Sturm „Herwart“ – Öl-Frachter liegt weiter in Nordsee fest

"Herwart" setzt Teile Hamburgs unter Wasser

Die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk hatten in der Hansestadt am Sonntag alle Hände voll zu tun.

Die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk hatten in der Hansestadt am Sonntag alle Hände voll zu tun.

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  • Sturmtief „Herwart“ hielt die Einsatzkräfte in ganz Deutschland auf Trab.
  • In Niedersachsen wurde ein Camper von der Sturmflut überrascht und ertrank.
  • Vor der Nordseeküste lief ein Frachter mit Schweröl an Bord auf Grund.

Berlin.  Sturmtief „Herwart“ hat schwere Schäden in Deutschland hinterlassen. In der Nordsee lief bei starkem Seegang durch Sturm vor Langeoog ein Frachter auf Grund. Sämtliche Rettungsversuche schlugen zunächst fehl.

Der Frachter hat gut 1800 Tonnen Schweröl und 140 Tonnen Marinediesel als Betriebsstoffe an Bord. Bisher wurde kein Schadstoffaustritt festgestellt. Auch sonst meldete der Kapitän bisher keine Schäden am Frachter, so der Sprecher des Havariekommandos.

Bergung des Frachters verschoben

Die Bergung des Frachters kann noch bis zu drei Tage dauern. Das sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel am Montagabend nach einem Besuch des Havariekommandos in Cuxhaven. Ein Bergungsunternehmen aus den Niederlanden sei an Bord und erstelle einen Plan, um das Schiff freizubekommen, sagte der Grünen-Politiker.

Am Dienstag werden die Bergungsmaßnahmen vorbereitet. Für den nächsten Schleppversuch müsse weiteres Einsatzmaterial angefordert werden, teilte das Havariekommando am Montagabend mit. Ursprünglich sollten Schlepper den Schüttgutfrachter „Glory Amsterdam“ mit dem Abendhochwasser von der Sandbank befreien.

Die 22 Menschen an Bord blieben unverletzt

Die 225 Meter lange „Glory Amsterdam“ hatte sich bei starkem Seegang am Sonntag in der Deutschen Bucht losgerissen. Nach bisherigen Erkenntnissen seien die 22 an Bord befindlichen Menschen unverletzt. Vier Mitarbeiter des Havariekommandos unterstützten die Besatzung bei den Vorbereitungen des Rettungsversuchs. Ein Flugzeug des Havariekommandos fliege zudem in regelmäßigen Abständen über den Frachter.

Bahnverkehr läuft wieder

Die Deutsche Bahn bemüht sich nach dem zweiten großen Herbststurm unterdessen, den teilweise lahmgelegten Zugverkehr im Norden und Osten rasch wieder in Gang zu bringen. Vor allem rund um Hamburg wird es nach Angaben des Konzerns jedoch auch am Montag noch Sperrungen geben.

Einzelne Züge auf den Verbindungen Berlin-Leipzig, Berlin-Halle-Erfurt, Dortmund-Hannover und Kassel-Hannover-Hamburg sollten den Betrieb aber bald wieder aufnehmen.

Mehrere Tote und Verletzte

Auf der wichtigen Strecke zwischen Hannover und Berlin werden voraussichtlich ab Montagmorgen wieder Züge fahren, ebenso auf den Routen Hannover-Magdeburg, Berlin und Dresden, sowie Münster und Norddeich. Dagegen dürften die Arbeiten auf den stark betroffenen Strecken Hamburg-Berlin, Dortmund-Bremen-Hamburg, Hamburg-Westerland, Hamburg-Kiel, Hamburg-Lübeck-Puttgarden, Hamburg-Rostock-Stralsund sowie Berlin-Stralsund wohl länger andauern. Die Deutsche Bahn hatte am Sonntag in sieben Bundesländern ihren Fernverkehr gestoppt.

