Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Psychiatrie

Therapeuten sahen bei mutmaßlichem Lena-Mörder kein Gewaltpotential

05.04.2012 | 08:18 Uhr
Therapeuten sahen bei mutmaßlichem Lena-Mörder kein Gewaltpotential
Das Bild einer Überwachungskamera vom Tatort zeigt den Täter

Osnabrück/Hannover.  Der mutmaßliche Mörder der elfjährigen Lena aus Emden galt nicht als gewaltbereit. Das sagte der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie, in der der Jugendliche behandelt worden war. Er galt dort als unauffällig, sollte aber eine weitere Therapie machen.

Der Chefarzt der Aschendorfer Kinder- und Jugendpsychiatrie, Filip Caby, weist eine Mitverantwortung für den Mord an der elfjährigen Lena zurück. Obwohl der mutmaßliche Täter kurz nach einer Therapie in seiner Einrichtung zuschlug, sagte Caby der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Wir machen uns keine Vorwürfe."

Caby sagte, die Therapie sei regulär beendet worden. "Das Ziel war unter anderem, dass eine Selbstanzeige erfolgt. Zu der ist es gekommen. Ferner haben wir dringend eine weitere Therapie empfohlen", sagte er. Für die sei sein Haus als Einrichtung für Kinder und Jugendliche aber nicht mehr zuständig gewesen, weil der Emdener inzwischen 18 Jahre alt geworden sei.

"Da ist in der Therapie ein gewaltiger Druck entstanden"

Caby versicherte, der Mann sei während der Therapie unauffällig gewesen. "Es war kein Gewaltpotenzial zu erkennen. Sonst hätten wir ihn nicht entlassen", sagte er.

Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, sagte, dass der mutmaßliche Mörder vor seiner Selbstanzeige in einer Therapie war, ändere alles. "Der 18-Jährige ist nicht aus innerem Leidensdruck mit seiner Selbstanzeige wegen Kinderpornografie zur Polizei gegangen", sagte Pfeiffer der Hannoverschen "Neuen Presse" (Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht. "Er kam in Begleitung eines Betreuers, das war Teil seiner Therapie."

Pfeiffer sagte, die versuchte Vergewaltigung einer Joggerin am Tag danach zeige, dass der 18-Jährige unter einem enormen Anpassungsdruck gestanden habe. "Da ist in der Therapie ein gewaltiger Druck entstanden. Am ersten Tag, wo er wirklich frei war, hat er sich entladen", sagte Pfeiffer. (dapd)

Kommentare
Funktionen
Aus dem Ressort
Panoramafreiheit - wo Urlaubs-Selfies heikel sein können
Urheberrechte
Das EU-Parlament debattiert über ein Verbot der "Panoramafreiheit". Was man wo fotografieren und im Internet teilen darf, ist unterschiedlich.
Vom Zehnmeterturm auf schwimmenden Mann gesprungen
Badeunfall
Ein 28-Jähriger landete bei einem Sprung vom Zehnmeterturm im Bad Wimpfener Freibad auf einem Schwimmer, der am Sonntag an den Verletzungen starb.
Helene Fischer bricht Berlin-Konzert wegen Unwetters ab
Helene Fischer
Klatschnass durch die Nacht: Helene Fischer musste sich am Sonntag dem Unwetter geschlagen geben. Auch Roxette-Fans mussten enttäuscht umkehren.
60 aggressive Badegäste prügeln sich in Berliner Freibad
Polizei
Was mit einem Streit zwischen zwei Jugendlichen anfing, endete in einer Massenschlägerei. Am Ende mussten alle Badegäste das Columbiabad verlassen.
CSU-Minister Söder wird Ritter wider den tierischen Ernst
Karneval
Närrische Auszeichnung für CSU-Mann Markus Söder. Er erhält den Orden wider den tierischen Ernst. Sein Chef geht dagegen wieder einmal leer aus.
Fotos und Videos
article
6531538
Therapeuten sahen bei mutmaßlichem Lena-Mörder kein Gewaltpotential
Therapeuten sahen bei mutmaßlichem Lena-Mörder kein Gewaltpotential
$description$
https://www.derwesten.de/panorama/therapeuten-sahen-bei-mutmasslichem-lena-moerder-kein-gewaltpotential-id6531538.html
2012-04-05 08:18
Emden, Kena, Mord, Psychiatrie, Therapie
Panorama