«Super-Boss» Condello blieb über 15 Jahre unauffindbar

Foto: AFP

Rom. Die Ndrangheta, deren seit mehr als 15 Jahren flüchtiger Boss Pasquale Condello am Montagabend der italienischen Polizei ins Netz ging, ist eine gefürchtete kriminelle Organisation.

Nach Angaben der Regierung in Rom ist das Verbrechersyndikat aus Kalabrien unberechenbarer und undurchsichtiger als die sizilianische Mafia. Die kriminellen Gruppen, die der Ndrangheta angehören, seien inzwischen «zu den gefährlichsten der ganzen Welt» geworden, erklärte das italienische Innenministerium im vergangenen Jahr in einem Sicherheitsbericht.

Laut den italienischen Behörden agieren die 4000 bis 5000 Angehörigen der kalabrischen Mafia nicht nur lokal, sondern auch auf europäischer und internationaler Ebene. Auch hinter dem Mord an sechs Italienern im vergangenen August in Duisburg soll die Ndrangheta stehen.

Die Ndrangheta geht auf eine kriminelle Vereinigung aus Spanien zurück, die im 15. Jahrhundert das Glücksspiel kontrollierte. Später etablierte sie sich im armen Kalabrien im Südwesten Italiens und spezialisierte sich auf Entführungen. Während die Mafia als streng hierarchische Organisation gilt, entwickelte sich die Ndrangheta aus «autonomen Familiennetzwerken», die jeder Einmischung von außen misstrauisch gegenüberstehen. Die Schießerei in Deutschland soll auf eine blutige Fehde zweier verfeindeter Familien zurückgehen.

Organisation führt lukrative Erpressungsgeschäfte

Das ausgedehnte Netzwerk der Ndrangheta, in das Unternehmen und politische Institutionen in ganz Kalabrien verwickelt sind, wurde in den vergangenen Jahren durch mehrere spektakuläre Verbrechen deutlich. So ermordete die Organisation im Oktober 2005 unter anderem den Vizepräsidenten des Regionalrats von Kalabrien, Francesco Fortugno, um die öffentlichen Bauplätze unter ihre Kontrolle zu bringen. Auch führt die Organisation lukrative Erpressungsgeschäfte. In Italien ist die Ndrangheta auch im Waffenschmuggel und Drogenhandel, insbesondere mit Kokain, aktiv. Sie unterhält Kontakte zu den wichtigsten ausländischen Drogenkartellen. Auch mit dem illegalen Verklappen radioaktiven und anderen Giftmülls macht sie Geschäfte.

Laut dem Staatsanwalt von Reggio Calabria, Francesco Mollace, war Condello alias «Il Supremo» einer der letzten bekannten Bosse der Ndrangheta in Freiheit. Ob er den traditionellen Zweig der kalabrischen Mafia repräsentierte oder «das Gesicht» des neuen, eher in der Politik und Wirtschaft mitmischenden Verbrechersyndikats war, werde sich nun zeigen, sagte Mollace der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. (afp)

 
 

EURE FAVORITEN