Thomas Gottschalk - das Ende einer TV-Legende

Moderator Thomas Gottschalk muss sich einen Tag eher als geplant verabschieden.
Moderator Thomas Gottschalk muss sich einen Tag eher als geplant verabschieden.
Foto: dapd
An diesem Mittwoch sagt Thomas Gottschalk leise Servus. Der Moderator muss sich einen Tag eher als geplant vom Publikum von "Gottschalk Live" verabschieden. Selten zuvor hat sich eine TV-Legende so lustvoll selbst demontiert wie er. Warum nur?

Essen.. Was mit großer Fanfare angeblasen wurde, endet mit einem Missklang: Thomas Gottschalk bittet Mittwoch, 19.20 Uhr, letztmalig zu „Gottschalk Live“ – einen Tag früher als mit der ARD vereinbart. Kaum einer wird’s bemerken. Selten zuvor hat sich eine Fernsehlegende so lustvoll selbst entzaubert wie Thomas Gottschalk. Bleibt die Frage nach dem Warum.

Warum die ARD den großen Blonden mit dem schrägen Dress einkaufte, liegt auf der Hand. In seinen besten Jahren bei „Wetten, dass..?“ schien der ehemalige Mainzelmann über Wasser zu laufen. Die TV-Nation verzieh ihm gar das, wofür jeder andere Moderator abgestraft worden wäre: Fummeln und Faseln. Für Gottschalk heiligt der Gag die Mittel, und die Quoten gaben ihm jahrzehntelang recht.

Das Erste erhoffte sich neues Leben in der Todeszone Vorabend. Die ARD-Vorsitzende Monika Piel, ihre Intendanten-Runde, aber auch Programmchef Volker Herres starteten ein Experiment, das von vornherein die Gefahr des Totalabsturzes barg. Wenn Thomas Gottschalk eines liegt, dann Fernsehen in XXL. Bei großen Shows vor großem Publikum glänzt der 62-Jährige seit jeher mit großer Form. Am Vorabend jedoch ging es ums exakte Gegenteil. Je nach Werbe-Aufkommen standen Gottschalk mal 21:16 Minuten zu Gebote, mal 27:23 Minuten.

Thomas Gottschalk blieb sich fatalerweise im Ersten treu

Dazu kam, dass der Beach Boy unter den Moderatoren mit einem Format zu sehen war, von dem andere Sender am frühen Abend absehen: Talk. Wer zwischen Büroschluss und Abendessen erfolgreich sendet, setzt, wie RTL und ZDF, auf schematisierte Serien. Ob „GZSZ“ oder „Soko“: Das Publikum schaltet ein, um abzuschalten.

Und noch etwas sprach gegen Gottschalk: Er scheiterte bereits bei früheren Talks wie „Gottschalk Late Night“ und „Gottschalk & Friends“ grandios – weil der Moderator offenbarte, dass er sich für seine Gäste nicht wirklich interessiert. Stattdessen präsentierte sich der Gastgeber stets als Ich-AG.

Fatalerweise blieb er sich bei „Gottschalk Live“ treu. Erst plapperte der Moderator an Stars vorbei, dann, nach quälend langer Überarbeitung seiner Show, an Alltagsmenschen.

Das Publikum, das ihn mit Neugier begrüßt hatte, verabschiedet ihn, logisch, mit Desinteresse. Im Schnitt sahen nur 1,21 Millionen Menschen „Gottschalk Live“. Der Marktanteil von 4,8 Prozent war ein Fiasko. Dabei sollte der Talk zumindest den ARD-Schnitt erreichen; er lag 2011 bei 12,4 Prozent.

Gottschalk, so viel steht fest, ist gescheitert. Aber wurde er dadurch auch gescheiter? Zweifel sind erlaubt: „Nicht für alles“, jammerte er im Hausblatt „BamS“, „bin ich verantwortlich.“ Langjährige Wegbegleiter sehen das anders. Tenor: Alles lief so, wie Gottschalk es wollte. Sagen ließ er sich nichts.

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