Mehrere Tote, Verletzte und erhebliche Schäden – das war die Bilanz von „Herwart“ am Wochenende in Europa. An der Nordsee in Niedersachsen wurde ein 63-jähriger Camper von der Sturmflut überrascht und ertrank.

Motorboot gekentert

Zu dem Todesfall an der Nordsee in Niedersachsen erklärte die Polizei, der Mann habe mit seinem Bruder auf einem Campingplatz in einem Bulli übernachten und sich beim Herannahen des Wassers zu Fuß in Sicherheit bringen wollen. Der 59 Jahre alte Bruder konnte sich noch an einem Mast festhalten. Er wurde am frühen Morgen von einer DLRG-Schlauchbootbesatzung gerettet und unterkühlt in ein Krankenhaus gebracht. Der 63-Jährige wurde wenig später tot geborgen. Beide Männer stammen aus Nordrhein-Westfalen.

Sturm "Herwart" legt Bahnverkehr in Norddeutschland lahm

Der Herbststurm "Herwart" hat in Norddeutschland den Bahnverkehr stark beeinträchtigt. Die Deutsche Bahn stellte nach eigenen Angaben den Zugverkehr aus Sicherheitsgründen vorübergehend weiträu...
Sturm "Herwart" legt Bahnverkehr in Norddeutschland lahm

In Mecklenburg-Vorpommern kenterte ein Motorboot mit drei Urlaubern aus Sachsen – eine 48-jährige Frau starb. Den Zustand eines geretteten Mannes (56) bezeichnete ein Sprecher der Polizei Neubrandenburg wegen Unterkühlungen im kalten Wasser als kritisch. Die Suche nach einem weiteren Passagier blieb bis Sonntagabend erfolglos. Sie soll am Montag per Boot fortgesetzt werden.

Tote auch in Polen und Tschechien

Auch in den Nachbarländern starben mindestens drei Menschen. In Polen starb ein Mann in der Woiwodschaft Westpommern bei einem sturmbedingten Autounfall, wie örtliche Behörden angaben. In Tschechien wurde eine Frau bei einem Waldspaziergang bei Trebic (Trebitsch) von einem Baum erschlagen.

Ein Mann starb, als er in der böhmischen Kleinstadt Jicin (Jitschin) von einem Baum getroffen wurde, wie die Agentur CTK berichtete. Hunderttausende Haushalte waren in ganz Tschechien ohne Strom, weil Freileitungen beschädigt wurden. In der Slowakei rieten die Behörden vor dem Feiertag Allerheiligen von Besuchen an den Gräbern von Angehörigen ab. In Bratislava blieben Friedhöfe aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Sturm "Herwart" wütet auch über Berlin

Im Bezirk Wedding entwurzelte der Wind einen Baum, der ein Auto unter sich begrub. Die Hansestadt Hamburg erwartete eine schwere Sturmflut.
Sturm "Herwart" wütet auch über Berlin

In Berlin wurde ein Fußgänger von einem umkippenden Baugerüst schwer verletzt. In Sachsen-Anhalt und Bayern verletzten sich Autofahrerinnen, die mit ihren Wagen gegen umgestürzte Bäume prallten. In Nordfriesland überschlug sich ein Autofahrer beim Ausweichen vor Ästen und verletzte sich. Auf der A20 in Mecklenburg-Vorpommern rutschten Autos auf einer fünf Zentimeter dicken Hageldecke aus. Dabei verletzten sich zwei Menschen.

Als der Sturm abflaute, begann das große Aufräumen. Viele Straßen waren zuvor wegen umgekippter Bäume gesperrt worden – vor allem in Nord- und Ostdeutschland entwurzelte „Herwart“ zahlreiche Bäume. Der Wind erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 176 Kilometern pro Stunde am Fichtelberg und 144 Kilometern pro Stunde auf Fehmarn. Er wird sich laut Deutschem Wetterdienst (DWD) zu Wochenbeginn wieder abschwächen. (dpa)

 

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