„The Cabin in the Woods“ vereint Fantasie und Digitaltechnik

Wie viele Monster passen in einen Film? Die Segnungen der Digitaltechnik und die Fantasie der Drehbuchautoren reißen auch in diesem Punkt alle Grenzen des Vorstellbaren nieder. „The Cabin in the Woods“ ist der Horrorfilm, der das auf sich vereint.

Essen. „The Cabin in the Woods“ ist zwar aus dem letzten Jahr, bekam aber über das Internet derart enthusiastische Bewertungen, dass er nun doch noch auf hiesige Kinoleinwände losgelassen wird.

Es beginnt damit, dass fünf junge Menschen, allesamt Studenten aus San Francisco, sich auf einen Wochenendtrip zu einer abgelegenen Ferienhütte begeben. Diese Ausgangslage ist denkbar simpel und beflügelt seit den Klassikern „Freitag, der 13.“ und „Tanz der Teufel“ über nunmehr 30 Jahre hinweg die Fertigkeiten der Filmemacher in Sachen Angstkino mit möglichst ausgeprägtem Blut- und Ekelfaktor.

Auch die großstädtische Jugend dieses Films wird es bald mit den Auswüchsen des Unbegreiflichen zu tun bekommen. Eine unerquickliche Begegnung mit einem hinterwäldlerischen Tankwart ist dabei nur erster Vorbote kommenden und ungleich handfesteren Grauens, wenn gleich in der ersten Nacht eine mörderische Zombiefamilie ihren Gräbern entsteigt und dem Frischfleisch aus der Stadt entgegenzukriechen beginnt.

Auswüchse des Unbegreiflichen

Ein Preis für Originalität ist bis dahin kaum zu vergeben, aber es gibt einen zweiten Handlungsstrang, der sich zusehends in das andere Geschehen mischt. Dabei sind abgebrüht lässige Wissenschaftler in einer unterirdischen Schaltzentrale damit beschäftigt, die Vorgänge um die jungen Leute in der Hütte mit Videokameras zu beobachten und zu manipulieren.

Denn es sind Elemente eines Schreckenskatalogs, die nach ausgeklügeltem Rätselsystem in Gang gesetzt werden und bald auch die ersten Toten nach sich ziehen. Werden hier etwa Szenarien für berüchtigte Snuff-Produktionen mit echten Leichen hergestellt? Mitnichten, denn es geht um weit Größeres, Göttliches gar, das im Innern der Erde schlummert und nur durch Menschenopfer besänftigt werden kann.

Weil aber erschießen zu schlicht wäre, hat man über die Jahre im unterirdischen Laborsystem alle möglichen Monster eingekerkert, um sie nach Bedarf knapp dosiert auf die Opfer loszulassen.

Ein Film mit zwei Handlungssträngen – das also ist der Grund für jene Bugwelle der Euphorie, die „The Cabin in the Woods“ als das Raffinierteste, was es je im Gruselkino gab, vor sich her trägt. Bei unvorbelasteter Betrachtung gestaltet sich der Film als solide Stilübung in Sadismus, Ekel und Unsinn. Er macht sogar ein bisschen Spaß, wenn man dem Genre halbwegs zugetan ist und nicht im Mindesten im Kino nachdenken möchte.

Spaßiger, sinnfreier Effekt-Overkill

Im gegenteiligen Fall kann man Regisseur Drew Goddard immerhin Gespür für atmosphärische Bildwirkung zuschreiben und sich ansonsten prima amüsieren über die Ungereimtheiten des Drehbuchs und den sinnfreien Effekt-Overkill, wenn im Finale alle Monster los sind. Generell aber gilt, dass es solches alles schon gegeben hat. Die spannende Variante hieß 1972 „Westworld“, die witzige 1948 „Abbott und Costello treffen Frankenstein“.

Man muss das nicht kennen, denn jede Kinogeneration bekommt das, wonach sie verlangt. Die aktuelle begnügt sich damit, dass mächtig was los gemacht wird. Wer will sich auch schon mit Hintersinn beschäftigen, wenn es ohne doch so viel einfacher zu gucken ist.

 
 

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