Grüne wollen Ponyreiten auf Jahrmärkten verbieten

Ponyreiten auf dem Weihnachtsmarkt: Die Grünen halten das für Tierquälerei und fordern ein Verbot.
Ponyreiten auf dem Weihnachtsmarkt: Die Grünen halten das für Tierquälerei und fordern ein Verbot.
Foto: Ralf Rottmann/WR
"Guck mal, ein Pony!" - Kinderaugen leuchten, wenn sie auf Jahrmärkten die Manegen entdecken, in denen die Pferde ihre Runden drehen. Tierschützer halten Ponykarussells allerdings für Tierquälerei. Sie sind nicht allein. Die Bremer Grünen wollen die Attraktionen bundesweit verbieten lassen.

Essen. Ponys auf Jahrmärkten sind die "Opfer skrupelloser Geschäftemacher, ignoranter Veranstalter sowie uninformierter Eltern." So sieht es die Tierschutzorganisation Peta. Schon länger fordert der Verein, die Marktplatz-Attraktionen mit lebendigen Tieren zu verbieten. Nun bekommen die Aktivisten Unterstützung aus der Politik. Die Grünen in Bremen wollen im Bundesrat eine Initiative starten, mit der Pony-Karussells auf Jahrmärkten bundesweit verboten werden.

„Ponykarussells sind aus unserer Sicht mit dem Tierschutz nicht vereinbar", sagt die Bremer Grünen-Abgeordnete Linda Neddermann, die sich als tierschutzpolitische Sprecherin des Themas angenommen hat. Die Wirbelsäulen und Beine der Tiere seien nicht auf stundenlanges Laufen im Kreis ausgelegt. Schmerzhafte Gelenk- und Wirbelschäden seien die Folge. Auch laute Musik, Besucherlärm und Lichteffekte der umliegenden Fahrgeschäfte könnten Stress und Panik bei den empfindlichen Fluchttieren auslösen. "Pferde sind nicht dazu gemacht, fünf bis acht Stunden lang im Kreis zu laufen."

Schausteller warnen vor Verbot

Beim Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute sieht man das anders. Der Vorwurf der Tierquälerei sei "Blödsinn", sagt Verbandspräsident Hans-Peter Arens. Die Halter der Tiere seien schon jetzt an strenge Auflagen gebunden, die Tiere würden regelmäßig von Amtstierärzten untersucht. Zudem fürchtet er um die Betreiber. Seinen Angaben nach gibt es noch 20 bis 30 Betriebe, die Ponykarussells anbieten - ihre Existenz wäre mit einem Verbot gefährdet. Für Arens sind die Reitbahnen eine klassische Jahrmarktsattraktion: "Für die Kinder ist es jedes Mal ein großer Spaß."

Doch genau diesen Spaß finden Tierschützer nicht lustig. "Wir wollen Kindern vermitteln, dass Tiere Lebewesen und keine Maschinen sind", sagt Peta-Mitarbeiterin Carola Schmitt. Sie sehe keinerlei pädagogische Wirkung im Ponyreiten: "Den Kindern wird durch das stupide im Kreis Laufen der Ponys ein Bild vom Pferd vermittelt wird, das aus der Sicht des ethischen Tierschutzes heute nicht mehr zeitgemäß ist."

Wer die Auflagen erfüllt, bekommt eine Genehmigung

Ein bundesweites Verbot ist das große Ziel der Tierschützer, doch ließen sich ihre Ziele wohl schon auf kleinere Ebene erreichen. "Die Stadt als Betreiber kann selbst entscheiden, wem sie Stellflächen auf Jahrmärkten vermietet", sagt Schmitt. Bislang sind Peta aber deutschlandweit keine Fälle bekannt, in denen Städte Ausstellern bewusst Stellflächen auf Jahrmärkten verweigert hätten.

Den Betreibern einfach die Erlaubnis zu entziehen, ist indes keine Alternative. "Werden die Voraussetzungen erfüllt, besteht ein Rechtsanspruch des Antragstellers auf die Erteilung der Erlaubnis", beschreibt es die Tierschutzorganisation "Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz" in ihrem Merkblatt zur Beurteilung von Ponyreitbahnen. Mit anderen Worten: Wer sich als Tierhalter an die Richtlinien hält, dem muss der Amtstierarzt eine Genehmigung erteilen.

NRW-Grüne sehen kein Bedarf für ein Verbot

Die NRW-Städte Minden und Gütersloh versuchten zumindest, die Auflagen zu verschärfen, an die sich die Betreiber halten müssen. Statt die Ponys stundenlang in der gleichen Richtung im Kreis laufen zu lassen, sollten die Halter verpflichtet werden, alle 30 Minuten die Laufrichtung der Pferde zu ändern. Doch das Verwaltungsgericht Minden gab im Dezember 2010 der Klage von Tierhaltern statt: Solange die Gesundheit der Pferde nicht beeinträchtigt sei, gebe es keinen Anlass dafür, die bestehenden Auflagen zu verschärfen. Damit setzte sich das Gericht sogar über die "Zirkusleitlinien" des Bundeslandwirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2000 hinweg. Deshalb setzt sich die "Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz" dafür ein, den regelmäßigen Richtungswechsel ins Tierschutzgesetz aufzunehmen.

Bis die Bremer Grünen aus ihrem Vorhaben ein Gesetz machen können, liegt noch ein weiter Weg mit viel Überzeugungsarbeit vor ihnen. Die NRW-Grünen beispielsweise sehen derzeit keinen Bedarf für ein Verbot. "Uns liegen derzeit keine tierschutzrechtlich bedenklichen Fälle vor", sagte Parteisprecherin Andrea Rupprath gegenüber DerWesten.

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