„Tatort“-Duo pimpt ZDF-Krimi „Nord Nord Mord“

Der dritte Teil der ZDF-Krimireihe "Nord Nord Mord" entpuppt sich als gut durchdacht.
Der dritte Teil der ZDF-Krimireihe "Nord Nord Mord" entpuppt sich als gut durchdacht.
Foto: dpa
Die ersten beiden Krimis der Reihe gingen so. Aber der dritte ist richtig gut. Kein Wunder: Das Drehbuch-Duo arbeitet sonst für den „Tatort“ Münster.

Mainz. Wenn der Regionalkrimi sein hässliches Haupt hebt, macht man sich gern aus dem Staub. Zu oft werden belanglose Geschichten mit bleiernen Dialogen gepanscht, serviert im bemüht „authentischen“ Dialekt. Die ZDF-Reihe „Nord Nord Mord“ ist in den ersten beiden Folgen dieser Gefahr nicht entgangen, Fall drei ist dagegen richtig gut: „Clüvers Geheimnis“ trifft genau den richtigen Ton und siedelt eine spannende Geschichte in einem stimmigen Umfeld an.

Da freut man sich auch für die Hauptdarsteller. Robert Atzorns Kommissar Clüver ist ein friesisch-herber Ermittler, der nie zum platten Abziehbild wird, Julia Brendlers Ina Behrendsen ist patent, aber nicht kumpelig, und Oliver Wnuk als Hinnerk Feldmann verschafft dem Trio die witzige Note, die den Schöpfern offenbar vorschwebt.

Der dritte Sylt-Krimi entstammt nämlich der Feder von Jan Hinter und Stefan Cantz, die schon den Münsteraner „Tatort“ zu einem Markenzeichen der Krimikomödie reifen ließen.

Gut konstruiert

Bei „Nord Nord Mord“ ist aber, im Gegensatz zu manchem Liefers-Prahl-Spätwerk, sogar der Fall einigermaßen gut konstruiert und durchaus spannend. Zum Auftakt buddelt ein Hund einen abgetrennten Arm aus dem Sylter Sand. Wie sich heraus stellt, gehörte er zu einem gewissen Jan Matthiesen, dessen Leiche in einem Fischernetz entdeckt wird.

Die Spur führt zu einem Hotelparkplatz, wo die wie immer ganz reizende Josefine Preuß ins Spiel kommt, und nach Hamburg, wo in der Haftanstalt „Santa Fu“, ein gewisser Jan Melchior einsitzt. Der war vor 13 Jahren an einem Juwelenraub in Kampen beteiligt.

Trockener Humor und satte Bilder

Die Millionenbeute ist immer noch verschwunden, und die Identität des Komplizen wurde nie enthüllt. War es Jan Matthiesen, inzwischen armlose Leiche, oder vielleicht Sven Jansen, der Surflehrer?

Mit trockenem Humor und satten Bildern, die sich aber diesmal nicht zum Reisekitsch versammeln, entwickelt sich eine muntere Täterjagd über eine Insel, auf der offenbar doch nicht nur die Reichen und die Schönen leben. Man erfährt zum Beispiel, dass ein Polizist sich Sylt angesichts der immensen Immobilienpreise eigentlich gar nicht mehr leisten kann.

Ina zieht also nach einem Wohnungsbrand erstmal bei Hinnerk an und entdeckt ganz neue Seiten am Kollegen, etwa die fanatische Liebe zu einer Sammlung finsterer Orks, auf den Regalen nach Gefährlichkeit geordnet, also nicht anfassen!!!

Köstlich auch Polizist Lund (Waldemar Kobus), der sich auch in der heißesten Verfolgungsjagd nicht vom Genuss eines Fischbrötchens abbringen lässt, oder Inas Opa (Gunnar Möller!), leicht dement und von Vermietern nicht zuletzt gefürchtet, weil er auch im Juli Weihnachten feiert und die brennenden Kerzen vergisst.

Clüvers „Geheimnis“ gab der Folge zwar den Titel, entpuppt sich aber letztlich als harmloser Schlussgag. Macht nix, verzeiht man gern angesichts des alles in allem stimmigen Produkts.

Fazit: „Nord Nord Mord“ ist noch nicht der „Tatort“ Münster, aber auf einem guten Weg.

ZDF, 20.15 Uhr

 
 

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