Studie wirft SWR und NDR zu viel Boulevard vor

Kochkunst mit Vincent Klink  im SWR-Fernsehen.
Kochkunst mit Vincent Klink im SWR-Fernsehen.
Foto: SWR/Peter A. Schmidt
Eine Studie der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung greift die dritten Programme der ARD an. Besonders bei SWR und NDR gibt es demnach zu viel Boulevard-Programm und zu wenig politische Information. Die betroffenen Sender wehren sich.

Frankfurt. Der Termin war clever gewählt. Kurz vor der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises am Mittwoch in Köln holt die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung zum Schlag gegen die dritten Programme der ARD aus. „Eine vergleichende Programmanalyse von SWR und NDR“ sieht die regionalen Sender bei der Information „zwischen Boulevard und Ratgeber-TV“: Das jedenfalls legt der Titel der Studie nahe, die am Dienstag komplett vorgelegt wird.

Information gilt als eine der tragenden Säulen des gebührenfinanzierten Fernsehens. Der Rundfunkstaatsvertrag sieht sie als wichtigste Aufgabe von ARD, ZDF und Deutschlandfunk an. Immerhin soll der weitgehend staatsfern organisierte Rundfunk seinen Teil zur Meinungsbildung der Bevölkerung liefern – ein Stück gelebte Demokratie.

Ratgeber zu Garten, Kochen und Tieren

Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffen nach Angaben des Autors der Studie, Joachim Trebbe, Welten. Demnach behaupten die Dritten, der Informationsanteil ihrer Programme liege bei 70 Prozent. Trebbe verweist demgegenüber auf die hohe Wiederholungsrate von Sendungen und kommt auf einen Anteil von lediglich 40 Prozent. Selbst dieses Ergebnis komme nur zustande, „weil sich die Dritten zu Ratgebersendern entwickelt haben, in deren Mittelpunkt Garten, Kochen und Tiere stehen“.

Trebbe sieht derlei Angebote als Information im weiteren Sinn. Unter Information im engeren Sinn versteht er die journalistische Aufarbeitung politischer oder doch zumindest gesellschaftlich kontroverser Themen. In diesem Bereich liege der Programm-Anteil von NDR und SWR gar nur bei zehn Prozent.

Laut Studie bietet Dritte mehr Menschelndes als Private

Ferner hat Trebbe eine Boulevardisierung der Berichterstattung ausgemacht. Darunter versteht der Medienkritiker Beiträge, die durch Personalisierung eher das Gefühl als den Verstand ansprechen. Der Studie zufolge liegt der Anteil allzu menschelnder Berichte beim NDR bei 21 Prozent, beim SWR bei 15 Prozent. Damit liege er über den Werten des Privatfernsehens. RTL komme auf 14 Prozent, Sat.1 auf acht Prozent.

NDR-Sprecher Martin Gartzke verwies darauf, dass der Sender vor allem im Abendprogramm „sein journalistisches Profil in den vergangenen Jahren weiter geschärft“ habe. Als Beispiele nannte er „Panorama 3“ sowie Medienmagazin „Zapp“. SWR-Sprecher Wolfgang Utz nannte den Befund der Studie für seinen Sender „schwer nachvollziehbar“.

 
 

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