanntheitsgrad nicht nur bei den Fußballfans in vielen Ländern. Fortan wurde Paul „Orakel-Krake“ ge­nannt. Ob er auch seinen eigenen Tod vorhergesehen hat, ist nicht überliefert.

Kaum ist er tot, stürzt sich schon wieder die ganze Welt auf ihn. Die Amerikaner von CNN, der arabische Sender Al Jazeera, Journalisten aus der Schweiz, aus Frankreich und Spanien – sie alle berichteten am Dienstag über Oberhausen und ein totes Tier mit acht er­matteten Armen.

Italiens Sportzeitung Gazzetta dello Sport schrieb „Er war das Orakel der Welt“, und das, obwohl Paul sich mit den Italienern gar nicht großartig abgeben konnte, weil sie bei der WM schon in der Vorrunde ausgeschieden waren. „Paul, der mythische Oktopus, ist tot“ hieß es auf der Webseite der spanischen Sportzeitung Marca. Ach ja, die Spanier. Paul ist noch keine 24 Stunden tot, da zerren sie schon an seinen erschlafften Tentakeln.

Paul II ist noch ganz klein

Sie wollen Pauls Leichnam wohl gerne zu sich überführen. Es heißt, dass die Kleinstadt Carballino die Überreste ausstellen möchte. „Eine offizielle Anfrage liegt uns noch nicht vor“, sagte Stefan Porwoll vom Sea Life. Und Paul soll auf gar keinen Fall der Paella-Nation ausgeliefert wer­den. Längst ist für ihn eine andere letzte Ruhestätte vorgesehen. Er soll eingeäschert und seine Urne zusammen mit einem Denkmal im Sea Life platziert werden. Zunächst liegt der tote Oktopus aber auf Eis (Nein, nicht mit Knoblauch und Zitronengarnitur!).

Das Sea Life hat halbmast geflaggt. Auch im Oberhausener Rathaus sorgte die Todesnachricht für Trauer. Oberbürgermeister Klaus Weh­ling sagte: „Das ist ein schwerer Schlag für Oberhausen und den Weltfußball. Wer soll jetzt die nächsten WM-Siege vorhersagen?“ Stefan Porwoll hätte da eine Idee. Es gibt einen potenziellen Nachfolger, Paul II.: „Der ist süß und noch ganz klein.“ Er sollte eigentlich vom großen Paul angelernt werden, behutsam in die Kunst der Weltmeistervorhersage eingeweiht werden. Jetzt, wo der al­te Herr es vorgezogen hat, einfach zu versterben, muss Paul der Zweite allein klarkommen.

Paul als Geschäft

Unterdessen läuft der Fanartikel-Verkauf weiter. Tassen mit Paul drauf, Paul als Stoffkrake, Paul als Handy-Spielchen – der berühmteste Fußball-Paul neben Paul Breitner bleibt allgegenwärtig. Das amerikanische Fernsehen hat kürzlich noch eine Doku über Paul gedreht, da war er noch munter. Sie soll in einigen Wochen auch bei uns als DVD zu haben sein.

„Die Besucherzahlen haben sich mit Pauls Popularität nicht großartig geändert. Wir hatten nur mehr internationale Gäste“, sagt Stefan Porwoll. Im Sea Life be­fürchtet man also nicht, dass der Zulauf abreißen wird, weil Pauls Platz im Wasser nun leer ist. Doch wer kann das schon genau vorhersagen? Höchs­tens Paul. Und Paul ist tot.

 
 

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