Wolf im Westerwald an der NRW-Grenze gesichtet- erstmals seit 160 Jahren

Holger Dumke
Das im Westerwald an der NRW-Landesgrenze aufgenommene Bild eines Hobbyfotografen zeigt den Wolf, der sogleich Reißaus nahm. Foto: Nabu/Uli Stadler
Das im Westerwald an der NRW-Landesgrenze aufgenommene Bild eines Hobbyfotografen zeigt den Wolf, der sogleich Reißaus nahm. Foto: Nabu/Uli Stadler
Lange Zeit ist es her: Jetzt wurde erstmals seit 160 Jahren wieder ein Wolf im Westerwald entdeckt - nur wenige Kilometer von der NRW-Landesgrenze entfernt. Umweltschützer jubeln - und geben Entwarnung: Niemand müsse sich vor dem Wolf fürchten.

Neuwied. Der Mann wollte nur seine neue Kamera ausprobieren. Es hat sich gelohnt. Das scheue Tier, das dem Hobbyfotografen am 26. Februar im Kreis Neuwied vor die Linse lief und dann gleich wieder davon – es ist ein Wolf, wie Fachleute jetzt feststellten. „Es sind die typischen Fellzeichnungen zu erkennen, wie etwa der weiße Bereich um die Schnauze“, erklärte Olaf Tschimpke, Präsident der Umweltschutzorganisation Nabu.

Umweltschützer jubeln: Erstmals seit der Ausrottung vor 160 Jahren ist damit wieder ein Wolf in Rheinland-Pfalz gesichtet worden. Das Foto entstand im Westerwald in der Nähe von Steimel, gut 16 Kilometer von der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen entfernt.

Nabu-Experte Markus Bathe geht von einem typischen „Wanderwolf“ aus – also einem jüngeren, gerade geschlechtsreifen Tier, das sein Rudel verlassen hat. Wölfe legen dann enorme Strecken zurück, schaffen zwischen 40 und 75 Kilometer am Tag, – „wenn sie denn lebendig über die Straße kommen“, so Bathe.

Deutschlandweit gibt es nur 12 Rudel mit je 14 Tieren

Muss man jetzt Angst haben? Vom Wolfs-Experten Bathe kommt ein klares Nein: „Wölfe leben seit dem Jahr 2000 wieder in Deutschland.“ Seither sei keine Situation bekannt, in der sich eines der Raubtiere aggressiv einem Menschen genähert hat. Aktuell gibt es deutschlandweit 12 Rudel mit je etwa 14 Tieren, alle in den neuen Bundesländern. Selbst Viehhalter müssen laut Bathe nicht bange sein: „Die Wälder sind voller Rehe. Da finden die Wölfe genug Nahrung.“

Zudem gebe es sehr effektive Wege, Schaf- oder Ziegen-Herden zu schützen. Schon ein nur 90 Zentimeter hoher Strom-Zaun reiche aus. Wölfe neigten nämlich nicht dazu, Hindernisse zu überspringen, sondern versuchten, sie zu untergraben.

Fest steht auf alle Fälle: Die Wölfe kommen Nordrhein-Westfalen immer näher. Ein Tier hatte vor wenigen Jahren von Hessen aus mehrere Ausflüge nach Ostwestfalen unternommen. Im vergangenen Jahr gab es aus den Niederlanden eine Wolfsmeldung nicht weit von Aachen. Mit dem Sauer- und Siegerland sowie der Eifel gibt es laut Markus Bathe in NRW durchaus Gegenden, in denen sich Wölfe wohlfühlen könnten.